Wilhelm Mastaler       

Historisches rund um die Stadt Güstrow       


 

Der Güstrower Scharfrichter und die "Hexenprozesse"


(2007, ba. 2012)

     
    ◊ Einleitung
 
   Der Scharfrichter
    ◊ Der Gerichtsplatz mit dem Galgen
    ◊ Das Gerichtsverfahren und der Vollzug des Urteils
 
   Gerichts- und Hexenprozesse
    ◊ Die Hinrichtung
    ◊ Die Güstrower "Hexen"
 
   Anlagen
    ◊ Bekannte, in Güstrow vollstreckte Urteile des "Halsgerichtes"
    ◊ Hinrichtungen im Hof des Landgerichtes von Güstrow
    ◊ Bekannte Namen von "Scharfrichtern" in Güstrow
 
    ◊ Quellen- und Literaturverzeichnis
    ◊ Verzeichnis der Abbildungen
 



Im Güstrower Stadtarchiv befinden sich verschiedene Aktenstücke über Hexenprozesse, die vor dem Stadtgericht in den Jahren 1597 bis 1680 geführt wurden. In ihrem Ergebnis sind - soweit aus den Unterlagen zu ersehen ist - fünfzehn Frauen und vier Männer nach Folter und Geständnis mit Sicherheit verbrannt worden - bei sieben weiteren Kandidaten ist zwar Anklage und tlw. auch Geständnis vorhanden, jedoch kein sicherer Vollzug nachweisbar, bei elf weiteren ist nur die Anklage wegen Hexerei dokumentiert. Freigelassen wurden von diesen gesamten 37 Angeklagten nur vier.
Beim Großteil der Angeklagten handelt es sich um Einwohner des Stadtdorfes Glasewitz (8 Verbrennungen, 4 wsl., 20 mögliche, 3 freigelassen). Diese Auswahl ist sicher nicht vollständig, da ein großer Teil der Gerichtsakten nicht mehr vorhanden ist. Trotzdem soll in diesem Zusammenhang einmal versucht werden, die Tätigkeit des "Scharfrichters", der gleichzeitig als "Froner" eingesetzt war, in unserer Stadt etwas näher zu untersuchen.
Der Name "Froner" weist bereits darauf hin, dass er eigentlich ein Angestellter des Herzogs (Froner = Herrendiener) war, der von der Stadt auch für die Aufgaben des Scharfrichters verpflichtet wurde. Mit dem Namen "Froner" verbindet sich für uns heute jedoch nur noch die Tätigkeit des "Abdeckers", der das krepierte Vieh zu entsorgen hatte (1). Ihm ist ein eigener Beitrag gewidmet: "Der Froner der Stadt Güstrow".


Der Scharfrichter

Der Scharfrichter (der mit der Schärfe des Schwertes richtende) vollstreckte vom Mittelalter bis in das 20. Jh. die Leibes- und Todesstrafen. Ursprünglich wurde die Hinrichtung durch den Richter oder den Ankläger selbst vollzogen. Ab dem 13. Jh. trennte sich nach und nach die Rechtsprechung vom Vollzug. Da zu Beginn vielfach freigelassene bzw. begnadigte Schwerverbrecher zu der Ausübung des Amtes eines Scharfrichters gleichsam gezwungen wurden, hing von Anfang an diesem Beruf die Aura des Grauenvollen an, was natürlich durch die Art der Tätigkeit noch verstärkt wurde. Als Folge dessen wurde der Scharfrichter, auch "Henker", "Nachrichter" oder einfach "Meister Hans" genannt, allmählich von der Gesellschaft geächtet. Später gehörte seine Tätigkeit zu den "unehrlichen Berufen". Zu den direkten Aufgaben des Scharfrichters gehörte die eigentliche Hinrichtung und die Folter zur Erzwingung des Geständnisses als Teil des Gerichtsverfahrens. Daneben musste er auch oft weitere unangenehme und geächtete Aufgaben übernehmen: das Abschneiden und jedenfalls die Bestattung von Selbstmördern oder die Aufsicht über Frauenhäuser (Bordelle).
In unserer Stadt war das Amt des Henkers aus praktischen Gründen mit dem des Abdeckers (oft auch als Schinder, Racker oder als Wasenmeister bezeichnet) zusammen gelegt. Die Tierkörperverwertung sorgte für das finanzielle Auskommen des Scharfrichters / Froners und die Abdecker-Gehilfen konnten bei einer Hinrichtung assistieren, waren so die "Henkersknechte".
Die Aufgaben des Scharfrichters gliedern sich für die Zeit des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit wie folgt: Durchführung von Körper- und Ehrenstrafen, Anwendung der Folter, Hinrichtungen, Entsorgung der Hingerichteten und Selbstmörder. Scharfrichter überließen das Foltern, das Henken und (seit der Französischen Revolution) die Tötung durch die Guillotine oft auch ihren Gehilfen und übernahmen nur die Aufsicht. Die Enthauptung mit dem Schwert oder dem Henkersbeil wurde jedoch vom Scharfrichter selbst durchgeführt, da hierfür Geschick notwendig war. Der Kopf sollte nach Möglichkeit mit nur einem Schlag vom Rumpf getrennt werden. Gelang das nicht, konnte der Scharfrichter selbst zum Opfer von Lynchjustiz werden.
Den Söhnen von Scharfrichtern stand praktisch kein anderer Berufsweg offen und ihre Töchter konnten nur in diesen Kreisen heiraten und halbverrufenen Tätigkeiten (Wahrsagen, Liebes- und Schadenzauber, magischen oder Naturheilverfahren) nachgehen. Heinrich Heine ließ z.B. durchblicken, sein erstes Liebchen sei aus einer solchen Familie gekommen. So bildeten sich Scharfrichterdynastien, die aufgrund des geschlossenen Heiratskreises vielfältige verwandtschaftliche Verflechtungen aufweisen: Sie wurden geradezu zu einer "Kaste". Es war bereits sehr schwer für sie, bei der christlichen Taufe Paten zu gewinnen. Eine der bekanntesten war die Familie der Sansons, die über vier Generationen die Henker von Paris und einigen anderen französischen Städten stellte.

Das die Frohner und Scharfrichter auch mal die Opfer waren, zeigt ein Eintrag aus den Wismarschen Stadtakten vom 28. September 1624: " ... haben zwei Deponenten, Christian und Peter Müller, welche in der Frohnerei gefangen gesessen, erstlich den Frohner-Knecht, bald darauf den Frohner selbst und dessen Frau, in der Frohnerei jämmerlich ermordet, auch die Magd und Kinder, welche noch übrig gewesen, so lange gequält, bis sie ihnen die Schlüssel zu den ihnen angelegten Schlössern gewiesen, mit welchen sie die Ketten los und sich davon gemacht. ... "

Da die Scharfrichter aufgrund ihrer Tätigkeit auch gute medizinische, vor allem anatomische Kenntnisse hatten, nutzten dies viele, um sich durch chirurgische Tätigkeiten (z.B. das Einrenken von Gliedmaßen oder Knochenbrüchen) oder die Verabreichung von Heilmitteln aller Art (darunter nicht selten Salben aus Menschenfett) einen Nebenverdienst zu sichern. Dies mag auch der Grund sein, warum viele aus ehemaligen Scharfrichterdynastien stammende seit dem 17. / 18. Jh., als im Zuge der Humanisierung des Strafvollzugs immer weniger Scharfrichter benötigt wurden, auf verwandte Berufszweige wie Bader, Wundarzt oder Pharmazie auswichen – dies wieder erklärt den ursprünglich großen sozialen Abstand von (hoch geachteten) "Ärzten" zu (anrüchigen) "Chirurgen" (2).

Die Tätigkeiten des Scharfrichters oder Nachrichters sind uns heute weitgehend unverständlich, soweit sie die Folter und deren Methoden betreffen. Und doch steckt noch in den Begriffen "verhängen" und "vollstrecken" – für uns heute unbewusst – das "Aufhängen am Galgen" und "die Folter auf der Streckbank". Wenn wir heute diese Gerichtsprotokolle der damaligen Zeit lesen, dann stehen wir etwas hilflos diesen Vernehmungen gegenüber, ganz besonders bei den Hexenprozessen. Bestand doch das Stadtgericht aus tüchtigen und verdienstvollen Mitgliedern des Magistrats. Dabei müssen wir uns jedoch immer wieder klarmachen, dass man die Ansichten der damals lebenden Bürger der Stadt nicht an unseren heutigen Rechtsvorstellungen messen darf. Das Rechtsempfinden war gerade dabei, sich umzustellen von dem Prinzip der "Vergeltung" und dem "Beweisverfahren" zu dem sog. "Inquisitionsverfahren". Die damaligen Juristen – es entstanden an den Universitäten überall Juristische Fakultäten – waren der Ansicht, dass ein gerechtes Urteil nur gesprochen werden könne, wenn der Beklagte seine Schuld auch selbst zugeben würde. Und da er das gewöhnlich nicht freiwillig tat, musste man ihn dazu zwingen – auch mit Hilfe der Folter (3), (4).
Um der bisher gebräuchlichen Willkür der Richter bei der Strafbemessung ein Ende zu bereiten, hatte Kaiser Karl V. im Jahre 1532 eine "Peinliche Gerichtsordnung", die sog. "Carolina", erlassen, in der das Strafverfahren, das Strafmaß und die Urteilsvollstreckung festgelegt waren (5).

Armesünderturm

Abb. 1. Armesünderturm in Güstrow

Der Gerichtsplatz mit dem Galgen

Die ersten Nachrichten über einen "Hinrichtungsplatz" in Güstrow begegnen uns in den "Regesten", den noch nicht gedruckten Akten des 15. Jh. im Landeshauptarchiv Schwerin. Hier wird bereits seit 1407 von dem "Galgenberg" vor dem Mühlen- bzw. dem Schnoientor, dem "Gerichte" jenseits der Nebelbrücke; oder auch nur von der "Justice" gesprochen (6). Im Stadtarchiv Güstrow begegnen uns Nachrichten erst nach dem Jahre 1503, dem verheerenden Stadtbrand, dem auch das Rathaus mit dem Archiv zum Opfer gefallen war. Der Galgen lag immer außerhalb der Stadt, in Güstrow etwa am Platz der heutigen "Neuen Straße 2" neben einem Ackerstück mit dem Flurnamen "Schweinebrinck". Da die zur Todesstrafe Verurteilten am Galgen hängen bleiben mussten, bis sie von alleine abfielen, um dann an Ort und Stelle verscharrt zu werden, wollte man solchen Platz nicht gerne innerhalb der Mauern haben, sodass in der Stadt selbst höchstens Enthauptungen durchgeführt wurden. So vermerken die Stadtregister im Jahre 1647/48 eine Ausgabe von 54 Gulden für den Neubau des Galgens, der sicher von Zeit zu Zeit erneuert werden musste (7).

Kurz vor dem Beginn des 30-jährigen Krieges erscheinen im Ausgaberegister der Stadt in den Jahren 1602/03 Zahlungen für den Scharfrichter, der eine Beschuldigte peinlich verhörte (8) und über sonstige Ausgaben für Inhaftierte (9). Und das Stadtprotokoll hält 1646 fest: "Demnach die notwendigkeit erfordert, dass das Gericht (der Galgen) alhir wieder müssen reparieret werden, und gebräuchlich, dass nicht allein alle Zimmerleute dabey gegenwertig sein, der erste Hieb von der Obrigkeit geschehen müsse. Also hat Ifg. der Stadtvogt und wegen E.E. Rathes am Gericht alhir habenden dritten theil und der obersten spezial jurisdiction (Gerichtsbarkeit) der pro tempore (zur Zeit) worthabende Bürgermeister gethan, und haben die Zimmerleute bekommen für 3 balcken ins Gericht zu legen 3 tonnen bier, für die leiter 1 und für den Kack (Pranger) 1 tonne bier, Imgleichen die beiden Zimmermeister alß Ifg. und E.E. Raths ein jeder 1 neue bint acksten (Stoss-Axt) und 16 Schilling gelt, wie dan auch die maursleute für das Gericht den kack zu bawen und zu bessern 4 tonnen bier" (10).
Zu diesem Vermerk im Protokollbuch des Rates sind einige Erläuterungen notwendig:
a) Es war ein uralter Brauch, der wahrscheinlich auf germanisches Recht und alte Überlieferungen zurückgeht, dass bei jedem Neubau des Galgens oder seiner Reparatur ein Mitglied des Rates, als Vertreter des Gerichtes, die ersten drei Hiebe in den Balken zu tun und auch die ersten 3 Steine aufzusetzen hatte.
b) Da sowohl der Scharfrichter als auch der Galgen dem Herzog und der Stadt gemeinsam verpflichtet waren, hatten die Handwerksmeister der Stadt und auch des herzogl. Amtes an diesen Arbeiten beteiligt zu sein. Deshalb waren die Kosten auch zu ⅓ von der Stadt und zu ⅔ vom herzogl. Amt zu tragen.
c) Es handelte sich um keinen "Kniegalgen", sondern um einen sog. "Dreischläfrigen Galgen", der aus 3 senkrechten Stützen mit 3 darüber gelegten Balken bestand. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass an diesem Galgen drei Verurteilte gleichzeitig gehängt werden konnten (11).

Im Jahre 1714 war eine erneute Reparatur des Galgens notwendig geworden, als das herzogl. Amt einen verurteilten Dieb aufhängen lassen wollte. Dazu war der Galgen im Augenblick jedoch wegen Baufälligkeit nicht zu gebrauchen. Die Stadt war bereit, ihn im kommenden Frühjahr wieder in Ordnung zu bringen. Sollte das fürstl. Amt auf einer sofortigen Hinrichtung bestehen, dann müsste ein besonderer Galgen an einem dem (fürstl.) Stadtgericht commoden Orte errichtet werden. Die Kosten jedoch müsste dann auch das herzogl. Amt alleine übernehmen (12). Im gleichen Monat berichtete der Stadtrichter dem Herzog Carl Leopold wegen der geplanten Execution des Andreas Braun:
" ... wie der Galgen in 100 Jahren und mehr nicht gebraucht worden ist, und diese Justiz in den Stande gerathen, dass unmöglich, die Execution darin verrichtet werden kann, ohne ihn vorher reparieren zu lassen". Er bat dem Herzog um Bestätigung seiner Zusage, die Hälfte der notwendigen Kosten zu übernehmen, etwa 60 bis 70 Rt. Die Stadt erklärte sich daraufhin bereit, den Rest der Kosten zu tragen (13). Nun erhielten die Handwerker der Stadt auf Befehl des Herzogs den Auftrag, den Galgen zu reparieren, um den Deliquenten Braun dort aufhängen zu können (14). Doch die Arbeit verzögerte sich, da die Stadt eine behelfsmäßige Reparatur ablehnte. Die Handwerker könnten den Galgen nicht erneuern, solange noch ein Verurteilter an dem Balken hängen würde (15).

Der Magistrat der Stadt war streng darauf bedacht, alle Rechte an dem Galgen zu wahren, der "auf seinem Grund und Boden" errichtet sei und ihr alleine gehöre. Als 1728 das herzogl. Amt die Stadt um die Benutzung des Galgens bat, um einen Verurteilten dort aufhängen zu lassen, war das nicht so einfach. Das herzogl. Gericht musste schriftlich mit einem Revers bestätigen, "dass künftig solches ihrem habenden Rechte nicht praejudizieren (für spätere Entscheidungen maßgebend sein) möchte". Die Stadt verlangte für die Abtretung des Galgen 5 Rt. und forderte, dass zwei Abgesandte des Rates und zwei reitende Stadtdiener den Zug zur Hinrichtung durch die Stadt begleiten sollten (16).

Im Jahre 1746 vermerkten die Tischler in ihrem Amtsbuch einen Auftrag der Stadtkämmerei über die notwendige Reparatur des Galgens. Die Arbeiten liefen in diesem Jahre jedoch nicht "nach altem Gebrauch" ab, wie der nachstehende Bericht zeigte:
"... hat die Kämmerei den altermann Christoff Wiesen fordern lassen, im gleichen die Maurer Meister Rab und Finkenwert, den Zimmer Meister Lufft wie auch die beiden alter leute der Grob und Klein Schmiede als Fürst und Pauly, und ihnen vorgestellt, das verfallene Gericht sollte wieder gebaut werden (welches in 2 neue Seiten, neuen Balken, und einer neuen Tür bestanden). Wie nun der gesetzte tag als der 15. August benannten Jahres des Morgens die Maurer mit ihren Gesellen von ihrem alten hause in gliedern vor dem Rathause aufgezogen kamen und ihre handlangers mit Schüppen und Kalkmollen auf den achseln hinterher, sich gestellt hatten, so kamen auch die Zimmerleute mit ihren gesellen und gingen von ihrer Herberge gezogen und hätten ihre Landmeisters mit ihren Gesellen auch dazu herein gefodert, welche mit dabey wahren, und sich in gliedern zu rechten der Maurleute in gliedern gestellt. Die Meisters hatten lange Maßstäbe von 10 fuß lang weis angestrichen mit am ende vergüldet, imgleichen die neuwe ackste ihnen gegeben, trug ein landmeister, der Müller zu dicke (Diekhof), welche das Eisen gans vergüldt wahre. Die Tischler und Schlosser aber erschienen ohne aufzug, auf den Platz mit ihren gesellen, ein jeder vor sich. Nun sollten sie alle mit den Stadt Musikanten vorne auf und durch die Stadt Trommler für denen gliedern gestellt hinaus geführt werden nach dem gericht. Aber da entstand ein Streit um den von den ämbtern, die Zimmer leute wollten denen Maur leuten nicht weichen, die Schlösser wollten auch vor die Zimmer leute gehen. Wir Tischler aber hielten es gleich, wir währen die Ersten oder die letzten. Die alter leute vom handwerk mussten um den Streidt vor dem H. Bürgermeister Schöpfer erscheinen, da es denn nach langen debatten entlich verglichen worden, dass die Zimmer leute aus dem Mühlentohr mit den trummeln sollen nach dem Gericht ziehen, die übrigen aber mit die Musikanten auß dem Schnoientohr, also gingen die Maurer mit ihren Gesellen vorne, darauf folgten die Schlösser mit ihren Gesellen, und zu letzt die tischler mit ihren gesellen und die Maurer, die Handlangers zuletzt. Die Deputierten des Raths fuhren hinter nach, die Zimmer leute wahren schon bey dem gericht. Wie wir vier kamen mit ihren gesellen, aber sahen, dass wir mit Musikanten kamen, verdross es ihnen, dass sie nur mit der trummel währen hingeführet. Als der Deputierte vom Rath als der H. Georg Spalding ein Rathsherr in beysein des Stadt Secretärs H.Tarnow den ersten heu (Hieb) mit der vorgülten acks und weise hanschen (weißen Handschuhen) anhabet verrichtet hatte, taten die älsten und übrigen Meisters der Zimmer leute ein gleiches, ihre gesellen aber schlugen mit der verkehrten acks auf das holtz, welches schon vorher war hin gefahren, weil sie auch mit der musik wollten aus geführt werden. Der Deputierte des Raths erbot sich, weil die Musikanten noch zugegen, wolle er sie von der Nebelbrücke nach dem Gericht spielen lassen, aber da wahr kein gehör, sondern gingen alle weck. Der Deputierte lägte darauf den ersten stein, wo bey sich die Maurer alles Schutzes ihrer handewerck aus bäten, welches ihm auch versprochen wurde. Wir nahmen die maß von der thühr und gingen ein jeder vor sich durch das Mühlenthor nach des älsten hause, da war uns von der Kemmerey vor 24 Schilling weis broth und eine halbe tonne bier gesand, darauf dann der Deputierte des Raths mit dem Secretär sich gleichfals einfandt, und den ersten 3 hübelstrich (Hobelstriche) auf das holtz tat welches der alter Wiese zu thun müchte, welches ihm auch von der Stadt ist bezahlt worden, da dan Meister und gesellen daran arbeiten von dem ambt aber ferner einen Meister als M. Hoikendorf die föllige auf sich aufgetragen wurde, der den alles besorgte dass der ... von den gesellen föllig fertig gemacht wird, noch den selbig tag, zwischen die fuge sind für geschlagen und gebauet, auch die leisten eingeschoben und genagelt, wo zwischen eine schrege trage leiste ein gebaut worden, des andern tages frümorgens seind die Zimmer leute gleich fals mit der Musik hinaus gebracht, da den die balckens sind gemacht und ein gelügt worden, und ist von den Maurers daran gearbeitet bis den Donnerstag als d. 18. August, da dann alles fertig geworden, bemelten Donnerstag wurden die tischler Meisters und gesellen gebeten, wieder bey dem gericht zu erscheinen, um die dühr ein zu passen und anschlagen zu helfen, welches auch geschehen, da dan die Zimmer leute vor sich wieder zu erst heran gezogen mit allen spiel, ein par stunden hernach wollten wir auch wieder herein ziehen, doch so, wie vor 30 Jahren die handwerker gegangen nach dem loß, welches die älsten haben darum werfen müssen, aber die Maurer sind dieses mahl dazu nicht zu bringen gewesen, sondern verlangten den vorzug, worüber sehr gestritten ward, da den Tischler und Schlösser verdrießlich wurde, und die Maurer allein ziehen lißen, weil sie sich während der arbeit an dem gericht hatten eine Fahne machen lassen, womit sie auch herein zogen, und wir vor uns oder ein jeder vor sich nach der stadt gingen, den Tischler gesellern ward auf der herberge wie sie wieder herrein wahren, von der Stadt noch gegeben von 24 schilling weis broth und eine halbe tonne bier den selben abent" (17).

Dieser Bericht enthält einige interessante Angaben über den Galgen:
- Es bestand immer noch das alte Zeremoniell bei der Reparatur des Galgens, obgleich man wahrscheinlich die Bedeutungen nicht mehr richtig verstand;
- der Galgen, oder das "Gericht" war bereits von einer Steinmauer umgeben, auf welcher drei gemauerte Säulen mit den senkrechten Stützbalken standen. In der Mauer war eine Tür, die verschlossen werden konnte. Der Schlüssel wurde auf dem Rathause verwahrt und vor jeder Hinrichtung dem Scharfrichter übergeben,
- zu der Reparatur wurden auch die Handwerksmeister des fürstl. Amtes herangezogen. Bei den Zimmerleuten waren es die Müller der Wassermühlen, die als Zimmermeister ausgebildet waren, da sie ihre Mühle selbst erbauen bzw. reparieren mussten. In unserem Falle war es "der Müller vom dicke". Es handelte sich bei diesem um den Wassermüller von "Diekhof", dessen Mühle in dem alten Ort "am Dieke" lag; nördlich des heutigen Dorfes.
- es bestanden bereits erhebliche Reibereien über die Rangordnung der einzelnen Zünfte (Ämter), die ihr Ansehen durch den Besitz einer "Fahne" steigern wollten.

Eine erneute Reparatur des Galgens war im Jahre 1791 fällig geworden. Nach einer Besichtigung durch die Maurermeister Hannemann und Jahr sowie den Zimmermeister Böhlau hielt man eine Reparatur für zu teuer und machte den Vorschlag, die gemauerten Pfeiler bis auf die Umfassungsmauer abzubrechen und an ihrer Stelle hölzerne Stützen nach Art des Rostocker Galgens aufzurichten (18). Man einigte sich dann aber darauf, den alten Galgen wieder nur zu reparieren. Der Magistrat wollte aber auf jeden Fall verhindern, dass die Ämter erneut getrennt aus dem Mühlen- und dem Schnoien Tor hinausziehen würden. Die Altmeister versicherten, dass man sich darüber bereits geeinigt hätte. Zum Auszug wollte man sich am 11. Oktober morgens um 8 Uhr vor dem Rathause einfinden. "Der Stadtmusikant Stolberg wurde verständigt, sich an solchem Tage auf dem Rathause einzufinden, und den Auszug sowohl wie den Einmarsch mit klingendem Spiel beyzuwohnen". Als Deputierte des Magistrats überwachten der Herr Doctor und Senator Hansen sowie der Stadtsekretär Tornow die Arbeiten; für das erforderliche Material und die "Bewirtschaftung" der Handwerker zeichnete der Senator Sibeth als Verantwortlicher (19).
Aber der Streit wegen der Fahnen war noch nicht abgeschlossen. Denn jetzt verlangten auch die Hufschmiede und Schlosser eine entsprechende Erlaubnis, "damit ihre Nachkommen den Beweis hätten, dass magistratus ihnen wegen ihres guten und friedfertigen Verhaltens bey gelegenheit jener Reparatur eben das verstattet hätte, was den Zimmerleuten und Tischlern, die bey dem Auszug noch keine Fahne gehabt, sich aber solche noch vor dem Einzuge verschafft hätten, erlaubt worden". Mit den Fahnen wollten sie dann an einem bestimmten Tag in der Stadt herumziehen, um die ihnen gemachten "Honeurs" (Ehrenbezeigungen) zu erwidern. Doch das wurde ihnen vom Magistrat nicht erlaubt. Die Fahnen dürften nur bei der Reparatur des Galgens benutzt werden; da im andern falle "jetzt ein Auflauf deshalb entstehen könnte" (20).
Der Hinrichtungsplatz oder "das Gericht" mit dem Galgen vor dem Schnoientor, auf dem auch Enthauptungen und Verbrennungen durchgeführt wurden, wurde seit 1805 nicht mehr benötigt und der Galgen im Jahre 1807 abgebrochen (21).

Zeitweise jedoch gab es noch einen zweiten Galgen in Güstrow, den sog. "Garnisons-Galgen", auf dem Pferdemarkt. Er war dort Ende des 17. Jh. von den Soldaten des Niedersächsischen Kreises aufgerichtet worden, die nach dem Tode des letzten Güstrower Herzogs Gustav Adolph 1695 in unsere Stadt eingerückt waren. Als im Jahre 1711 zwei Deserteure des Zülow’schen Bataillons dort aufgehängt werden sollten, war er bereits sehr baufällig und nicht mehr zu gebrauchen. Er wurde deshalb wieder erneuert, kam jedoch nicht mehr zum Einsatz, da der Herzog Carl Leopold die beiden Soldaten in der Zwischenzeit begnadigt hatte. Als im Jahre 1739 der Scharfrichter der Schwarzburg’schen Garnison einen Deliquenten daran hinrichten wollte, war es ihm nicht möglich, da das Knie des Galgens bereits abgebrochen war. Ein Versuch, den Verurteilten an einem Nagel aufzuhängen, der in den noch stehenden Baum geschlagen wurde, gelang nicht, da der Nagel herausbrach (vielleicht zum Glück für den Verurteilten!) Der Galgen wurde deshalb vom Rat der Stadt 1755 entfernt, da er von den Einwohnern dazu benutzt wurde, "ehrliche Leute durch angehängte Schmähschriften zu beschimpfen". An seinem Fuß wurde nur noch Unrat abgeladen, ganz entgegen der Absicht des Herzogs, "die Straßen der Stadt rein zu halten" (22).
Jetzt aber beschwerte sich der Herzog Christian Ludwig und forderte die Stadt auf, ihm umgehend einen Vorschlag zu unterbreiten, wo "zur Abschreckung der Miliz" ein neuer Galgen aufgerichtet werden könne (23). Im Einvernehmen mit dem Stadtkommandanten erklärte sich die Stadt bereit, "bei Bedarf" einen neuen Galgen an geeigneter Stelle (im Gespräch war der vor dem Gertrudenfriedhof gelegene Rosengarten) aufzustellen (24). Doch dazu ist es nicht mehr gekommen.

Das auch in Güstrow die aufgehängten Verurteilten zumeist am Galgen zur Abschreckung hängen blieben bis sie von allein abfielen oder abgenommen werden mußten, habe ich schon erwähnt. Aber wie lange dies dauern konnte, zeigt ein Auszug aus dem Bericht des Ampts Notarius F. Fabricius vom 08.06.1728. " Nachricht wegen der Execution des Inquisiten Johann Heinrich Niemanns, welcher am 8. Juny 1728 seiner begangenen Dieb-Ställe halben, mit dem Strange vom Leben zum Tode gebracht, und von seiten des fürstl. Amptes alhie zu Güstrow in dem ordinäiren Stadt-Gerichte, jenseits der Nebel-Brücke aufgehangen und strangulieret worden. ...
13) Der Inqusit ist an den Balcken nach Strenz hin gehangen, die andern 3 Inquisiten, so etwa vor 1 ½ Jahren von seiten des Stadt-Gerichts gehenckt worden, hangen an den Balcken nach der Walken-Mühle hin, der Balcken nach der Stadt hin ist jetzo noch ledig. "
(StA).

Der Scharfrichter war aber auch für einen anderen Zweck gut zu gebrauchen. So tauchten im Jahre 1716 gedruckte Schmähschriften gegen den Herzog Carl Leopold – insbesondere wegen dessen Ehescheidung - im Lande auf, ohne Namen und Unterschrift. Der Magistrat der Stadt war von dem Herzog beauftragt worden, den Titel einer von ihm verfassten Gegendarstellung durch den Scharfrichter am Pranger öffentlich verlesen zu lassen. Anschließend hätte dieser die gedruckte Schmähschrift in die Höhe zu halten und vor aller Augen zu verbrennen. Dies sollte geschehen, um dem Urheber anzudrohen, was mit ihm geschehen würde, "falls sein Nahme könne offenbahr gemacht und er zur gerichtlichen hand gebracht werden, zum Exempel verfahren werden solle" (25).

Das Gerichtsverfahren und der Vollzug des Urteils

Mit dem Erlass der "Carolina" im Jahre 1532 durch Kaiser Karl V. war in der Rechtsfindung auch das Inquisitionsverfahren eingeführt worden mit der Folter als Mittel, den Beschuldigten zu einem Geständnis zu zwingen. Dieses Verfahren hatte – außer dem Namen – mit der berüchtigten spanisch-französischen Inquisition nichts zu tun, die bereits im 13. bzw. 15. Jh. eingestellt wurde, sondern enthielt Elemente der im Jahre 1542 gegründeten "Römischen Inquisition". Da viele Richter und Juristen der damaligen Zeit ihr Wissen an italienischen Universitäten erworben hatten, waren ihnen Gedanken der "Römischen Inquisition" nicht unbekannt (26), (27).

Die Handhabung der Folter ist für uns heute nur schwer verständlich und wird als "unmenschlich" empfunden. Aber für die Menschen der damaligen Zeit waren Grausamkeit und die Freude an der Qual Anderer nicht ungewöhnlich, war doch die Folter selbst keine Strafe, sondern nur ein Mittel, die Schuld eines Angeklagten zu ermitteln. Man hatte nicht den Eindruck, einen Verbrecher umzubringen, sondern feierte den Sieg über das Böse. Dadurch wurde eine Hinrichtung zu einem freudigen Ereignis, an dem nach Möglichkeit jeder Einwohner der Stadt teilnehmen wollte. In der Vorliebe für die Folter und die öffentlichen Hinrichtungen schwingt so etwas mit von der dunklen-pessimistischen Stimmung, der die Menschen des 17. Jh. so leicht verfielen, "ein letztes Aufbäumen der mittelalterlichen Welt, ein krampfhafter Versuch zu retten, was bereits durch Reformation und beginnende Aufklärung verloren war" (28).
Die Folter war bereits im germanischen Recht, beeinflusst durch den Gebrauch im römischen Reich, enthalten und gegen Sklaven angewandt worden. Bei kriegerischen Ereignissen war ihre Anwendung stets üblich, aber noch nicht in der ausgebildeten Form, wie sie später von den Scharfrichtern planmäßig entwickelt wurde (29). Welche Form der Scharfrichter bei den uns bekannten Strafverfahren angewandt hatte, kann im Einzelnen flüchtig aus dem Anhang ersehen werden.

Der Scharfrichter brauchte zur Durchführung der Folter auch die entsprechenden Räume und Einrichtungen, die ihm die Stadt zur Verfügung stellen musste. Als sich der Scharfrichter Caspar Hofmann 1589 beim Rat der Stadt über seine schlechte Wohnung beklagte – wo sie früher einmal gelegen hatte, weiß man nicht - und vorschlug, die Fronerei an die Stadtmauer zu verlegen, da vermerkte er auch, "dass darin unterschiedene gewelbe (Gewölbe, Räume) und andere gefangnus (Gefängnisse) zugerichtet" werden müssten (30).
Der Neubau der Fronerei erfolgte noch im gleichen Jahr (1589) an der Schnoien Mauer unter Verwendung eines Turmstumpfes der Stadtmauer, der heute als "Armsünderturm" bekannt ist. Für das Jahr 1659 finden sich bereits im Bruch-Register (1601-1685) der Stadt Reparaturausgaben für den Stall der Fronerei und das Haus am Turm. Jedoch musste der Herzog im Jahre 1681 den Rat der Stadt noch ermahnen, endlich mit dem Neubau des Gefängnisses bei der Fronerei (wurde ein Nebengebäude des Turmes in der Schnoien Straße) zu beginnen. Der Anteil der Stadt von ⅓ der Baukosten betrug 175 Gulden, und sollte dem herzoglichen Stadtrichter unverzüglich ausgezahlt werden (31).

Im Jahre 1724 wurde bei der Besichtigung der Fronerei ein Protokoll vom Rat der Stadt und dem Stadtrichter verfasst, in dem festgestellt wurde, dass "das gedachte Gebäude in gar schlechten stande und zwar das Dach müsste reparirt werden. Die Angst-Kammer (Folterkammer auf dem Turm), worin ein unbrauchbarer Ofen, auch der Schornstein nicht im stande, müsste gleichfalls verbessert werden. Ferner sind die sog. Cojen, worin die Gefangenen des Nachts liegen, in gar schlechtem stande, indem dieselben mit ganz alten dünnen tannen brettern bekleidet, wozu dann wohl eichene Bohlen vermodet (vermutet - benutzt) werden durften" (32).
Der Vorschlag zum Neubau des Scharfrichter-Hauses wurde im Jahre 1752 vorgelegt. Das neue Haus sollte "von 12 Gebindt (Rahmen), 20 fuß breit, auf den 4ten fuß verbunden" sein. Das alte Haus müsste gänzlich abgebrochen werden, ebenso die kleine Treppe, "so von dem Boden nach dem Zimmer auf dem Turm gehet". Neben dem Wohnhaus stand das Stock-Haus (Gefängnis). Weiterhin "ist an der Fronerei der Turm, worinn unten der Keller, oben über aber ein Zimmer, so die Folter-Kammer abgiebet, dieses ist allenfalls ruiniret und muss am Dach, Fenster und Holzwerk repariert werden" (33).

Es erübrigt sich, auf Einzelheiten der Befragung unter der Folter, die unsinnigen Antworten der gequälten Menschen und die Urteilsvollstreckung im Einzelnen näher einzugehen. Um so makabrer mutet ein Schreiben des Herzogs Gustav Adolph an den Magistrat der Stadt Güstrow aus dem Jahre 1665 an, in dem angeordnet wurde, dass die Beschuldigten auf keinen Fall durch die Nachlässigkeit des Gerichts Schaden "an Seel und Leib" nehmen sollen, sondern man hätte in solchem Falle "ungesäumbt nach einem Prediger schicken, auch danebenst einen Medicum oder Chirurgum, da etwa einer vorhanden" (34). Der Tod unter der Folter hätte ja dem Richter die Möglichkeit genommen, seine Anschuldigungen bestätigt zu sehen.

Mit der "Constitution zur Abschaffung der Tortur in den Herzogthümern Mecklenburg" des Herzogs Friedrich vom Jahre 1769 verlor das Amt des Scharfrichters einen großen Teil seiner Bedeutung. Die Folter durfte jetzt nur noch angewandt werden, wenn "der Inquisit, der bereits geständig und überführt war, die Namen seiner Mithelfer und Ratgeber trotz allen Zuredens nicht bekennen will, oder auf besondere Anweisung des Amtsgerichtes bei außergewöhnlichen Fällen" (35).

Lage vom Gericht - Galgenberg

Abb. 2. "Das Gerichte", Ausschnitt aus der Karte von Hermann 1727 mit der Feldmark und dem "Galgenberg" nördlich des Mühlentores

Gerichts- und Hexenprozesse

Einen traurigen Höhepunkt in der Tätigkeit des Scharfrichters bildeten die im 16. und 17. Jh. auch in unserem Lande ausgebrochenen Hexenprozesse, die sich zu einem Höhepunkt der Grausamkeit entwickelten. Die Grundlage dafür war u.a. auch die Verwahrlosung der Sitten im Verlaufe des 30-jährigen Krieges, die auch durch die Reformation nicht verhindert werden konnte. Für die Hinrichtungen wurden besondere "Regiebücher" verfasst, um den Zuschauern ein "würdiges Schauspiel" bieten zu können (36).

In der Rechtsprechung über "Hexen und Zauberer" war inzwischen ein neuer Gedanke in den Vordergrund getreten: Die Zauberei sei nicht nur eine Schädigung von Menschen und Tieren, sondern ein vollendeter Teufelskult. In der Verurteilung der Zauberei, des "Bötens" und des "Besprechens" waren sich alle geistlichen und weltlichen Mächte einig (37). Nach der herrschenden Meinung wirkte der Teufel jetzt nicht mehr von außen als Verführer auf den Menschen ein, sondern dieser selbst war der Böse. Man könne diesen Leuten jetzt nicht mehr helfen, sondern sie nur noch vernichten. Dabei half auch ein reumütiges Geständnis nichts mehr. Damit wuchs aber auch das gegenseitige Misstrauen, denn nun konnte man einen "bösen Menschen" nicht mehr äußerlich erkennen. Man wusste nie, ob er einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte. Es blieb nur noch das Geständnis des Beschuldigten selbst, auch mit Hilfe der Folter. Und damit war das Bild der "Hexe" vorgezeichnet, die einen Vertrag mit dem Teufel geschlossen hatte und damit vom rechten Glauben abgefallen war. Die daneben auftretenden "Hexenmeister" spielten nur eine unbedeutende Rolle (38).

Wenn auch die "Carolina" in der ersten Zeit bei der Ritterschafft weitgehend auf Ablehnung gestoßen war, da sie die bisherige willkürliche Festsetzung des Strafmaßes einschränkte, so fanden doch bereits 1562 einige ihrer Bestimmungen über Gotteslästerung, Hexerei und über das Erkennen von Zauberei Eingang in die Mecklenburgische Polizeiordnung (39). Damit war die rechtliche Grundlage für die kommenden Hexenprozesse im Lande hergestellt worden. Die Anwendung des Feuertodes auf dem Scheiterhaufen bei der Bestrafung von Hexen ergab sich aus der damaligen Vorstellung von der reinigenden Kraft des Feuers und des Wassers (40). An diesen Vorstellungen hatte auch die Reformation nichts ändern können; sie verlieh der Obrigkeit sogar noch neue Legitimationen. War doch das alte religiöse Weltbild weitgehend erhalten geblieben und der Herrscher immer noch "von Gottes Gnaden". Luther selbst war der Meinung gewesen: "Mit den Hexen soll man keine Barmherzigkeit haben, ich wollte sie selber verbrennen" (41).
Nach der "Carolina" durfte eigentlich jemand wegen Zauberei nur verurteilt werden, wenn er damit Menschen oder dem Vieh Schaden zugefügt hätte. Und auch in der "Polizey- und Landordnung" der Herzöge Johann Albrecht und Ulrich aus dem Jahre 1572 war die Bestimmung enthalten, dass mit dem Tode keiner bestraft werden sollte, wenn er "damit niemand schaden gethan hette, der soll sonsten nach gelegenheit der sachen gestraft werden". Aber schon bald hielt man sich nicht mehr an diese Bestimmung. Der Glaube an die Zauberei war bereits so tief verwurzelt, obgleich im Jahre 1649 die Königin Christine, Nachfolgerin und Tochter des Königs Gustav Adolph von Schweden, alle Hexenprozesse in ihrem Herrschaftsbereich verbieten wollte (42). Eine von Herzog Gustav Adolph 1659 einberufene Synode sprach u.a. den Wunsch aus, "dass die Leute, so verbotene Kunst treiben und damit großes Ärgernis und Aberglauben anrichten, öffentlich auf der Kanzel genannt und die Obrigkeit sie alsobald und ernstlich zu straffen ermahnet werden sollen" (43). Der Herzog war als "Kind seiner Zeit" ebenfalls von dem Hexenglauben befallen, obgleich er gegen die angewandten Verfahren erhebliche Bedenken hatte. Schon im Jahre 1667 hatte Michael Freud, Pastor in Kuppentin und Plauerhagen, dem Herzog eine Schrift mit einer Aufzählung über "Gewissens-Fragen von Processen wieder die Hexen, Insonderheit den Richtern hochnötig zu wissen", gewidmet. Darin sprach er sich besonders gegen die Anwendung der Tortur aus (44). So erließ der Herzog im Jahre 1681 in Güstrow eine "Instruction für die fürstl. Meckl. Beampten und Stadt-Richter, wie wider die des Zauberlasters und abergläubischer-Dinge berüchtigten Personen zuverfahren". Gedruckt wurde sie 1681 in Güstrow bei Johann Spierling.
Weiterhin verlangte er: "... hin und wieder eine General-Inquisition, ob einige Persohnen der Hexerei oder anderer Abergläubischer Händel verdächtig vorhanden, an zu stellen ... Wann nun die erkendnuße zur Tortur erfolget, hat nach den Graden, so von denselben für guth und richtig befunden, das Ampt oder Stadt-Gerichte behutsamblich zu verfahren, vorher aber fleißig zu vermahnen. Und wo sie dann die Mißethat in Tortura bekennen, dritten Tages hernach ihnen solchen bekendniße in guhte ... wieder vorzuhalten, und selbige also von ihnen ratifizieren zu lassen" (45).
Der Herzog versuchte also, die Tortur am Ende seiner Regierungszeit etwas abzuschwächen und sie "behutsam" zu vollziehen. Im folgenden Jahre erfolgte nochmals in dieser Angelegenheit eine Weisung an den Magistrat: " ... unsere Verordnung, wie nach diesen in der mit denen der Zauberey halber gefenglich eingezogenen Personen, sonderlich mittels adhibierter (angedrohter) Tortur vorzunehmender befragung wegen ihren Complicum oder mitschuldigen behutsamblich zu verfahren, zu empfahen, ... " (46). In diesem Zusammenhang hatte er auch im Jahre 1682 seinen Untertanen befohlen, alle Zauberbücher abzuliefern und zu verbrennen. Sein Versuch, die Verurteilung von angeklagten Hexen den lokalen Gerichten zu entziehen und einem Sondergericht zu übertragen, scheiterte jedoch am Widerstand des Landtages, da die Ritterschaft eine Beeinträchtigung ihrer Sonderrechte befürchtete. Unterstützung fand er aber auch nicht bei den Juristen und Ärzten, die sich auf die Bestimmungen der "Carolina" aus dem Jahre 1532 beriefen. So scheiterte auch der Versuch des Herzogs, die im Jahre 1664 in Wustrow (Fischland) wegen Zauberei zum Tode verurteilte Tillsche Schellwegen dadurch zu retten, dass er sie zur Vollstreckung des Urteils nach Güstrow bringen ließ. Entgegen seinem Befehl, die Verurteilte am Pfahl vor dem Verbrennern zu erdrosseln, wurde sie am folgenden Tage durch die Nachlässigkeit des Güstrower Scharfrichter, der daraufhin am nächsten Tage schwere Vorwürfe zu hören bekam, bei vollem Bewusstsein verbrannt (47).

Es hatte in Mecklenburg eine Welle grausamer Verfolgungen begonnen, die sich wie eine Kettenreaktion immer mehr ausbreitete, um vor dem dreißigjährigen Krieg einen ersten Höhepunkt zu erreichten. Auch als Folge des moralischen Niederganges während des Krieges flammten die Hexenprozesses nach Beendigung der Kampfhandlungen mit unverminderter Heftigkeit wieder auf (48).
Um als Hexer oder Hexe angeklagt zu werden, war weiter nichts notwendig als die Beschuldigung, der oder die Betroffene könne zaubern und stünde mit dem Teufel in Verbindung. Wenn auch noch zufällig - was natürlich überall und zu jeder Zeit vorkam - auf einem Hof ein Stück Vieh erkrankte, sogar im eigenen Stalle, oder ein Einwohner im Dorf starb, dann bekräftigte dieses nur den Verdacht, dass hier Zauberei im Spiele sei.
Damit hatte man natürlich der Denunzierung Tür und Tor geöffnet. Das zeigt deutlich ein Schreiben des Heinrich Hoikendorf aus Gremmelin, das er 1665 an den Stadtrichter sandte: "Alß Euer Durchlaucht (der Herzog) gnedigst verordnet und befohlen, das ein jeder, waß er von Zauberwerken undt andern aberglaubischen dingen siehet, höret und erfahret, der Obrigkeit anzeigen solle, undt dann nachdem in dem dorffe Glasewitz unter schiedliche Persohnen der Zauberei halber eingezogen (verhaftet), undt theils schon justificiret (verurteilt) seyn, auch einige richte von dem dorffe Demen, alß welches in vicinia (Nachbarschaft) lieget, bescholten, ob solten auch darin Zauberer seyn, So halte meine Schuldigkeit zu seyn, unterthenigst zu denunciren".
Und dann kommen die Verdächtigungen !
"1) Das des Schultzen in Demen Clauß Rachowen seiner Frauen Mutter, einsmahls den blinden Busingen, so ein Ertz Zauberer gewesen, ...
 2) So ist auch diese alte Schultzin in Demen, des alten Schultzen Barthold Rachowen Frau, der Zauberey halber berüchtiget gewesen, ...
 3) ... Knecht Hans Busch in Paschen Hoikendorffs hofe zu Demen in der Fastnacht zeitt umgeschauet in Peter Langen eines Zimmerknechts in ander knechte gegenwart außgesagt, ... dass er einsmahls des Abendts hinter dem Ofen sitzen blieben, undt daselbst, wie die andern im Hause zu bette gegangen, eingeschlaffen, da were des Nachts viel Geldt durchs Fenster in die Stube gegossen worden, darüber Er Hans Busch hinter dem Ofen erwachet und sich hefftig darüber entsetzt, und geängstiget, bald darauf war der Schultz Clauß Rachow vom bette im hembde in die Stube gekommen, undt hette das greldt weggeholet, worauf der knecht hinter dem Ofen zu reden angefangen, und gesaget, Wollet ihr das geldt schon wegholen, jetzo wardt es nur ins Fenster gegoßen. Darauf der Schultze den knecht zu schelten angefangen und gefraget, waß er da hinter dem Ofen machte, und worümb er nicht mit den andern vor zu bette gegangen were.
Dieser Knecht Hans Busch hat auch berichtet, wie er ... des nachts aufgestanden, die Pferde gegen die Wiese zu füttern, da were es im hause, wie er zur stube hinausgekommen, gantz licht und hell gewesen, worüber der knecht sich entsetzet, ...
 4) ... Item er begehret seine tochter keinem bauern zu geben, sondern will sie alhier in der stadt mit vielen gelde ansteuern, zu dem ist von deß Schultzen Clauß Rachowen reichthumb zu Demen, Glasewitz, Güstrow, undt andern umbliegenden ötzern ein gemein gerüchte.
 5) Hans Ewert, sowegen Zauberey gefangen sitzet, soll ausgesagt haben, dass der Schultze in Demen undt und andere zaubern könnten, ...
 6) Von Hinrich Schrödern in Demen berichten Martin Clauß, Santhoff undt Hans Schulte, ... wie sie einsmahls ... gesehen, wie ein feuriger drache in Hinrich Schröders hause gezogen, dabey Martin Karnatz erwehnet, dass er den drachen öfter in sein haus ziehen gesehen.
 7) Wie meine, Hinrich Hoikendorfs tochter mit Andreas Stolten aus Glasewitz hatt verlöbnis halten sollen, ist Hinrich Schröders hausfrawe in des Schultzen Clauß Rachowen haus gekommen und hat gefraget, ob der Schultze auch sollte zum verlöbnis gehen, undt hat bald darauff zu weinen angefangen unst gesaget, O, sie hat einen kauff gethan undt wirdt ihr zeit ihres lebens gereuen, welches des Schultzen töchter außgeredet.
 8) ... hat Heinrich Schröders haußfrau einsmahls diese rede geführet, wann meine Hinrich Hoikendorfs tochter würde sitzen und weinen, so solte Heinrich Schröders tochter lachen, ...
Nun ist aber leider meine tochter, so jetzo in Glasewitz wohnet, und Andreas Stolten zur Ehe hatt, vom teuffel besessen, ... "
(49).

Die Leute glaubten wirklich, was dort behauptet wurde. Häufig gerieten dadurch ganze Familien (Großmutter, Mutterund Tochter) in den Verdacht der Zauberei. Wenn die Großmutter bereits deswegen verurteilt worden war, dann mussten doch auch - logischerweise – Mutter und Tochter von ihr die "schwarze Kunst" gelernt haben. Nicht einmal die Ehemänner wagten es in diesen Fällen, sich für ihre beschuldigten Frauen einzusetzen, um nicht selbst in den Verdacht der Zauberei oder zumindest der Mitwisserschaft zu geraten. Sehr mutig zeigte sich das "starke Geschlecht" in diesen Prozessen nicht! (50).

Dabei spielten Aussagen von früher verurteilten "Hexen" eine große Rolle, man habe die Angeklagten zusammen mit Anderen auf dem "Blocksberg" getroffen. Damit war nicht immer der bekannteste Blocksberg im Harz, sondern ein in der Nähe gelegener Berg gemeint. So lässt sich der Flurname "Blocksberg" noch in verschiedenen Gemarkungen nachweisen und teilweise deuten. Das Treffen der Hexen mit dem Teufel erfolgte mindestens einmal im Jahr auf einem Sabbat-Berg (= Blocksberg, z.B. am 1. Mai - der Walpurgisnacht) um dort dem Teufel zu huldigen. Blocksberge wie der Brocken im Harz, der Hörselberg in Thüringen, der Kandel im Schwarzwald, der Heuberg bei Rottenburg am Neckar, der Staffelberg in Franken gibt es nicht nur in Deutschland. In Island ist es der Hekla, sowie Blakulla, Lyderhorn oder Tromskirke n vielen anderen europäischen Ländern.
Auch in Güstrow muss der von Süden kommende Besucher des Barlach Atelierhauses z.B. zunächst am Blocksberg vorbei. Man sieht ihn allerdings nicht im unmerklich ansteigenden Wald. Trotzdem beflügelte er Barlachs Phantasie, wie seine 1923 entstandenen Holzschnitte "Walpurgisnacht" beweisen.
Man hielt es auch für ganz normal, dass diese Anschuldigungen nicht zugegeben wurden, da der Teufel den Beschuldigten dieses Geständnis verboten hatte. Deshalb musste der Verdächtige nach den Bestimmungen der "Carolina", auf die sich der Herzog und die Richter berufen konnten, "zu seinem Seelenheil" auf der Folter peinlich befragt werden. Es gab nur Wenige, die diese Tortur aushielten und dabei nicht die unsinnigsten Dinge zugaben. Anschließend hatte der Scharfrichter die Aufgabe, den zermarterten Menschen wieder – soweit es noch möglich war – zu kurieren. Dadurch konnte sich der Scharfrichter anatomische Kenntnisse aneignen, sodass die Bevölkerung ihn – trotz aller sonstigen Abneigung – bei Unfällen als "Heiler" in Anspruch nahm (51).
Eigentlich durfte die Folter erst angewandt werden, wenn bereits soviel ernste Verdachtsmomente vorhanden waren, dass man auch heute noch den Beschuldigten auf Grund der Indizien verurteilen würde. Aber über diese Bestimmungen setzte man sich einfach hinweg; gab es doch nach einem Geständnis unter der Folter keine Möglichkeit, den Fall vor eine höhere Instanz zu bringen. Der Angeklagte hatte keinen Verteidiger, Ankläger und Richter waren ein und dieselbe Person. Damit stand das Urteil schon von vornherein fest: Schuldig! (52)

Für die Durchführung der Folter war der "Scharfrichter" mit seinen Knechten zuständig. Vor der ersten Befragung wurde der Körper des Beschuldigten auf das Vorhandensein von "Hexenmalen" (Leberflecken, Feuermalen, Warzen) untersucht. Um auch nichts zu übersehen, entfernten die Henkersknechte vorher alle Körperhaare: Ein für die Frauen besonders entehrender Vorgang. Diese Praxis wurde erst mit der Constitutio Criminalis Theresiana von 1769 verboten: " ... als da ist die Aufsuchung eines Teufelzeichens, oder Hexenmahls, ... oder Beschmierung mit allerhand Salben zu vermeintlicher Auflösung einer vom Teufel verursachten Verstockung, oder die Behinderung, daß der Zauberverdächtige keinen grünen Erdboden betretten möge, ..." (53a).
Dann zeigte man dem Angeklagten die Folterwerkzeuge und erklärte ihm deren Gebrauch. Diesen ersten Schritt nannte man: "terriret". Mit diesem "Erschrecken" (vom lat. terreo, territio) begann jede Art von Vernehmung. Dem Angeklagten wurde dabei stufenweise nur Angst eingejagt. Zeigte er immer noch nicht die gewünschte Wirkung, konnte er als letztes noch auf die Folterbank gefesselt werden. Aber alles war "nur ein Spiel" - ein Vorspiel, wenn er weiterhin seine Vergehen leugnete. " Die Territio, oder Schreckung mit der peinlichen Frage unterscheidet sich von der wirklichen Tortur in dem, daß durch letztere des Inquisitens Leib gemartet wird, die erstere hingegen keinen Schmerzen beybringet, sondern bey dem eingejagten Schrecken stillstehet. Solche Territion geschiehet aber entweder mit blossen Drohworten, ohne daß der Scharfrichter an den Inquisiten eine Hand anlege, oder sie geschiehet mit einiger des Scharfrichters Handanlegung; sie ist demnach eine bloßwörtige, oder thätige Torturandrohung. ..." (53b).
Wenn diese Drohung nicht ausreichte, wurde der erste Grad der Folter angewandt, um alle Beschuldigungen zuzugeben. Leugnete der Beklagte immer noch, dann schritt man zum zweiten und darauf - wenn erforderlich - zum dritten Grad der Tortur, die an mehreren Tagen wiederholt werden konnte. Hierbei waren der Fantasie des Scharfrichters keine Grenzen gesetzt. Dem Beschuldigten wurden Daumen-, Arm- und Beinschrauben angesetzt, seine Gelenke auf der Streckbank ausgerenkt, und anderes mehr. Man darf allerdings auch nicht alles glauben, was so in den "Hexenbüchern" verzeichnet wurde. Der Phantasie des Lesers wurde auch so manches Zugeständnis gemacht (54).
Diese Qualen der Folter hielt kaum jemand aus, ohne allen Anklagepunkten, auch den Unsinnigsten, irgendwann zuzustimmen. Das "Geständnis" musste an den folgenden Tagen - abhängig von ihrem Zustand - von dem Opfer nochmals bestätigt werden; wer aber wollte sich erneut den Qualen der gerade überstandenen Folter aussetzen ! (55).

Wir wissen heute noch nicht eindeutig, wodurch die oft unglaubhaften Aussagen der "Hexen" (auch ohne die Anwendung der Folter) ausgelöst wurden. War es Besessenheit, Drogen oder nur die ungezügelte Phantasie des Opfers ? Sehr oft wird sicher die Verwendung von "Hexensalben" mit halluzinogen Inhalten die Ursache gewesen sein, hergestellt aus verschiedenen Kräutern, die einen Rauschzustand und damit verbundene Wahnvorstellungen auslösten. Ganz im Gegensatz zu den Drogen eingeborener Völker in entlegenen Gebieten waren die giftigen und narkotischen Pflanzen im Mittelalter bei den Menschen Europas wohlbekannt und hochgeschätzt. Auch war ihnen in weitem Umfang bekannt welche Wirkungen sie auslösten und das sie verboten waren. Trotz aller Verbote und Verfolgungen übten diese Genüsse aber - vergleichbar mit unseren heutigen Drogen - einen verführerischen Reiz auf die einfachen Menschen aus. Was die zumeist Frauen von ihren Lehrmeistern, ihren Müttern und Großmüttern gelernt hatten, war sicher nicht die Kunst der Zauberei, sondern eher die Zusammensetzung und der Gebrauch von Kräutern und Salben, deren Benutzung dann auch in den verschiedensten Vernehmungsprotokollen bestätigt wurde.
Das rätselhafte Antoniusfeuer (Ergotismus) ist ein gutes Beispiel für den starken Einfluß, den diese Rauschdrogen in der Hexenkunst in Europa ausübten. Es wurde lange Zeit mystifiziert, bis man endlich doch seinem Geheimnis auf die Spur kam, einer Vergiftung durch Ascomyceten, der als Parasit auf Roggen und bestimmten Gräsern wächst - besser bekannt als Mutterkorn und Roggenbrot. Die Droge LSD sagt sicher vielen etwas, sie kommt als Mutterkornalkaloid natürlich vor und ruft schon in sehr geringen Dosen lang andauernde pseudohalluzinogene Wirkungen hervor.
Auch die Alraune (mandragora officinarum) ist nicht erst seit Harry Potter in "Hexenkreisen" bekannt. Eine Form von ihr, die Mandragora autumnalis, blüht im Winter mit herrlichen malvenfarbigen Blüten z.B. auf Rhodos. Ihre Früchte, rotgoldene Liebesäpfel - schon im Hohen Lied Salomos (Hld 7,14) erwähnt -, werden im Mai reif und sollten sofort nach dem Pflücken verzehrt werden, da ihr Geruch sehr schnell in einen unangenehmen Gestank übergeht.
Weiterhin wären als kleine Auswahl auch Bilsenkraut (Hyoscyamus niger), Tollkirsche (Atropa belladona), Stechapfel (Datura stramonium), Schierling (Conium maculatum) oder der Eisenhut (Aconitum napellus) zu nennen.
Daneben spielten sicher aber auch neurotische Erkrankungen eine Rolle, die evtl. erblich waren und so die "Kettenreaktion" innerhalb einer Familie erklären könnten (56), (57).

Eine unterschiedliche - nicht immer rühmliche - Rolle spielten bei allen diesen Prozessen die Juristischen Fakultäten der Universitäten Greifswald und Rostock. Während die "Carolina" vorsah, dass die Richter auf Grund ihrer Unerfahrenheit in Rechtssachen von einer Juristischen Fakultät ein Gutachten einholen sollten, war im Laufe der Zeit aus dieser Stellungnahme bereits eine Entscheidung geworden. Alleine auf der Grundlage des Vernehmungsprotokolls, in dem natürlich nur Beschuldigungen nach einem vorgeschriebenen "Fragenkatalog" aufgeführt waren, sprachen sich die Professoren ohne Kenntnis des Angeklagten häufig für die Anwendung der Tortur oder, nach dem Geständnis, für eine Verurteilung zum Feuertod aus. Die Richter hielten sich weitgehend an diese Gutachten, entlasteten sie doch damit ihr eigenes Gewissen. Gleichzeitig bestätigten die Juristen hiermit auch die Legalität der Hexenprozesse (58).

Die Haftzeiten der wegen Hexerei angeklagten Personen reichten bis zu ihrer Entlassung oder Hinrichtung in Güstrow von 2 Tagen, einer Verurteilung mit Standrecht innerhalb von 3 Tagen, bis zu 46 Wochen (z.B. Ursula Pallen). Man kann sich sicher gut vorstellen, was sie in dieser Zeit haben erleiden müssen.

Die Scharfrichter der Stadt wurden für ihre Arbeit und Aufwendungen nach einem festen Tarif bezahlt. Nach den erhaltenen Rechnungen erhielten sie:
    1663 - 1678 :
- für ein peinliches Verhör = 5 fl oder 2 Rt 24 ßl.
- auf die " Leiter der Folter gelegen" = 5 fl.
- für das Zwicken mit glühenden Zangen = 2 Rt 24 ßl.
- für das Reißen mit glühenden Zangen = 36 ßl.
- für das Auspeitschen = 2 Rt 24 ßl.
- jemanden mit Schandsteinen an den Pranger stellen = 1 fl 12 ßl.
- mit dem Spanischen Mantel auf öffentlichen Markt condemniret = 5 fl.
- für das Verweisen aus der Stadt = 36 ßl.
- für die Enthauptung ("mit dem Schwerdt justuficiret") = 2 Rt 24 ßl.
- für eine durchgeführte Verbrennung = 5 fl oder 2 Rt 24 ßl.
- für die "Schlöpe" = 1 Rt.
- für 1 ½ Faden Holz = 2 Rt.
- für die Beerdigung einer in Haft gestorbenen Person = 1 Rt 12 ßl.
- für den Knecht (die Kuhle zu graben) = 1 Rt.
- für Haken und Ketten = 1 Rt.
- für Harcken und Seile = 1 Rt.
- für die wöchentliche Verpflegung der Inhaftierten = 2 Rt.
- für ein neues Leinengewand = 5 fl.
- Siegelgeld = 4 ßl.
- Schreibgelt = 8 ßl.
- Botendienst = 8 ßl.
    1714 :
- für das läuten der "Armesünder Klocke" ("Bey der herauffführung des inquisiten von der frohnerey") = 24 ßl.
- für das Aufhängen = 5 Rt.
- für das Enthaupten = 10 Rt.
- für den Kopf auf den Pfahl zu nageln = 5 Rt. (59)

Die Hinrichtung

Vor der Vollstreckung eines Todesurteils war die öffentliche Bekanntgabe erforderlich. Die Stadt Güstrow war zwar in zwei Rechtsbereiche geteilt, verfügte aber nur über einen Scharfrichter und einen Gerichtsplatz, die "Justice". Deshalb musste das Verfahren bei einer Hinrichtung in einem besonderen Protokoll festgehalten werden, besonders wenn der Missetäter von dem fürstlichen Gericht verurteilt worden war. Das Protokoll über die Hinrichtung der Eva Catharine Beesen aus dem Jahre 1713 ist hierfür ein anschauliches Beispiel:
" Im Nahmen der hochheiligen hochgelobten Dreyfaltigkeit, Gottes des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, wie auch im Nahmen Ihro hochfürstlichen Durchlaucht Herrn, Herrn CARL LEOPOLD, Regierenden hertzogs zu Mecklenburg, Fürsten zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Grafen zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargardt Herrn, Meines gndst. regierenden Fürsten und Herrns, hege Ich dieses hochpeinliche Noht- und halßGericht zum ersten, andern und 3ten mahl und befrage demnach Euch Inquisitin Eve Catharine Beesen hirmit nochmahls öffentlich und vor diesem peinlichen Halß Gerichte.
      1) Wahr, daß Ihr des Sinnes und Vorsatzes gewesen, euer neugebohrnes Kindt zu tödten ?
      2) Wahr, daß Ihr auch zu dem Ende die Nabel-Schnur des Kindes unverbunden gelaßen, damit sich das Kind zu Tode bluten möchte ?
      3) Wahr, daß Ihr das Kind sofort ins Lacken unter dem Deck Bette eingewickelt, daß Ihr es ersticken möchtet ?
      4) Wie denn wahr, daß das Kind in dem eingewickelten Lacken unter dem Bette noch eine Stunde gelebet ?
      5) Wahr, daß Ihr also das in dem Lacken eingewickelte und unter dem Oberbette gelegte Kind wirklich ersticket habet ?
Nach solcher von Euch vor diesem öffentlich gehegten Peinlichen Halß Gerichte gethanen Gerichtl. Bekäntnuß soll die von außwärtigen Rechts Gelahrten eingeholte von Ihro hochfürstlichen Durchlaucht aber gnädigst moderirte Urtheil Euch vorgelesen hiemit publiciret werden.

Worauff dies Urtheil á Secretario publiciret ward.
Gleich wie Ich nun dieses hochpeinliche Noth- und Halß Gerichte angefangen habe, So willIch auch solches hirmit im Nahmen der heiligen hochgelobten Dreyfaltigkeit, wie auch im Nahmen Ihrohochfürstlichen Durchlaucht endigen und übergebedemnach Euch Nachrichter diese deliquentin Eve Catharine Beesen, daß Ihr die jetzo angehörte und publicirte Urtheil an derselben getreulich vollenstrecket.
Das Peinliche halß gericht ist nomine Serenissimi allein vor hiesigem Rahthause / weil die Inquisitin auff der Dohm-freyheit das denictumet infanticidium begangen, maßen nach denen Senatu ertheilten gnädigsten Resolutionibus de ao 1708 dem Stadt Richter die Jurisdictiones der burg- und Thum-freyheiten. Die deliquentin ist vom Hrn. Past. Hahnen und Hr. Past. Witschen zum Thore hinauß geführet worden, conjur etim privative zu exerciren committiret, durch dH Stadtrichter gehalten worden, / welches HH B. und Rath, damit das Peinliche Gericht völlig besetzet seyn möchte, die beyden Assessores Judicii, alß H Rahts Verwandten Spaldingen und H Schrödern adjungiret, die auch nebst dem H Stadtrichter und Actuario cum Supplicy hinauß gefahren.
Daher denn Serenissimus alle auff diesen Inquisitions- und Execution-Prozessus damit die Burg und Thumb-freyheiten Jurisdictiones mit B. und Raht commun gemacht würden, verwandte Kosten allein getragen.
Der locus executionis et Suppliy ist vor diesesmahl vor hiesigen Mühlen-thore gewesen, auch die execution durch göttlichen beystand glücklich verrichtet.
In fidem subscripsi JI Lesserg, Actuar. Judiva. "


Rückseite:

" Nachricht, wie die auf der freyheit ergriffene Deliquentin E.C. beesen vom StadtGericht justificiret worden.
(Anlage:)
Es werden der sit. herr Assessor und Bürger Meister nomine g.Fdl. Stadtgerichts provia salutatione Summarissima freundlich ersuchet, wegen bevor stehender execution der deliquentin, und damit keine Unordnung dabey vorfalle, Sonderlich wehre die Verfügung zugeben,
      1) daß die Rahtsdiener zur Ausführung zu pferde beordent werden mögen.
      2) die Wiegbühdener zu befehligen den Creyß zu machen, dieselbe nachdrückl. anzuweisen, daß der Creyß räumlich weit und nicht enge geschloßen werde, damit bey der execution keine hinderniß vorgehe. Zu dem Ende dero Wachtmeister dahin zu committiren, zubesorgen, daß ein Volkommen ordentl. räumlicher Creyß gemachet werde.
      3) die Wachtmeisterund Träger zubeorden darauf zusehen, daß der gemeine Mann nicht so heftig zu dem sitzenden Gerichte zudringe, wenn die Deliquentin vor dasselbe gestellet wird.
      4) dem Thurmer zu befehligen, auff gegebenes Zeichen die Sünder Glocke zuziehen.

    ad 1) die Stadt- und Rahtsdiener pflegten voll zu Pferde vorher reiten, aber es mus jegl. 1 Rtlr. gegeben werden vom Gericht.
    ad 2) Es ist keine manier, daß die Wiek Büdener in der Gerichts executio gebraucht werden. Sollte der H. Richter solchs ernstlich verlangen, mus er solche für ihr mühe bezahlen, und einigß selbige vorher hinaus gehen und den Creyß schließen, eher die arme Sünderin kommt. Die Wiekbüdener werden in executions-Sachen gebraucht, so B. u. R. vorrichten laßen.
    ad 3) dieses mus der Gerichtsdiener mit den Dreger, dann die Wachtmeister ... sich mit den Gerichtsdiener ...
    ad 4) Potest fieri doch für die gebühr ...  "
(59a).

Die Güstrower Hinrichtungen selbst erfolgten durch den Scharfrichter im Beisein eines Richters und eines weiteren Mitgliedes des Magistrats, sowie vieler Schaulustiger, auf dem Richtplatz, der "Justice" außerhalb der Stadt. Bis zum Jahre 1933 konnte jeder Bürger bei einer Hinrichtung anwesend sein, dann erst wurden nur noch die vorgeschriebenen Zeugen zugelassen.
Der Codex iuris Bavarici criminalis von 1751 hatte zwar schon das Lebendigbegraben und Pfählen abgeschafft, aber die "qualifizierten Todesstrafen der Carolina" waren weiterhin beibehalten: so wurde "der arme Sünder weiter zur Richtstatt geschleift, mit glühenden Zangen gerissen, Riemen aus ihm geschnitten, die Faust abgehauen, die Zunge ausgerissen, der entseelte Körper aufs Rad gelegt, verbrannt, gevierteilt und die Vierteile an offener Straße ausgehängt", letzteres sollte jedoch zur Vermeidung " unnöthiger Kosten hinfohro unterlassen werden".

Die Verurteilten aus Glasewitz wurden alle an Ort und Stelle im Dorfe verbrannt (60). Dazu sollte der Verurteilte lt. Constitutio Criminalis Theresiana " ... seiner begangenen Missethat halber zur wohlverdienten Straffe an die gewöhnliche Richtstatt geführet, alldorten mit dem Feuer vom Leben zum Tod hingerichtet, der Körper zu Staub, und Aschen verbrennet ... "
Zuvor jedoch wurde ein hölzener Pfahl in die Erde gegraben, oberhalb etwa anderthalb Ellen herausragend. Um diesen Pfahl wurden dann trockenes Holz, Reisigbündel und Stroh (jedes zu 60 Bunden) geschichtet. Zur Verbrennung wurden die Verurteilten dann mit 3 Ketten an einem Pfahl geschlagen, " deren eine um den Hals, die andere um den Leib, und die dritte um die Beine gehet ". Als besondere Vergünstigung - oder weil man das Schreien der Unglücklichen nicht mehr hören wollte – konnte der Henker sie auf Weisung des Richters vorher, von den Umstehenden häufig unbemerkt, am Pfahl erdrosseln oder erstechen (61).
Die Asche der Opfer hingegen wurde nicht bestattet sondern "... (wenn ein fliessendes Wasser dabey ist) in den Fluß gestreuet (in Abgang eines fliessenden Wassers) in die Luft gestreuet ... " (62).

Das Vierteilen und das Ertränken (a. Säckung genannt), wurde in Güstrow wahrscheinlich nicht praktiziert - jedenfalls sind keine Fälle darüber dokumentiert.
Das Rädern hingegen wurde - wenn auch wenig - sehr wohl praktiziert, wie aus den Gerichtsakten der Stadt ersichtlich ist. Mörder und Giftmischer wurden z.B. gerädert - eine Todesart, bei der dem Verurteilten im günstigsten Fall "nur" die Glieder mit einem schweren Rad (Richtrad) zerstoßen wurden.

Auch über das Pfählen (das "Reiten auf dem einbeinigen Ross") in seinen bekannten Ausführungsarten seit 1751 untersagt, gibt es keinen Hinweis. Wohl aber darüber das Köpfe "an den Pfahl genagelt" wurden.
Im Jahr 1714 heißt es noch: " ... für die alhier justificirte Kinder Mörderin alß für die decollierung – 10 Rt ... für den Kopf auf den Pfahl zu nageln – 5 Rt " (63).

Mit dem Schwert sollten aber auch Totschläger, Aufrührer und Räuber hingerichtet werden. Außerdem durften Adelige Personen nur enthauptet werden, ganz gleich, welche Todesart sie eigentlich lt. Gesetz erleiden sollten.

Einbrecher und rückfällige Diebe (auch Viehdiebe) sollten jedoch am Galgen sterben.

Eine Vorstellung von dem Aufwand, der bei einer Execution damals getrieben wurde, geben die Aufzeichnung über die letzten erfolgten Hinrichtung der am 6.10.1804 vom herzogl. Gericht verurteilten Pferdediebe Schulz, Schröder und Baumann:

" 1804, 7.11.
Von Magistrats wegen wird hierdurch bekannt gemacht:
1) dass am morgigen Tage jeder Hauseinwohner mit Feuer und Licht besonders vorsichtig umgehen soll,
2) dass kein Haus ganz leer oder verschlossen gehalten werden soll,
3) dass Wagen aus dem Schnoien- und Hageböckschen Thor bis nach vollendeter Execution und auseinander gegangener Menschen-Menge niemand zu Pferde oder Wagen gelassen werden soll,
4) diejenigen, welche zu Wagen oder zu Pferde beim Gerichtsplatz die Execution ansehen wollen, wohin nur durch das Mühlentor gefahren oder geritten werden darf, sollen sich, ohne sich aufzuhalten, nach dem Schweinsbring begeben, daselbst sich auf der einmal eingenommenen Stelle still verhalten, und die Pferde von den Wagen absträngen, sobald die Armensünder-Klocke angestoßen worden, wird aber auch auf diesem Wege so wenig zu Wagen als zu Pferde weiter jemand zugelassen.
5) Bey Zurückkehr der Zuschauer in die Stadt sollen diejenigen, welche zu Wagen oder zu Pferde sind, alle durch das Mühlentor in die Stadt zurückkehren.
PS. Auch wird dies auf der herzogl. Burg- und Domfreiheit vom Gericht der herzogl. Burg- und Domfreiheit bekannt gemacht.
Eckard, Herzogl. Burg- und Domfreiheits-Richter.
PS. Obige Anordnung ist auf allen Ecken in der Stadt durch den Trommelschlag bekannt gemacht auf den 7. Nov. 1804."


Zusätzlicher Vermerk vom gleichen Tage:
" Um die Intention wegen Regulierung der Fußgänger zu erreichen, sind 6 Leute aufzustellen:
2 nehmen ihren Platz bey der Nebelbrücke diesseits der Stadt,
2 andere werden im Strenzer Wege dahin gestellt, wo der Abgang abgeht, welcher von da durch die Bürger-Äcker zur Mühlenthorschen Vorstadt führt und den von dort zur Stadt kommenden Wagen und Reutern es anzuzeigen, dass sie nur durchs Mühlenthor in die Stadt fahren können,
2 werden auf den Mühlendamm dahin postirt, wo der Eingang zwischen dem Garten des Jürgen-Hospitals und den anderen Bürger Gärten zu dem Gerichtsplatz geht.
Jeden von diesen 3 Patrouillen wird ein Husar beigegeben, und werden ihnen sämtlich nach maßgabe der vorstehenden Resolution die nöthigen Instructionen ertheilet, weßhalb auf des Herrn General-Majors von Hobe um die nöthige Handelung zu ersehen ist. "
(64).

" 1804
Vermerk:
1) Um 7 ½ oder 7 ¼ Uhr wird das Hals-Gericht anfangen.
2) wann es beendigt, lässt sich nicht vorher sagen, allein es wird auf dem Closterhofe nachgesehen werden, von welcher Stelle oder Hause man den Thurm sehen kann, um ein Zeichen für die Glocke zu geben, weil diese wieder ein Zeichen für die Wachen draußen ist.
3) 50 Mann begleiten den Zug nebst einigen Husaren,
4) der Wagen mit den Gerichts Personen fährt mit dem Zuge, welcher nicht den nächsten Weg über den Pferdemarkt gehet, sondern fährt aus dem Mühlen Thore, um früher am Richtplatz zu sein,
5) 120 Bauern machen draußen einen Kreis, der von diesen wieder durch die 50 Mann und die Husaren gedeckt wird.
6) Schon vorher sind einige Husaren draußen zur Ordnung. "
(65).

" 1804, 7.11.
Ordre wegen der morgenden Execution der Inquisiten Schroeder, Schultz und Baumann:
1) Die Gleviner und Mühlenthorsche Wache werden morgen frühe Schlag 6 Uhr durch Bürger-Wachen abgelöst. Die 2 Unteroffiziere und 14 Mann dieser Wachen verfügen sich dann sogleich nach dem Closter-Hofe, besetzen beyde Zugänge und lassen durch das Thor, das nach der Seite des Herrn Kaufmann Ahrens ist, durchaus niemanden passieren. Durch das andere Thor, nach des Herrn Amtmann Webers Seite, können zwar einige Menschen auf den Closter-Hof gelassen werden, doch nur angesehene und bekannte Menschen, diejeniegen die zur Inquisition gehören unbedingt, übrigens nicht zu viele, damit der Platz nicht zu beengt wird.
2) Der Husaren Wachtmeister und 6 Husaren marschieren gleich nach 6 Uhr im Closter-Hofe auf. Schlag 7 Uhr marschiert der Herr Leutnant von Graevenitz mit 1 Unter-Offizier und 24 Grenadiere zum Closter-Hofe, formirt den Kreis um den Tisch des Hoch- und peinlichen Halsgerichtes, vereinbart sich wegen dort zu haltenden Ordnung mit den Inquisitions-Commissaria, H. Advokat Ronnberg und fügt sich in dessen etwaigen Anverlangungen.
3) So wie der H.Leutnant von Graevenitz auf den Clöster-Hofe aufmarschiert ist, lässt er das gantze dort befindliche Commando scharf laden.
4) Schlag 8 Uhr stehet das zum Kreise beorderte Bataillon auf dem Schloss-Platz, wozu jede Kompagnie wenigstens 36 Mann bringt. Der Major formirt das Bataillon, lässt scharf laden, marschiert mit dem Bataillon nach dem Richt-Platz und formirt um den daselbst befindlichen Bauern-Kreis den militärischen Kreis, in einer Entfernung von 5 bis 6 Schritten von jenem, lässt das Bataillon Front nach den Zuschauern nehmen, sehet auf Ordnung des Bataillons und befolgt die ihm originaliter vorgezeigte höchste Cabinets-Verordnung.
5) Vor dem Bataillon reitet ein Commando von 1 Unter-Offizier und 2 Husaren, die der Major da postiert, wo der Eingang zum Kreise sein wird, damit dieser bemercklich ist. Der Major lässt auf ausdrückliche Anverlangung des Herrn Advokat Rönnberg die Herren des Hof- und Landgerichtes, des hiesigen Magistrats und des hiesigen herzogl. Amts, wann diese Herren es wünschen, im Kreis, sonst niemand.
6) Es werden 2 Husaren commandiert, die sich Schlag 7 Uhr, am Schneuen Thor einfinden, um sich zu den zwey Bürger-Wachen dieß- und jener Seits der Nebel-Brücke zu postiren, die von ihrer Obrigkeit gehörich instruirt sind, um diese Respect in ihren Verweisungen zu verschaffen.
7) Ordnung des Heraus-Zuges:
Nach Beendigung des Hof- und peinlichen Hals-Gerichtes setzt der H.Leutnant von Graevenitz vor den Wagen der Commissarien den Wachtmeister und 2 Husaren und 1 Unter-Offizier und 10 Grenadiere. Den Wagen der Commissarien folgen unmittelbar die 2 Wagen mit den Inquisiten. An der Seite dieser 3 Wagens werden an jeden 3 Mann also auf jeder Seite des Zugs 9 Mann gestellet. Außerhalb den Grenadiers reiten auf jeder Seite 2 Husaren, machen Platz wo es nothig ist, hinter den letzten Wagen führt ein Unter-Offizier wiederum 10 Grenadiers, die ein Unter-Offizier schließt. Der H.Leutnant v. Graevenitz setzt sich zu Pferde, siehet auf die Ordnung des ganzen Zuges und leidet nicht, dass sein ihm untergeordnetes Commando jemanden mutwillig beleidiget.
8) Wann der Zug dem Richt-Platz nahe genug gekommen, die Herren Commissarien, Herren Prediger und die Inquisiten den Wagen verlassen haben, umgibt ihnen das Commando wie bisher und sorgt der Herr Leutnant v. Graevenitz mit den Commando dafür, dass alles ruhig an obbemerklichen Platz im Kreise geführt werde. Der Herr Leutnant v. Graevenitz postirt als dann sein Commando Infanterie in zwey Linien am Eingang des Kreises.
9) Der Wachtmeister und 4 Husaren halten hinter der einen Linie der Bedeckung und der Unter-Offizier und 4 Husaren hinter der anderen Linie derselben hart am Kreise um nöthigenfalls außerhalb des Kreises gebraucht werden zu können.
10) Vorbemerkliche Wagens fahren so wie alle andern dort beym Richt-Platz befindliche sogleich nachdem sie ledig sind, in einer weiten Entfernung vom Richt-Platz, nach dem Schweinsbrinck, wohin der H.Leutnant v. Graevenitz dem Kutscher und die Fuhrleute strenge zu instruiren hat.
11) Alle Wagen, die auf den Schweinebrinck, halten daselbst mit abgesträngten Pferden.
12) Schlag 8 Uhr ist ein Husar im Hofe des Hofgerichtes, meldet sich daselbst beim Pedeln Gusmar und befolgt die hohen Befehle des Hofgerichts.
13) Für das Schneuen Thor:
Um die Passage der Wagens über die Nebel-Brücke und auf dem von dieser Brücke zum Gerichts-Platz führenden schmalen Damm zu sichern, lässt der Unter-Offizier von 7 ½ Uhr bis eine Stunde nach der Execution keine Wagens im Schneuen Thor so wenig als Ein- und Auspassieren. Die Schildwacht am Baum muss außerhalb der Stadt und die vorm Gewehr innerhalb der Stadt die sich etwa nahenden Wagens zu rechter Zeit davon avertiren, um Abbiegen zu können, die Wache stehet während des Zuges unterm Gewehr.
14) Fürs Hageböcker Thor:
Von 7 ½ Uhr des Morgens bis eine Stunde nach der Excecution sollen keine Wagens heraus, wohl aber herein gelassen werden.
15) Nach genzlich geendigter Execution marschiert der Major vom Richt-Platz wieder zur Stadt in folgender Ordnung:
a) der Husaren Wachtmeister mit seinem Commando,
b) der H. Major mit das Bataillon,
c) der H. Leutnant von Graevenitz mit seinem Bedeckungs-Commando.
Alles marschiert auf den Schloss-Platz auf. Die Compagnien werden formirt, die Commandeurs derselben sorgen bey strenger verantwortung dafür, dass die Patronen sogleich auf dem Schloss-Platz ausgezogen und abgenommen werden. Nachdem dieses geschehen, wird die Wacht ausgezogen, deren Stärke wie alle diese Tage aus 57 Mann bestehet und wird die Bevolgung aller zuvor gegebenen Orders auf strengste wiederholt anbefohlen.
16) Ein jeder Mann erhält vor der Execution 6 scharfe Patronen. "
(66).

" 1804, 19.11.
Schreiben des Stadtsecretärs Hinrichs:
Von Bgm. und Rat hieselbst wird dem Bürger Officier, wenn das Gleviner und Mühlentor mit ihrer Mannschaft am morgen des Executions Tages besetzen, wird hiemit nachfolgende Instruction ertheilt:
1) Die Ablösung der Militär Wache geschieht morgen früh sogleich nach der Reveille.
2) Der Officier entfernt sich nicht von der Wache, giebt auch nicht zu, dass sich ein gemeiner von der Wache entfernt, hält überhaupt gute Manneszucht, und zieht nicht eher wieder ab, als bis er vom Militär wieder abgelöst wird.
3) Jeder Ein- und Auspassierender wird genau examinieret und aufgeschrieben, wer er ist, wo er logieren wolle oder logieret hat.
4) Die Fußgänger werden angehalten, ihre Pässe vorzuweisen.
5) Wer keinen Paß hat, oder nicht als unverdächtig hier bekannt ist, wird sogleich zurück gewiesen.
6) Ist Verdacht gegen den Einpassierenden vorhanden und hat derselbe etwa einen falschen Paß, oder wiedersetzt er sich und macht Aufzüglichkeiten, so wird er sofort auf das Rathaus gebracht, wo die dort befindlichen Rahtsmitglieder die weitere Verfügungen treffen werden.
7) Vor geschehener Ablösung wird sofort der abschließende Rapport an den worthabenden Bürgermeister eingereicht. "
(67).

Im Jahre 1897 erteilte der Geheime Rats-Präsident Graf von Bassewitz dem Güstrower Hof- und Landgericht den Auftrag, die noch am Galgen hängenden drei Pferdediebe abnehmen und einscharren zu lassen. Als die Stadt einen entsprechenden Auftrag erhielt, meinte der Magistrat, dass sie derjenige abnehmen und verscharren müsste, der den Befehl zum Aufhängen gegeben hätte, also das herzogl. Amt (68). Erst nachdem die Übernahme der Kosten geklärt war, bekam der Scharfrichter dazu den Auftrag (69).

Bei früheren Hinrichtungen wurde jedoch kein so großer schriftlicher Aufwand gemacht, wie der Bericht über eine Verurteilung aus dem Jahre 1713 erkennen lässt: Der Gerichtssekretär fragte die Angeklagte:
" Im Namen der hochheil. hochgelobten Dreyfaltigkeit, Gottes des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes, wie auch im Namen Ihro hochfürstl. Durchl. Herrn Carl Leopold, Regierenden Hertzogs zu Mecklenburgk, Fürsdten zu Wenden, Schwerin und Ratzeburgk, auch Graffen zu Schwerin, der lande Rostock und Stargardt Herrn, Meines gndst regierenden Fürsten und Herrns, hege ich dieses hochpeinl. Noht- und halß Gericht zum ersten, andern und 3ten mahl und befrage demnach Euch Inquisitin Eve Catharine Beesen hirmit nochmahls öffentlich und vor diesem peinlichen Halß Gerichte.
1) Wahr, dass Ihr des Sinnes und Vorsatzes gewesen, euer neugebohrnes Kindt zu tödten ?
2) Wahr, dass Ihr auch zu dem Ende die Nabel-Schnur des Kindes unverbunden gelassen, damit sich das Kind zu Tode bluten möchte ?
3) Wahr, dass Ihr das Kind so fort ins Lacken unter dem Deck Bette eingewickelt, dass Ihr es ersticken möchtet ?
4) Wie denn wahr, dass das Kind in dem eingewickelten lacken unter dem Bette noch eine Stunde gelebet ?
5) Wahr, dass Ihr also das in dem Lacken eingewickelte und unterb dem Oberbette gelegte Kind wirklich ersticket habet ?
Nach solcher von Euch vor diesem öffentlich gehegten Peinlichen Halß Gerichte gethanen Gerichtl. Bekäntnuß soll die von außwärtigen Rechts Gelahrten eingeholte von Ihro hochfürstl. Durchl. aber gnädigst moderirte Urtheil Euch vorgelesen und hiemit publiciret werden.
Worauf die Urtheil à Secdretario publiciret wird.
Gleich wie ich nun dieses hochpeinliche Noht- und Halß Gerichte angefangen habe, So will Ich auch solches hirmit im Nahmen der heil. hochgelobten Dreyfaltigkeit, wie auch im Nahmen Ihro hochfürstl. Durchl. endigen und übergebe demnach Euch Nachrichter diese Deliquentin Eve Catharine Beesen, dass Ihr die jetzo angehörte und publicirte Urtheil an derselben getreulich vollenstrecket.
Das peinliche Halß Gericht ist nomine Serenissimi allein vor hiesigem Rathause, weill die Inquisitin auff der Dohmfreyheit das delictum et infanticidium
(Verbrechen und die Kindestötung) begangen, maßen nach denen Senatu ertheilten gnädigsten resolutionibus de ao (Verordnung vom Jahre) 1708 dem Stadt Richter die Jurisdictiones (Gerichtsbarkeit) der Burg- und Thumfreyheiten. Die Deliquentin ist vom Hrn. Past. Hahnen und Hrn. Past. Witschen zum Thore hinauß geführet worden, conjur etim privative zu exerciren committiret (gemeinsam oder einzeln zu begehen), durch den H. Stadtrichter gehalten worden, welches HH. Bgm. und Rath, damit das Peinliche Gericht völlig besetzet seyn möchte, die beyden Assessores Judici (Gerichts-Assessoren), alß H. Raths Verwandten Spaldingen und H. Schrödern adjungiret (hinzugefügt), die auch nebst dem H. Stadtrichter und Actuario cum Supplicy hinauß gefahren.
Daher denn Serenissimus alle auff diesen Inquisitions- und Executions-Processus damit die Burg- und Thumbfreyheiten Jurisdictiones mit B.u.R. commun gemacht würden, verwandte Kosten allein getragen.
Der Locus executionis et Supplicy
(Hinrichtungs- und Sühneplatz) ist vor diesesmahl vor hiesigem Mühlenthore gewesen, auch die execution durch göttl. beystand glücklich verrichtet. "
als Anlage:
" Es werden der H. Assessor und Bürger Meister nomine (im Namen / Auftrag des) Stadtgerichts provia salutatione Sumarissima freundlich ersuchet, wegen bevor stehender execution der Deliquentin, und damit keine Unordnung dabey vorfalle, Sonderlich wehre die Verfügung zugeben,
1) dass die Rahtsdiener zur Ausführung zu Pferde beordert werden mögen.
2) die Wiekbüdener zu befehligen den Creyß zu machen, dieselbe nachdrückl. anzuweisen, dass der Creyß räumlich weit und nichte enge geschlossen werde, damit bey der execution keine hinderniß vorgehe. Zu dem Ende dero Wachtmeister dahin zu committiiren, tzbesorgen, dass ein vollkommen ordentl. räumlicher Creyß gemachet werde.
3) die Wachtmeister und Träger zu beorden darauf zuusehen, dass der gemeine Mann nicht so heftig zu dem sitzenden Gerichte zudringe, wenn die Deliquentin vor dasselbe gestellet wird.
4) dem Thürmer zu befehligen, auff gegebenes Zeichen die Sünder Glocke zu ziehen.
ad 2) Es ist keine Manier, dass die Wiek Büdener in der Gerichts executio gebraucht werden. Sollte der H. Richter solchs ernstlich verlangen, nus er solche für ihr mühe bezahlen, und einigß selbige vorher hinaus gehen und den Creis schließen, eher die arme Sünderin kommt. Die Wiekbüdner werden in executions-Sachen gebraucht, so B.u.R. vorrichten lasset. "
(70).

Der letzte Hexenprozess in Deutschland fand im Jahre 1775 statt, der letzte in Güstrow 1698. Damit schloss ein trauriges und unrühmliches Kapitel unserer Vergangenheit. Die Bestimmungen der "Carolina" galten in Mecklenburg noch bis zum Jahre 1871 – obgleich sie kaum noch beachtet wurden – als offizielle Grundlage des Strafrechtes. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde sie von dem Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund abgelöst (71).

Die Güstrower "Hexen"

Die Mehrzahl der geführten Prozesse (ca. 70%) betrafen dörfliche Einwohner und diese Zahl entspricht auch in etwa dem Anteil der Landbevölkerung an der damaligen Gesamtbevölkerung. Im Einzelnen lassen sich aus den erhaltenen - aber unvollständigen - Unterlagen verschiedene Hexen-Prozesse nachweisen, die alle von dem Güstrower Magistrats- oder Stadtgericht geführt wurden.

1) Die ersten "Hexenprozesse" in Güstrow fanden bereits im Jahre 1570 statt. Ein Eintrag in den Unterlagen des Stadtarchivs vom 10.06.1570 dazu lautet: " Gericht gehalten auf der Buden beim Rathause ..." (72). Der Ausgang dieser Verfahren ist aber unbekannt.
2) In Güstrow wurde angeklagt Lene Giebels, genannt die "Schöne oder hinkende Lene". Sie war 1597 beschuldigt worden, mit Hilfe des Teufels verlorene Gegenstände wieder auffinden zu können. Nachdem man sie 1604 zum Feuertode verurteilt hatte, beschuldigte sie auf dem Gang zur Richtstätte drei angesehene Güstrower Bürgerinnen ebenfalls der Zauberei. Diesen gelang es mit Hilfe ihrer Ehemänner, die Hinrichtung aufzuschieben, damit durch die Aussage der Verurteilten selbst die Beschuldigten entlastet werden könnten, was auch gelang. Nach langen Verhören wurde sie im gleichen Jahr doch verbrannt.

3) Prozess gegen Trine Vielhuet (* 1531) aus Glasewitz, genannt "die Alte Polchow", Claus Polchows Witwe und Tochter der Ilse Vielhuth (auch schon einmal als &qout;Böterin" angeklagt) mit ihren beiden Töchtern Anna Polchow (76), genannt der "Weise Engel", Claus Sandtmanns Frau, und der Magd Trine Polchow. Alle drei wurden auf Empfehlung der Juristischen Fakultät der Universität Greifswald vom 08.05.1615 nach geleisteter "Urphede" aus der Haft entlassen unter der Bedingung, das "Sagen und Böten" (besprechen) in Zukunft zu unterlassen bei Androhung der Verweisung aus dem Lande. Anscheinend hatte man mit der "Alten Polchow", die auf der Folter alle Anschuldigungen abgestritten hatte, doch wegen ihres hohen Alters von 84 Jahren Mitleid gehabt.
Am 9. April 1623 klagt Claus Sandtmann " dass Chim Prieß für seinen Hof kommen, seine Frau für eine Hexe geschalten, und ihr todt hauen und schlagen wollen." Gemeint ist hier Anneke (Anna) Polchow, und auch in diesem zweiten Versuch wurden von der Juristischen Fakultät Greifswald die Indizien verworfen und die Fortsetzung des Prozesses nicht empfohlen.
Anna Polchow wurde aber wahrscheinlich doch noch von diesem "Ruf" eingeholt, denn sie soll um 1652 in Weitendorf als Hexe verbrannt worden sein.

4) Prozess gegen Martin Stolte und seinen Sohn Joachim Stolte aus Glasewitz im Jahre 1629. Der Ausgang des Verfahrens ist zwar nicht bekannt, aber 1630 werden im Kämmerei-Verzeichnis der Bauern von Glasewitz an ihrer Stelle nur "Marten Stolte Erben" angeführt. Wahrscheinlich wurden sie also verurteilt oder zumindest des Landes verwiesen.

5) Anna Stüwe wurde im Jahre 1663 wegen Zauberei in Glasewitz verhaftet und 1664 verbrannt.

6) Prozess gegen Karsten Prieß aus Glasewitz in den Jahren 1664 bis 1666 mit unbekanntem Ausgang. Er war jedoch noch bis 1675 Dorfschulze und starb 1678.

7) Prozess gegen Anna Prieß, Witwe des Bauern Heinrich Stüwe. Sie wurde 1660 angeklagt, in Glasewitz Menschen und Vieh geschadet zu haben. Sie war allgemein als "Hexe und Böterin" bekannt und sollte auch u.a. dem Schulzen Heinrich Schlie eine Krankheit "angehext" haben, die zu seinem Tode geführt hätte. Die Beschuldigungen kamen von Heinrich Hoikendorf aus Dehmen. Unter der Folter bekannte sie sich zu allen Punkten der Anklage und wurde 1663 verbrannt.

8) Sophia Stüwe, Klaus Kleppins Ehefrau und Tochter der Anna Prieß (s.6), im Jahre 1664 in Glasewitz angeklagt wegen Zauberei. Nach anfänglichem Leugnen gestand sie auf der Folter alle Anklagepunkte. Da sie von einem Ehebruch mit ihrem Knecht schwanger war, wurde die Vollstreckung des Urteils zeitweise ausgesetzt und sie bis 1670 auf dem "Mühlenturm" in Haft gehalten. Von dort ist sie jedoch noch im gleichen Jahre entflohen - sicher mit Hilfe von Freunden - und konnte auch nicht wieder gefunden werden. Die Herzöge Ludwig und Gustav Adolph erlaubten daraufhin der Stadt Güstrow, die Ehe des Klaus Kleppin für geschieden zu erklären. Seine neue Freiheit hat ihm aber nicht viel eingebracht, er "verlodderte", fing mit dem Saufen an und verlor 1672 schließlich seinen Hof in Glasewitz.

9) Im Jahre 1664 wurde auch Hans Evert (* 1653) aus Glasewitz nach Güstrow gebracht und der Zauberei angeklagt. Seine Mutter war Sophia Stüwe (s.7), seine Großmutter Anna Prieß (s.6). Bei seiner Verhaftung war er erst 11 Jahre alt und erklärte freiwillig, dass er genau so wie seine Mutter und Großmutter zaubern könne. Dann aber bekannte er sich noch zu vielen anderen "Verbrechen" und beschuldigte ohne Folter eine so große Zahl von Glasewitzer Einwohnern, ebenfalls zaubern zu können, dass seine Aussage sogar den Richtern unglaubhaft erschien. Nach einer Empfehlung der Universität Greifswald vom Jahre 1668 sollte er - wegen seiner Jugend - mit dem Schwerte hingerichtet werden. Er konnte aber im Dezember des gleichen Jahres aus dem Gefängnis entfliehen. Dabei muss ihm jemand geholfen haben, der aber nicht ermittelt werden konnte. Evert wurde überall mit Steckbrief gesucht.

10) Margarete Schröder, Magd bei Sophia Stüwe (s.7), wurde 1664 in Glasewitz wegen Zauberei in Haft genommen und nach ihrem Geständnis (es wird nicht berichtet, dass sie gefoltert wurde) im gleichen Jahre zum Feuertode verurteilt und hingerichtet.

11) Im Jahre 1664 wurde auch Maria Sasse, Ehefrau des Bauern Martin Hoikendorf aus Glasewitz, der Zauberei angeklagt und nach peinlicher Befragung und dem Gutachten der Universität Greifswald am 10.06.1664 verbrannt. Sie soll der Frau von Andreas Stolten den "bösen Geist" angehext und die Frau von Jürgen Schultz mit ihrer "Hexerei" gar umgebracht haben.

12) Das gleiche Schicksal erlitt auch der Knecht Christian Langeclauß, der 1664 von Maria Sasse (s.10) noch schnell der Zauberei beschuldigt und mit ihr auf dem "Blocksberg" gewesen sein soll. Er gab nach anfänglichem Leugnen auf der Folter alle "Untaten" zu und wurde im gleichen Jahr in Glasewitz dem Feuer überantwortet.

13) Angeklagt wurde im Jahre 1664 Catharina Schlie, Ehefrau des Jochen Vick, wegen Zauberei. Auf der "... Leiter der Folter gelegen ..." bekannte sie, dass "... die Stüvesche (s.4), welche vorher verbrandt worden, es ihr gelehret hatte, ihr einen weißen stok in die hand gegeben und zu ihr gesagt, sie sollte ihren Gott verlassen und sich an den Satan halten, der Hans hieße ...". Daraufhin wurde sie am 10.06.1664 in Glasewitz verbrannt.

14) Maria Langeclauß, Tochter des Christian Langeclauß (s.11) aus Glasewitz, wurde am 12.01.1665 ebenfalls noch schnell der Zauberei beschuldigt. Der Ausgang ihres Prozesses ist nicht bekannt, aber es wurde nichts mehr von ihr berichtet.

15) Der Knecht Johann Siems flieht im Jahre 1665 aus Glasewitz, nachdem Christian Langeclauß (s.11) und Sophia Stüve (s.7) verhaftet worden waren. Nach der Vollstreckung des Urteils an Christian Langeclauß meldete er sich wieder bei dem Bürgermeister der Stadt Güstrow und bat um sicheres Geleit. Trotz der Zusage wurde er jedoch ins Gefängnis gebracht. Nach einem Verhör beschwerte er sich am 20.07.1665, dass er in dem feuchten Keller keine Luft bekäme und seine Beine bereits stark angeschwollen seien. Daraufhin wurde ihm erlaubt, weil er "gar elend und verkrancket außsahe", sich bis zum zweiten Verhör am Nachmittage auf dem Rathause aufzuhalten, damit er "an der Gesundheit keinen Schaden leiden mochte". Da die Gerichtsdiener trotz Verbotes über Mittag nach Hause gegangen waren, konnte er sich von seinen Fesseln befreien und entfliehen. Erst 1668 entdeckte man ihn in Redefin und brachte ihn erneut nach Güstrow zurück. Obgleich er auch 1669 unter der Folter abstritt, zaubern zu können, stellte der Scharfrichter "als äußerst verdächtig" bei ihm keine Verletzungen durch die Tortur oder Schweißausbrüche fest. Das waren für das Gericht untrügliche Zeichen, dass ihm sein Teufel geholfen hätte. Er hatte aber wohl noch "Glück", denn am 08. März 1669 kam er mit Gefängnishaft bestraft und Uhrfehde geleistet wieder auf freien Fuss.

16) Trine Faselow aus Glasewitz, 1669 wegen Zauberei angeklagt, leugnete alle Beschuldigungen und brach aus dem Gefängnis aus. In einem Schreiben vom 07.05.1669 warnte Herzog Gustav Adolph alle Einwohner seines Landes vor dem Umgang mit ihr. Nachdem man ihrer wieder habhaft geworden war, wurde sie an den Pranger gestellt und anschließend freigelassen.

17) Dorothea Stüwe, ein Mädchen von 17 Jahren aus Glasewitz, gab 1670 sofort zu, mit dem Teufel Unzucht getrieben zu haben. Als man ihr am 16.09. das Frühstück brachte, bat sie den Gerichtsdiener, ihre Fesseln zu lösen, bis sie gegessen hätte. In einem unbewachten Augenblick kroch sie, mit einer großen Kette am Fuß, durch ein Luftloch in der Mauer. Sie versteckte sich im Schilf eines nahe gelegenen Teiches und wurde dort wieder entdeckt. Das Ende des Prozesses ist nicht bekannt.

18) Im Jahre 1678 wurde der Zauberei angeklagt Anna Polchow (77), Ehefrau des Bauern Babendererde aus Glasewitz. Nach anfänglichem Leugnen gestand sie auf der Folter alle ihr vorgehaltenen Untaten und bekannte sich schuldig. Nach einer Bestätigung des Urteils durch die Universität Greifswald wurde sie am 10.07.1678 in Glasewitz verbrannt.

19) Ungewöhnlich war die Verbrennung der Tilsche Schellwegen aus Wustrow (Fischland) als Hexe in Güstrow. Nach ihrer Verhaftung am 02.06.1663 in Wustrow wurde sie nach einem Fluchtversuch in Ribnitz peinlich befragt und als Hexe zum Tode verurteilt. Auf Befehl des Herzogs Gustav Adolph brachte man sie nach Güstrow und sie starb hier am 17.05.1664 auf dem Scheiterhaufen (73).

20) In den Jahren 1678 bis 1680 wurden in Güstrow verschiedene Personen zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt, von denen wir aber nicht wissen, weshalb das Urteil ausgesprochen wurde. Zum Tode durch Verbrennen wurden ja nicht nur Hexen und Zauberer verurteilt, sondern auch Brandstifter, Kindesmörder und Kirchenräuber. Wir kennen ihre Namen nur aus einer Rechnung des Scharfrichters, dem der Magistrat die verauslagten Kosten für Ketten und Feuerholz erstatten sollte:

21) Am 10.02.1678 erfolgte die Inhaftierung von Jochim Kägebein, der am 6. Mai des gleichen Jahres auf dem Scheiterhaufen starb, während seine Frau bereits am 15. März den gleichen Tod in den Flammen erlitten hatte.

22) Im Jahre 1678 starb das Ehepaar Pallen. Während die Frau bereits am 06.05.1678 verbrannt wurde, vollstreckte man das Urteil an ihrem Manne am 17.05.1678.

23) Zwei Monate später, am 3. Juli wurde Ursula Pallen ebenfalls verhaftet und verhört. Sie wurde 46 Wochen und 3 Tage lang inhaftiert (das ist der längste bekannte Zeitraum einer Haft für eine angeklagte "Hexe"). Der Ausgang ihres Verfahrens ist nicht bekannt.

24) Im gleichen Jahr (1678) wurde in Güstrow auch Hans Lützow zum Tode verurteilt und am 26.10.1678 verbrannt.

25) Am 11. Juli 1679 erfolgte in Güstrow die Verhaftung einer gewissen Grethe, die am 12.08. des gleichen Jahres auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

26) Ebenfalls 1679 wurde am 9. Oktober die Schlottmann’sche verbrannt, die am 13. Juli verhaftet worden war.

27) Die am 11. August 1679 verhaftete Trine Bölkow wurde am 7. Oktober des gleichen Jahres verbrannt, nachdem man sie auf dem Weg zum Richtplatz noch mit glühenden Zangen "gezwickt" hatte.

28) Am 30.3.1680 verhaftete man eine gewisse Anna. Sie wurde am 8. Oktober des gleichen Jahres verbrannt (74).

29) Im Jahre 1698 soll in Güstrow noch ein Mädchen wegen Umgang mit dem Teufel verbrannt worden sein (75).

Damit enden die noch im Stadtarchiv vorhandenen Akten über Gerichts- und Hexenprozesse. Dass aber der Glaube an Hexen und ihre "schwarze Magie" bis heute nicht völlig ausgestorben ist, zeigen uns leider auch immer wieder Nachrichten und Berichte aus neuester Zeit.


Wilhelm Mastaler, 2008 (ba. 2011)        

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Anlagen

Bekannte, in Güstrow vollstreckte Urteile des "Halsgerichtes":

1367

  -  Hans Preen, (enthauptet)

 

  -  

1561

  -  Zwei Mörder, (gerädert)

1569

  -  Buchow, (Brandstifter, hingerichtet)

1570

  -  erste Hexenprozesse, (?)

 

  -  Ilse Vielhuth, (angeklagt wegen "Bötens", nach Folter 1.Grad entlassen)

1593

  -  Anna Schulze, (Pranger, aus der Stadt verwiesen)

1596

  -  Sophie Heidenreich, Adelige aus Dänemark, (enthauptet)

1597

  -  Lene Giebels ("hinkende Lene"), (als Hexe angeklagt, 1604 verbrannt)

1603

  -  Trine Withaus, (als Hexe angeklagt, Tortur, Pranger und des Landes verwiesen)

1603

  -  Ein Orgelbauer und seine Frau, (hingerichtet)

1603

  -  Heinrich Pritz, (Pranger)

1604

  -  Mauses Junge, (aufgehängt)

 

  -  Peter, der Kuhhirt, (angeklagt, ?)

1605

  -  Meister Hansen, (mit Ruten ausgestrichen)

 

  -  Trine Lembke, (nach Tortur ausgestrichen)

1605

  -  Hovetsche (hingerichtet)

 

  -  Schlüters Magd, (Pranger, Haare abgeschnitten, aus der Stadt verwiesen)

 

  -  Hogeburch, (enthauptet, Kopf angenagelt)

1608

  -  Anna Ties, alias Rudeloff, (angeklagt, ?)

1609

  -  Kuhhirte aus Schwiesow, (hingerichtet)

 

  -  Ulrich Erleben und Sohn, (angeklagt, ?)

 

  -  Heinrich Campenius und Frau, (aufgehängt)

 

  -  Hans Arendes,(angeklagt, ?)

 

  -  Anna Dornemann, (wegen Unzucht hingerichtet)

 

  -  Katharina N., (wegen Unzucht hingerichtet)

1610

  -  Nicht genannte Frau, (aus der Stadt verwiesen)

1611

  -  Hintze mit seiner Konkubine, (enthauptet, Köpfe angenagelt)

 

  -  Fremder Buchbinder, (enthauptet)

 

  -  Kayser u. zwei Gefährten, (enthauptet, Köpfe angenagelt)

1612

  -  Jakob Millies, (hingerichtet)

 

  -  Drei Personen aus Laage, (hingerichtet)

1613

  -  Knecht aus Mamerow, (hingerichtet)

 

  -  Anna Burmeister, fürstl. (ausgestrichen und der Stadt verwiesen)

1615

  -  Trine Vilhuet (alte Polchow), (als Hexe angeklagt, nach Folter 1.Grad Urphede entlassen)

1615

  -  Anna Polchow (-1-), (als Hexe angeklagt, nach Urphede entlassen; 1623 erneut beschuldigt, um 1652 verbrannt)

1615

  -  Trine Polchow, (als Hexe angeklagt, nach Urphede entlassen)

1617

  -  Catharina Schultz, (aus der Stadt verwiesen)

1619

  -  Pferdedieb aus Holstein, (verwiesen)

 

  -  Magdalena Prange, (Haare abgeschnitten, aus der Stadt verwiesen)

 

  -  Plagemanns Knecht, (Finger abgehauen, entlassen)

1620

  -  Maria Kuhlemann, (wegen Kindesmord hingerichtet)

 

  -  Anna Brakenhagen, (Pranger, aus der Stadt verwiesen)

1622

  -  "Dulle Köpke", (aus der Stadt gepeitscht)

1624

  -  zwei Taschendiebe, (Pranger, aus der Stadt verwiesen)

 

  -  Hans Dalnitz, (Dieb, ?)

 

  -  Hans Albrecht, (Tortur, ?)

 

  -  Vier Jungen, (Einbruch, ausgepeitscht)

1625

  -  "rotäugige Trine", (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1629

  -  Marten & Joachim Stolte, (als Hexer angeklagt, wsl. hingerichtet)

1629

  -  Chim Schmidt, (hingerichtet)

 

  -  Valentin Schmidt, (aufgehängt)

1630

  -  Christoph Otto aus Salzwedel, (hingerichtet)

1631

  -  Peter Braun, (hingerichtet)

 

  -  zwei Bauersfrauen, (hingerichtet)

 

  -  Ilse Tannen, (angeklagt, ?)

1636

  -  Maria Bruster, (hingerichtet)

1638

  -  Hans Thomas, (hingerichtet)

 

  -  Hans Holmers, (hingerichtet)

1639

  -  3 Mägde, (Pranger, wegen Abreißen von Erbsen)

1645

  -  Hans Schumacher, (aus der Stadt verwiesen)

1656

  -  Hans Block, (hingerichtet)

1660

  -  Even Ike, (Tortur, ?)

 

  -  Kerbsche, (als Hexe angeklagt, ?)

1663

  -  Anna Prieß, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1663

  -  Anna Stüwe (Stüfen), (als Hexe angeklagt, 1664 verbrannt)

1664

  -  Heinrich Prieß, (als Hexer angeklagt, ?)

1664

  -  Margarete Schröder, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1664

  -  Maria Sasse, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1664

  -  Christian Langeclauß, (als Hexer angeklagt, verbrannt)

 

  -  Tilsche Schellwegen aus Wustrow, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1664

  -  Trine Schley (Schlie), (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1664

  -  Catharina Schley (Schlie), (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1664

  -  Hans Evert, (als Hexer angeklagt, 1668 entlaufen)

1665

  -  Maria Langeclauß, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1665

  -  Sophia Stüwe, (als Hexe angeklagt, 1670 entflohen)

1665

  -  Johann Siems, (als Zauberer angeklagt, wsl. verbrannt)

1665

  -  Maria Prieß, (als Hexe angeklagt, ?)

1667

  -  Ties Stüwe, (als Hexer angeklagt, ?)

1668

  -  Chim Babendererde, (als Hexer angeklagt, ?)

1668

  -  Elisabeth Jörns, (als Hexe angeklagt, ?)

1669

  -  Trine Faselow, (als Hexe angeklagt, Pranger, entlassen)

1670

  -  Dorothea Stüwe, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Ursula Oden, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Anna Polchow (-2-), (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Jochim Kägebein, (als Hexer angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Frau Kägebein, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Liese Kägebein, (ausgestrichen und aus der Stadt verwiesen)

1678

  -  altes Weib, (Pranger und Schandsteine, danach verwiesen)

1678

  -  Liese Hahnen, (ausgestrichen und ausgewiesen)

1678

  -  Herr Pallen (Pallens, Palm), (als Hexer angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Frau Pallen (Palmodsche), (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1678

  -  Ursula Pallen, (als Hexe angeklagt, verhaftet, ?)

1678

  -  Hans Lützow, (als Hexer angeklagt, verbrannt, verbrannt)

1678

  -  Grethe Lützow, (als Hexe angeklagt, verbrannt, verbrannt)

 

  -  Brandsche, (Tortur, ?)

 

  -  Maria Krüger, (?)

 

  -  Kopsche, (als Hexe angeklagt, Tortur, geteert & verbrannt)

 

  -  Strüfingsche, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1679

  -  Schlottmannsche, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1679

  -  Trine Bölkow, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

1679

  -  Liese Bluchmann, (enthauptet)

1680

  -  Anna Bluchmann, (enthauptet)

1680

  -  Claus Wilken, (ausgestrichen, aus der Stadt verwiesen)

1680

  -  Jacob Uetersen, (ein Junge, in der Haft 1681 gestorben)

 

  -  Margarete Gerdeß, (Tortur, ?)

 

  -  Margarete Gerdeß, (Tortur, ?)

 

  -  Lisch Blume, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

 

  -  Anna Hansen, (als Hexe angeklagt, verbrannt)

 

  -  Battendorfsche, (?)

 

  -  Lene Otten, (?)

1684

  -  Anna Brundes, (gestäupt)

1684

  -  Liese Hahn, (ausgestrichen)

 

  -  Jacob Hansen, (?)

1691

  -  Christoph Deters, (verhaftet, ?)

1699

  -  Gottfried Bahrt, (hingerichtet)

1713

  -  Eva Catharina Beesen, (wegen Kindesmord hingerichtet)

1714

  -  Kindesmörderin aus Schwaan, (hingerichtet, Kopf an den Pfahl genagelt)

1714

  -  Andreas Braun, (aufgehängt)

1728, 08.06.

  -  Johann Hinrich Niemann, (aufgehängt)

1730

  -  Landstreicher, (der Stadt verwiesen)

1731

  -  Christian Schloner, (aufgehängt)

1737

  -  Hastorf, (aufgehängt)

1738

  -  Schöler, (aufgehängt)

1756

  -  Nichol Cordt, (verhaftet, ?)

1756

  -  Hans Cordt, (verhaftet, ?)

1804, 08.11.

  -  Schulz, (aufgehängt)

1804, 08.11.

  -  Schröder, (aufgehängt)

1804, 08.11.

  -  Bachmann, (aufgehängt)




Zusätzlich sind folgende Hinrichtungen bekannt, die in Güstrow im Hof des Landgerichtes durch Enthauptung durch Scharfrichter aus Berlin und Magdeburg (z.B. Reindel, bis 1895 4 mal in Güstrow) erfolgten:

1882, 28.04.

  -  Friederike Holtz

1882, 28.04.

  -  Friedrich Holtz

1886, 22.10.

  -  Fritz Bartels

1889, 10.09.

  -  Johann Gülow

1890, 12.09.

  -  Wilhelm Unkenstein

1891, 11.07.

  -  Gustav Busch

1895, 16.08.

  -  Friedrich Richter [* 1870]

1896, 17.06.

  -  Heinrich Schmitz

1897, 04.01.

  -  Henriette Bernitt

1897, 04.01.

  -  Johann Friedrich August Brüggemann [* 26.12.1842],(78)

1897, 09.06.

  -  Albert Wiese

1898, 07.07.

  -  Herrmann Mietz (Miertz)

1899, 11.08.

  -  Karl Rammin

1899, 11.08.

  -  Paul Riedel

1900, 21.07.

  -  Wilhelm Born

1902, 08.07.

  -  Franz Idzek

1902, 08.07.

  -  Wilhelm Ruhge

1914, 06.06.

  -  Karl Koch

1935, 30.04.

  -  Herbert Altmann




Bekannte Namen von "Scharfrichtern" in Güstrow:

1589 - 1601

  -  Caspar Hoffmann (Hoveman)

1604

  -  Claus Carstens

1606 - 1608

  -  Jost N.

1610 - 1617

  -  Ciriacus N.

1617

  -  Samuel Hoffmann

1624

  -  Claus Lowsen

1625

  -  Carsten Haker

1625 - 1628

  -  Berndt Koch

1631 - 1632

  -  Carsten Gahr

1633

  -  Johann N.

1635 - 1663

  -  Michael Martin Kedener

1663 - 1669

  -  Hans Schmidt

1678

  -  Jürgen Everß

1678 - 1711

  -  Jürgen Gebhard (* um 1640), Ahnentafel: www.corinna-behrens.de

1711 - 1716

  -  Witwe Gebhard (Catharina Elisabeth Clasen, mit ihrem Schwager Christoff Deters)

1717 - 1753

  -  Martin Erhard Gebhardt (* 26.08.1692)

1753 - 1759

  -  Christoff Gottfried Bachmann

1759 - 1763

  -  Johann Adam Friedrich

1763 - 1772

  -  Friedrich Ludwig Hermann Glaser

1772 - 1773

  -  Witwe Glaser (Christina Maria Schultz)

1773 - 1783

  -  Paul Christoff Timmer

1783

  -  Bachmann

1787

  -  Witwe Timmer (verw. Glaser)

1788 - 1816

  -  Johann Ludwig Hermann Glaser

1818

  -  Witwe Glaser

1834 - 1838

  -  August Ebel


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Quellen- und Literaturverzeichnis


- Kühl, Paul. Geschichte der Stadt und des Klosters Ribnitz, Neubrandenburg, 1944
- Kieckhefer, Richard. Magie im Mittelalter, München 1992
- LHAS = Landeshauptarchiv Schwerin; (auch MLHA o. LHA), eines der beiden Endarchive der staatlichen Verwaltung von Mecklenburg - Vorpommern
- MJB (Jbb) = Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde Bd. 1-104, 1835 - 1940
- Schmaltz, Karl. Kirchengeschichte Mecklenburgs, Bd. II, Schwerin 1935
- StA = Stadtarchiv Güstrow: diverse Urkunden, Register, Gerichts-, Rats-, Protokoll-, Kämmerei-, Schoss- und Bruchbücher etc. der Stadt
- Stüber, Karl Heinz. "all dusend Johr". Episoden aus der Kirchengeschichte Mecklenburgs, Ev. Verlagsanstalt Berlin, 1986
- Regesten (Auszüge) = Sammlung von zumeist unveröffentlichten Urkunden

1  Mastaler, Wilhelm. Der "Froner" der Stadt Güstrow. Manuskript 2008; Homepage: Der "Froner" der Stadt Güstrow

2  Freie Enzyklopädie Wikipedia. Der letzte Scharfrichter Deutschlands war Johann Reichart (1893-1972). Während der Weimarer Republik und der Zeit des Dritten Reiches vollzog er etwas über 3000 Hinrichtungen mit der Guillotine, 156 verurteilte Nazigrößen henkte er nach 1945 im Auftrage der amerikanischen Militärregierung am Galgen.

3  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

4  Mastaler, Wilhelm. Das Gerichtswesen in unserer Stadt im Laufe der Zeit. Manuskript 2008; Homepage: Das Rechtswesen der Stadt Güstrow

5  Radbruch, Gustav. Die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532, Reclam Leipzig

6  Regesten von 1407, 1445, 1466 und 1477, LHAS

7  Register zum Bau des Galgens, 1647/48, StA

8  Register von 1602, StA

9  Register von 1603, StA

10  Ratsprotokoll 106 vom 25.02.1646, "Demnach die notwendigkeit erfordert dass das Gericht alhir wieder müssen repariret werden, und gebrauchlich, dass nicht allein alle Zimmerleute dabey gegenwertig sein, der erste Hieb von der Obrigkeit geschehen müsste. Also hat der Stadtvoigt und wegen E.E.Rahtes am Gericht alhir habenden dritten teilh und der obersten spezial iurisdiction der pro tempore worthabende Bürgermeister gethan, und haben die Zimmerleute bekommem für 3 balcken ins Gericht zu legen 3 tonnern bier, für die leiter 1 und für den Kack 1 tonne bier, Imgleichen die beiden Zimmermeister alß Ifg und E.E. Raths ein jeder 1 newe bint acksten und 16 ßl gelt, wie dan auch die maursleute für das gericht den kack zu bawen und zu bessern 4 tonnen bier.", StA.

11  Soldan, Wilhelm G. / Heppe, Heinrich. Geschichte der Hexenprozesse, Essen 1988

12  Acta: Galgen vom 02.10.1714, StA

13  Acta: Galgen vom 07.10.1714, StA

14  Acta: Galgen vom 12.10.1714, StA

15  Acta: Galgen vom 31.10.1714, StA

16  Acta: Galgen vom 28.05. und 07.06.1728, StA

17  Tischler-Amtsbuch vom 11.04.1746, StA

18  Protokoll der Stadtkämmerei vom 01.10.1791, StA

19  Protokoll der Stadtkämmerei vom 04.10.1791, StA

20  Acta: Galgen vom 17.10.1791, StA

21  Bürgerausschuss-Protokoll von 1807, StA

22  Acta: Galgen vom 02.08.1755, StA

23  Acta: Galgen vom 23.07.1753, StA

24  Acta: Galgen vom 25.08.1755, StA

25  Landtagsakten vom 26.05.1725, StA

26  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

27  Godman, Peter. Die geheime Inquisition. München 2001

28  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

29  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

30  Akte: Froner vom 17.01.1589, StA

31  Akte: Froner vom 10.09.1681, StA

32  Akte: Froner vom 17.11.1724, StA

33  Akte: Froner von 1752, StA

34  Meckl. Landesgesetze, Sammlung, 1665, StA

35  Meckl. Landesgesetze, Sammlung vom 16.12.1769, StA

36  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

37  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

38  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

39  Polizey- und Landordnung vom 02.07.1572, LHAS

40  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

41  Witte, Hans. Mecklenburgische Geschichte, Bd. II., Wismar 1913

42  Landtagsakten von 1649, StA

43  Herzogl. Verordnungen von 1619 – 1749, StA

44  Landtagsakten von 1667, StA

45  Herzogl. Verordnungen vom 16.01.1682, StA

46  Herzogl. Verordnungen von 1619 – 1749, StA

47  Domanialamt Ribnitz, 2/22 – 10/22 von 1663/64, LHAS

48  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

49  Akten über Glasewitz, StA

50  Landtagsakten von 1665, StA

51  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

52  Abrechnung des Scharfrichters Jürgen Gebhard vom 16. Januar 1684, StA

53a  Constitutio criminalis Theresia oder Maria Theresias peinliche Gerichtsordnung von 1769, gedruckt bey Johann Thomas Edlen von Trattnern; Art. 38, §.9. Territio autem in verbalem, & realem dividitur, S.108

53b  Constitutio criminalis Theresia oder Maria Theresias peinliche Gerichtsordnung von 1769, gedruckt bey Johann Thomas Edlen von Trattnern; Art. 58, §.6, S. 169

54  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

55  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

56  Landtagsakten von 1649, StA

57  Schild, Wolfgang. Geschichte der Gerichtsbarkeit, München 1980

58  Soldan, Wilhelm G. / Heppe, Heinrich. Geschichte der Hexenprozesse, Essen 1988

59  Akte: Scharfrichter, StA

59a  Güstrower Gerichtsakten, 1713-1719, StA

60  Akte: Glasewitzer Hexenprozesse, StA

61  Akte: Glasewitzer Hexenprozesse, StA

62  Akte: Scharfrichter, StA

63  Schreiben der Stadt Schwaan an die Stadt Güstrow vom 16.10.1714, Gerichtssachen, StA

64  Akte: Scharfrichter, StA

65  Akte: Scharfrichter, StA

66  Akte: Scharfrichter, StA

67  Akte: Scharfrichter, StA

68  Akte: Scharfrichter vom 26.02.1807, StA

69  Akte: Scharfrichter vom 09.05.1807, StA

70  Gerichtsakten von 1713-1719, StA

71  Radbruch, Gustav. Die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532, Reclam Leipzig

72  Akte: Gerichtsprozesse, StA

73  Domanialamt Ribnitz, 2/22 – 10/22 von 1663/64, LHAS

74  Unterlagen Hexenprozesse, StA

75  Unterlagen Hexenprozesse, StA

76  Anna Polchow, 1623 Frau von Claus Sandmann aus Glasewitz; genannt der "Weise Engel", Tochter von Trine Vilhuet; 1615 und 1623 wegen Hexerei angeklagt - nach Urphede entlassen / ca. 1652 in Weitendorf verbrannt

77  Anna Polchow, 1678 Frau von dem Glasewitzer Bauern Babendererde, 1678 in Glasewitz verbrannt

78  Infos: Burkhard Pilz, HH; Johann Friedrich August Brüggemann [* 26.12.1842, möglicherweise Letzin - † 04.01.1897, Güstrow]; "Es heißt, er habe den Ehemann seiner Geliebten (seine rechtmäßige Ehefrau war 1894 gestorben) auf deren Betreiben hin vergiftet ..."



Verzeichnis der Abbildungen

Abb. 1  Armsünderturm von Güstrow in der Armesünder-Turmstraße (Foto: Christian Mastaler)

Abb. 2  "Das Gericht" in der Feldmark nördlich des Mühlentores, Ausschnitt aus der Karte von Herrmann von 1727, Landeshauptarchiv Hannover


 

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