Kirchengeschichte: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde von Güstrow

 


Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde "Mariä Himmelfahrt" Güstrow


"... Des Kreuzes Schande, Hohn und Schmach verwandelt sich in Segen ..." (1)



 
 


Ein " Kirchenrundgang "



" Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden... " (2)

Wer von der Grünen Straße aus den Kirchplatz betritt, schaut zugleich auf die Frontseite der Kirche mit dem mächtigen Rundbogenfenster über dem Eingang.
Entsprechend den damals zur Verfügung stehenden Mitteln war der Bau des Güstrower Gotteshauses in schlichter Einfachheit in Material und Formen,
moderner Gestaltung und abgewogenem sakralen Charakter errichtet worden.


Alte Ansicht   Aktuelle Ansicht 2009   Aktuelle Ansicht 2015
Abb. 1. Alte und Aktuelle Ansichten der Kirche



 

Auf der rechten Seite der stattlichen Front in heimischem Backstein (3), neben dem Rundbogenfenster befindet sich eine Bronzefigur der zum Himmel auffahrenden Gottesmutter Maria (4), der Patronin dieser Kirche.

2008   1940   1940   Detail 2008   Detail Inschrift
Abb. 2. Ansichten der Bronzefigur an der Außenwand der Kirche

Die Bronzeplastik ist, wie auch das erste Gemeindehaus, von dem Güstrower Kaplan Bernhard Leffers, dem späteren Pastor von Warnemünde 1938 gestiftet worden und befindet sich erst seit dem 15. August 1938 dort.
Laut Eintrag in der Chronik der Katholischen Kirche (5) wurde sie in der Württembergischen Metallwarenfabrik 1938 gegossen (6), ist 2½ m hoch, ca. 4 Zentner schwer und wurde 1938 nach einem Entwurf Ludwig Noldes (* 1888 - † 1958) gefertigt (7).

 
Abb. 3. Ansicht von Noldes Modellentwurf

Es ist jedoch kein Bronzeguss, sondern eine Hohlgalvanoplastik. In den Unterlagen der Güstrower Gemeinde gibt es ein interessantes Foto, dass wsl. den Entwurf dieser Plastik zeigt. Auf der Rückseite ist es mit "Nolde, Osnabrück" signiert. Außerdem scheint es dem Stempel nach, aus der Zeit des 23. Juni 1937 zu stammen.



 

Beim Betreten der Kirche umfängt den Besucher sogleich eine beindruckende Atmosphäre des Raumes und durch die geschickte Lichtführung wird diese Stimmung noch verstärkt. Nur zwei natürliche Lichtquellen erhellen den Kirchenraum, die Altarfenster zu beiden Seiten des Chores vorne , sowie die zwei kleinen Fenster unter der Empore und das große Fenster über dem Eingang im hinteren Teil.
Die Fenster der Frontseite wurden im Jahr 2013 (8) zusammen mit dem Mauerwerk des Giebels komplett saniert und möglichst Originalgetreu erneuert.

2019  Rundbogenfenster 2013  Rundbogenfenster  2019
Ansichten im Außenbereich der Kirche

2013  Rundbogenfenster 2013  Rundbogenfenster 2013  Seitenfenster der Westfassade 2013
Innenansichten der Fenster im Emporebereich

Der Engel Gabriel war von Gott gesandt in eine Stadt, mit Namen Nazareth, zur Jungfrau Maria. Betrachte den Engel, den du am Tabernakel erkennst, er bringt die erhabenste Botschaft, die je von Gott an die Menschen gelangt ist. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns Wohnung genommen: gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade! Diese Worte des "englischen Grußes" aus dem Evangelium nach Lukas künden von der Menschwerdung Gottes und der Mutterschaft Marias und ihre Begegnung mit dem Engel ist auf den Tabernakeltüren dargestellt.

   
Ansichten vom Tabernakel

Bei sonnigem Wetter, Vormittags oder am späten Nachmittag, ist die Betrachtung des Lichtgefluteten Kirchenraumes besonders schön.

2011  Chorfenster  Chorfenster
Abb. 4. Ansichten der Fenster im Chorraum (9)

Nicht ganz eindeutig ist, ob die Bemühungen des Güstrower Künstlers Ernst Barlach zu diesen Fenstern wirklich zum Erfolg führten. In einem Brief vom 23. Juli 1928 (10) machte Ernst Barlach zumindest den Schwager von Marga Böhmer [seiner späteren Lebensgefährtin], Karl Muggly (* 1884 - † 1957), Maler und Professor für Glasmalerei und Kirchenfenster an der Kunstgewerbeschule Bielefeld, auf den geplanten Bau der Güstrower Kirche aufmerksam.
Ob sich Karl Muggly dann mit den Architekten Korff und Berger über die Anfertigung farblich-struktureller Entwürfe für die Fenster der neuen Kirche einigen konnte ist leider nicht per Dokument nachweisbar. Archiveinträge der 1912 von Otto Peters in Paderborn gegründeten "Westfälischen Kunstanstalt für Glasmalerei und Kunstverglasung" (11) in Paderborn und die Ähnlichkeit in der Auswahl der Farben, ihrer Art und Strukturierung im Vergleich zu seinen vor dem 21. März 1929 angefertigten zwei Fenstern in der Nordhalle des Güstrower Domes, lassen es aber als ziemlich sicher erscheinen.



 

Ein großes und imposantes, zehn Meter hohes Gewölbe (12) und ein formvollendet aufsteigender hoher Bogen ziehen das Auge zum Chor und zu dem schlichten, nur in Umrißlinien angebrachten vergoldeten Kreuz (13) an der Stirnwand über dem Tabernakel.

Ansicht von 1929         
Abb. 5. Ansichten des Altarraumes im Laufe der Zeit

Der warme Ton des rotbraunen Ziegelmaterials gibt den Flächen reiches Leben, zumal im wechselnden reizvollen Spiel des Sonnenlichtes zu den verschiedenen Tageszeiten. Die durch Nischen aufgelockerten Seitenwände mit dem Kreuzweg tragen das spitzbogenförmige Gewölbe im Lamellensystem (14), das wiederum durch die rautenförmige Anordnung der in Naturfarbe gehaltenen hölzernen Stützen geprägt wird.

Blick ins Dachgewölbe  Dachgewölbekonstruktion  Dachgewölbekonstruktion  Schnitt mit Gewölbeansicht  Ansicht 2014  Ansicht 2014

Ansicht 2014  Ansicht 2014  Ansicht 2014  Ansicht 2014  Ansicht 2014  Ansicht 2018  Ansicht 2014

Abb. 6. Ansichten der Dachkonstruktion und ihrer Befestigungen

Friedrich Zollinger (* 1880 - † 1945) entwickelte das Prinzip des Rauten-Lamellendach`s aus dem gewölbten Bohlenbinderdach mit parallelen Sparren, welche jeweils aus zwei geschweiften, versetzt angeordneten Brettern miteinander verleimt waren. Am 14. Oktober 1921 meldete er seine Dachkonstruktion aus Brettlamellen zur Patentierung an (ausgegeben am 28. Dezember 1923). In der Patentschrift " Raumabschließende, ebene oder gekrümmte Bauteile " wird sowohl die Ausbildung gerader Dachflächen aus geraden Brettern als auch die Konstruktion der gewölbten Dachhaut aus gekrümmten Brettern dargelegt (15).



 

HochaltarDie Ausstattung des katholischen Gotteshauses fügt sich schlicht in die Geschlossenheit der Räume ein. Der einstige Hochaltar aus Kunststein mit dem Tabernakel und dem bogenförmigen Bereich mit dem Christkönigskreuz darüber, ist in einfachsten Formen gehalten.
Gemäß den Möglichkeiten und Forderungen der erneuerten Liturgie, die vom II. Vatikanischen Konzil eingeleitet wurde, ist 1969 begonnen worden den Altar dahingehend umzugestalten. Der Altar ist von seinem erhöhten Stand an der Rückwand des Chorraumes abgetrennt, nach vorne versetzt worden und erhielt so die heutige Form. Die ehemaligen drei Altarstufen wurden auf eine durchgehende Stufe zum Tabernakel reduziert.


In die durch die Trennung entstandene Wandlücke am Hochaltar wurde ein schmiedeeisernes Gitter eingefügt (16), das ursprünglich die Mitte der Kommunionbank als Doppeltür verschloß. Türgitter Es zeigt die bildhafte Darstellung des Altarsakramentes: eine Kornähre und Weinrebe, den Abendmahlskelch und die Hostie, sowie die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes. Zwei anbetende Engelsgestalten weisen zur Mitte, zum Christuszeichen hin. Das Gitter ist ein Werk des heimischen Kunstschmiedemeisters Friedrich Gielow, der auch die bleiverglasten Fenster der rechten Sakristei zum Chorraum mit Taufsymbolen fertigte.

In Folge der Liturgiereform der 70er Jahre kam es - wenn auch recht spät - zu einer Wiederbelebung des Ambos [Lesepult] mit der Empfehlung diesem einen gesonderten Ort zu geben. Für die Lesungen aus der Heiligen Schrift sollte ein seperater Ort die hohe Bedeutung des Wortes Gottes deutlich machen. Zu diesem Zweck wurden 2011 die noch vorhandenen Kommunionbänke am Fuße des Chorraumes entfernt und in neugebaute Podeste - je eines links und rechts - in die Stufen integriert. Auf ihnen kamen zwei Ambonen die sich so gut in den Chorraum einfügen (17).

     
Abb. 7. Ansichten der Ambonen ab 2011

Das linke Ambo besitzt zusätzlich einen Bronzeguss einer von Hans Naczenski geschaffenen Figur des "Auferstandenen Christus".

neue Türen Im Tabernakel oder Hostienschrein ist Christus für die Katholiken ständig gegenwärtig. Als Zeichen dafür brennt in jeder katholischen Kirche in seiner Nähe ständig ein sogenanntes "Ewiges Licht" (18).
Auf den älteren, ursprünglich roten Tabernakeltüren befanden sich früher goldene Darstellungen von einer Kornähre und Weinrebe, sowie die Zeichen Alpha und Omega. Die heutigen, von Hans Heinrich Josef Schmitz geschaffenen, zeigen seit dem 9. Dezember 1965 vergoldet und plastisch dargestellt "Mariä Verkündigung" - In Annuntiatione Beatæ Mariæ Virginis. Auch als Verkündigung des Herrn - Annuntiatio Domini bekannt, stellt diese Szene den Engel Gabriel dar, der Maria unter der Taube des Heiligen Geistes die Botschaft von der Menschwerdung Gottes bringt (englischer Gruß). "... Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. ... Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. ..." (19)




"Es gilt mir, die Seele zu bannen, aus Blöcken zu meißeln, feierlich-sakral. Niemals vergessend, was andere vergessen, dass heilig auch menschlich stets war",
charakterisierte Ludwig Nolde einst die eigenen Werke und vor allem die Absicht, die er mit ihnen verfolgte (20).


       
Abb. 8. Ansicht mit Kanzelfenster, Kanzel und Entwurf der Nebenaltäre

Zu beiden Seiten vor dem Chorraum befinden sich Nebenaltäre, links der Marien- und rechts der Josephsaltar, die beide aus Backstein ausgeführt wurden. Die ihnen den Namen gebenden Statuen wurden seinerzeit der Notkirche von der Mutterpfarrei Rostock geschenkt (21).
Wie aus den Entwürfen von Korff und Berger vom Dezember 1928 ersichtlich ist, war das ursprünglich anders geplant. Die Kommunionbank war außer an den Seiten durchgehend und noch ohne Türgitter in der Mitte und die heutige rechte Sakristei war als Taufkapelle mit einem Taufbecken geplant gewesen. Daran erinnert heute nur noch das bleiverglaste Tauffenster mit Blick in den Chorraum. Aus der Taufkapelle heraus sollte es auch ein Kanzelfenster zum Kirchenraum geben. Dieses war über mehrere Stufen aus der Kapelle zu erreichen.


       
Ansichten der Nebenaltäre mit den Nolde Statuen

     
Abb. 9. Ansichten der Kanzel und der Tauffenster der rechten Sakristei

Mit der Errichtung der Nebenaltäre wurde dieses jedoch hinfällig und es musste ein anderer Platz für die Kanzel gefunden werden. Sie kam dann links, kurz vor dem Grundstein, in den Kirchenraum und fügte sich so Formschön und praktisch ein.
Aus den mittelalterlichen Chorschranken, den sogenannten "cancelli" entwickelt, befindet sie sich oft auf der linken Seite - der Seite des Herzens - denn zu diesem soll das Wort Gottes (durch den Mund des Predigers) gelangen.


KanzelDas auf ihr befindliche bronzene Kreuz befand sich ursprünglich über dem Tabernakel der Kirche, wurde aber nach kurzer Zeit bereits durch das aktuelle Christkönigskreuz (22) ersetzt.
1929 hatte die Kirche noch nicht so viele feststehende Bänke, und deshalb konnte man sich den Platz wählen, der vom Hall und vom Sehen her am günstigsten war. Problematisch wurde es erst, als im gesamten Kirchenraum feste Bankreihen eingebaut wurden. Wer nun in den vorderen Kirchenbänken saß, hatte den Prediger dann im Rücken.


       
Abb. 10. Ansichten der Kreuze von Kanzel und Hochaltar



 

Als Werke moderner Holzschnitzkunst erhielt die Kirche später (nach 1946) die unten im Eingang links stehende Plastik des Hl. Bruders Konrad von Parzham und das am rechten Pfeiler angebrachte Bild des Antonius von Padua, beides Werke des Berliner Professors Paul Dierkes (* 1907 - † 1968), der ein enger Freund des damaligen Pfarrers, des Dechanten August Niemeyers war (Dierkes stammt wie Niemeyer aus Westfalen).

       
Ansichten des Heiligen Konrad hinten links in der Kirche

         
Abb. 11. Ansichten des Hl. Antonius von Padua, der Hl. Beatrix und Johannes des Täufers

Die Reliquie vom hl. Br. Konrad bekam die Kirche am 29. September 1944 geschenkt. Die beiden Kapuzinerpatres Bauer und Wolfgruber bedankten sich damit für die freundliche Aufnahme, als sie aus der Kriegsgefangenschaft kamen und hier eine Zeitlang zur Erholung pausierten (23).

Auf dem Deckel des Taufbeckens befindet sich noch eine kleine Figur von Johannes dem Täufer mit einem Lamm auf dem linken Arm. Dazu weiter unten mehr.

Die rechte Pfeilerfigur schuf der Altpastor Hans Naczenski. Sie stellt die heilige Beatrix dar, deren Reliquie zusammen mit denen ihrer Brüder Simplizius und Faustinus im Hauptaltar der Kirche geborgen sind, desweiteren auch Reliquien von den Märtyrern der thebäischen Legion.

Zum besseren Verständnis der Reliquienverehrung scheint mir hier eine Bemerkung angebracht. Reliquien - " Bruchstücke aus den Körpern von verehrungswürdigen Seligen und Heiligen " befinden sich meistens in einem versiegelten und beschrifteten Behälter. Es sind aber nicht nur Überreste von Heiligenleibern, sondern auch Gegenstände, derer sich die Heiligen während ihres Lebens bedient haben.
Die Verehrung der Reliquien entsprang einem natürlichen Bedürfnis des Menschen, dem Respekt und der Ehrfurcht vor der Person des Verehrten. Der mittelalterliche Mensch verstand sich viel weniger als Individuum, als wir heute, sondern viel mehr als Teil einer ganzen, größeren göttlichen Ordnung. Dieser Ordnung, und damit der Gemeinschaft zu dienen gab ihm Sicherheit, weil er sich an seinem, ihm von Gott zugeordneten Platz befand. Die Harmonie mit der bestehenden göttlichen Ordnung wurde als die eigentliche Freiheit betrachtet. Die für uns heute so wichtige Frage nach der persönlichen Freiheit war, außer bei extremer Unterdrückung oder Ausbeutung, keine wesentliche Frage.
Das starke Verlangen nach Reliquien verleitete zu gewissen Zeiten auch zum Mißbrauch und betrügerischer Beschaffung. Es ist daher auch oftmals so, das ein Großteil dieser Reliquien nicht wirklich das ist, was ihre Urkunde verspricht, so viele Knochen können einige Heilige gar nicht gehabt haben, vielfach handelt es sich um die Gebeine von unbekannten Christen aus den Katakomben Roms) aber das spielt auch keine wesentliche Rolle. Die katholische Kirche hat dies stets abgelehnt und sie hat zuletzt im Konzil von Trient (1545-63) strenge Vorschriften über die Reliquienverehrung erlassen. So dürfen z.B. nur von der kirchlichen Autorität geprüfte und anerkannte, durch Urkunden beglaubigte Reliquien verehrt werden.
Natürlich waren und sind die konkreten Formen solcher Verehrung sehr dem Zeitgeschmack unterworfen, brauchen daher auch nicht jedem Menschen zuzusagen, aber sie können immer noch ein Weg sein, um Gebetshilfe zu bitten und sich mit ihrer Fürsprache bei Gott verbunden zu wissen.


  
Abb. 12. Reliquienbeschreibungen

Zur Thebäischen Legion ist dabei folgende Geschichte überliefert: Ende des dritten Jahrhunderts befahl der römische Kaiser Diokletian die Versetzung einer der drei ägyptischen Legionen, unter dem Oberbefehl des Mauritius nach Westeuropa. Sie sollten die Verteidigungslinie, die sich von hier von Ligurien über die Alpen durch das Wallis und von dort längs der Aare und dem Rhein bis Nordwestdeutschland erstreckte, unterstützen. Unter anderem sollte sie auch dazu beitragen, den Aufstand der Bagauden im Südosten Frankreichs zu unterdrücken.
Auf ihrem Zug aus dem Orient, der Thebais in Oberägypten, daher auch der Name Thebäische Legion, wurden sie durch den Bischof von Jerusalem getauft. In Octodurum (heute Martigny) angelangt, hielten sie sich abseits und schlugen ihr Lager in Agaunum auf. So entzogen sie sich der Teilnahme an den Götzenopfern, lehnten es kategorisch ab, die römischen Götter zu verehren und ihnen, gemäß den damaligen Zeremonien, Opfer darzubringen und weigerten sich schließlich auch im Zuge der allgemeinen Christenverfolgung gegen ihre christlichen Glaubensgenossen in der Gegend um Agaunum vorzugehen. Dies wurde von Kaiser Maximian, Mitregent Diokletians im Westen, aber als Meuterei betrachtet, worauf er die Folterung der Legionäre und die "übliche Bestrafung" der Legion befahl. Übliche Bestrafung bedeutete: die Dezimierung der Legion, d.h. Hinrichtung jedes Zehnten Mitgliedes (24).
Trotzdem hielten die Thebäer an ihrem Glauben und ihrer tiefsten christlichen Überzeugung fest. Folglich befahl Kaiser Maximian die Intensivierung der Folterung und die wiederholte Dezimierung der Verbliebenen bis sie sich der Verehrung der römischen Götter fügen sollten. Da aber keiner der Thebäer von seinem Glauben abließ, breitete sich dieses Martern und Morden rasch über alle Lager, wo sich Kohorten der thebäischen Legion befanden, aus. Dies wurde so lange fortgesetzt bis die ganze Legion die "Krone des Martyriums" erlangte.
Auf ihre Standhaftigkeit hatte am meisten ihr Anführer Mauritius und neben diesem der Feldzeichenträger Exuperius und der Kriegssenator Kandidus eingewirkt. Diese sind auch die einzigen namentlich aufgeführten Märtyrer von Agaunum (25).



 

Am 1. März 1930 erteilte Bischof Berning dem Pfarrer Heinrich Hemesaat die Vollmacht, in der neuen Marienkirche einen Kreuzweg zu errichten und einzuweihen. (26). Dieser erste Kreuzweg wurde dann in der Fastenzeit 1961 durch eine Reproduktion des 1935 von dem Osnabrücker Künstler Walter Mellmann (* 1910 - † 2001) geschaffenen ersetzt (27). Eingeweiht wurde der Kreuzweg am 7. März 1962 durch den Osnabrücker Weihbischof mit Sitz in Schwerin Dr. Bernhard Schräder.

1. Kreuzwegstation  2. Kreuzwegstation  3. Kreuzwegstation  4. Kreuzwegstation  5. Kreuzwegstation  6. Kreuzwegstation  7. Kreuzwegstation

8. Kreuzwegstation  9. Kreuzwegstation  10. Kreuzwegstation  11. Kreuzwegstation  12. Kreuzwegstation  13. Kreuzwegstation  14. Kreuzwegstation
Abb. 13. Die vierzehn Kreuzwegstationen von Walter Mellmann

Der Kreuzweg mit seinen 14. Stationen im Original als Holzschnitt hat in verschiedenen Variationen Anwendung gefunden und ist so in zahlreichen Kirchen zu finden (28). Die Eigenart des Bildhauers und Graphikers Mellmann liegt in der - manchmal kantig und hart scheinenden Darstellung - die jedoch seine ausgesprochen geistigen, innerlichen Auffassungen und seelischen Werte kraftvoll wiedergeben.



 

Taufbecken Aus einer anderen Stilepoche stammt der Taufstein aus belgischem Marmor mit der kleinen holzgeschnitzten Figur von Johannes dem Täufer, ein Geschenk aus Essen nach der Kirchweihe (29). Das Johannes der Täufer oftmals ein Taufbecken ziert oder mit Wasser und Brunnen in Verbindung gebracht wird, beruht auf der großen Verehrung, die ihm vor allem am Johannestag (30) entgegengebracht wird. Jesus sagte einmal über ihn: " Unter den von der Frau Geborenen ist kein Größerer aufgestanden als Johannes der Täufer. " (31). Auf diesem großen Wort beruht auch seine starke Verehrung.

Bei dem Naturstein des Taufbeckens handelt es sich um einen Marmor der in Belgien abgebaut wird und als Belgisch Granit bezeichnet wird.




 

Die auf Blech gemalte Ikone "Unsere liebe Frau von der immerwährenden Hilfe" in der Kirche hinten links (32) ist eine Kopie der ursprünglich in der römischen Kirche des hl. Apostels Matthäus (sie lag zwischen der Basilika St. Maria Maggiore und der Lateranbasilika) befindlichen Ikone aus dem 14. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit hat diese Ikone viele Namen bekommen: "Jungfrau der Passion", "Die Goldene Madonna", "Mutter der Heimstätten der Katholiken" oder "Mutter von der Immerwährenden Hilfe". Das ist auch der Name, unter der - gemäß dem Wunsch von Papst Pius IX. - sie dann bekannt gemacht wurde (33).
Die Ikone stellt Maria mit dem Jesuskind inmitten zweier Engeln dar. Die griechischen Buchstaben über ihren Köpfen geben abgekürzt die Namen von Jesus, der Muttergottes, der Erzengel Gabriel und Michael wieder. Statt Harfen oder Trompeten tragen sie die Leidenswerkzeuge (ein Gefäß mit Galle, Lanze und Rohrstängel, sowie das Kreuz und die vier Nägel).
Im byzantinischen Stil der Ostkirche gemalt, ist nicht die Darstellung einer schönen Landschaft oder Person sondern die Übermittlung einer spirituellen Botschaft Absicht. Das Bild ist daher wie ein Tor, nett anzusehen, aber wer möchte nur dastehen und auf das Tor schauen? Wir möchten es öffnen und hindurchgehen, und ES will uns in eine neue Welt führen.


Niels Stensen IkoneAm 29. November 2015 erfolgte in einem Festgottesdienst mit dem Weihbischof Norbert Werbs die Einweihung dieser Ikone des Seligen Niels Stensen. 329 Jahre nach seinem Tod am 25. November 1686 in Schwerin wird damit seiner auch hier in der Kirche gedacht.
Die Ikone wurde 2015 von der Ikonenschreiberin Ursula Räke aus Altenmedingen geschaffen (34).
Niels Stensen war ein dänischer Arzt, wegweisender Anatom und Naturforscher der 1675 katholischer Priester in Florenz am Hof der Medici wurde. Im Jahr 1677 wurde er Apostolischer Vikar des Nordens in Hannover (1684 in Hamburg), war von 1680-83 als Weihbischof in Münster und zuletzt 1685 Bischof in Schwerin. Dort gründete er die vom Hof unabhängige, katholische Gemeinde und wirkte als einfacher Seelsorger. Sein asketisches Leben in Lauterkeit und sein vorbildliches Wirken als Priester fand hohe Anerkennung, auch über Konfessionsgrenzen hinweg.
Sein Leichnam wurde auf Wunsch des toskanischen Großherzogs Cosimo III. de’ Medici nach Florenz überführt und befindet sich dort in der "Cappelle Medicee" - der Grabkapelle der Medici hinter der Basilica di San Lorenzo.
Papst Johannes Paul II. hatte Niels Stensen am 23. Oktober 1988 seliggesprochen - sein kirchlicher Gedenktag ist jedoch der 25. November.




 

Seit dem Bau der Katholischen Kirche wurde die Beichte mittels zweier Beichtstühle - je einer hinten links und rechts - gespendet. Dies änderte sich erst im Jahr 2001, von da an wurde sie in der rechten Sakristei vorne am Altarraum gespendet. Auch Beichtgespräche waren dadurch möglich geworden.

alter Beichtstuhl hinten rechts  Beichtraum vorne rechts  neuer Beichtraumanbau 2009  neuer Beichtraum  Beichtraumansicht 2009  Beichtraumansicht 2009  Beichtraumansicht 2009
Abb. 14. Entwicklung vom Beichstuhl zum eigenen Beichtraum

Diese Variante bereitete aber aufgrund der Treppen vor allem älteren Menschen einige Schwierigkeiten. Daher wurde mit Hilfe des Deutschen Bonifatiuswerkes und des Erzbistums Hamburg im Zuge der Kirchensanierung 2008/09 ein neuer Beichtraumanbau hinten links errichtet.
Die dabei neugeschaffenen Fenster des Beichtraumes an der Nord-Westseite der Kirche bestehen aus einem Doppelfenster mit Nord-West-Ausrichtung und zwei Lichtbändern, von denen eines nach Nord-Osten und das andere nach Süd-Westen weist.
Bei ihrer Gestaltung legte die Gemeinde sehr viel Wert auf den Bezug zur Raumnutzung und den Kontex zu den anderen Kirchenfenstern. Die vorherrschenden Farben dieser Kathedralgläser sind daher ebenfalls gelb bis violett in verschiedenen Abstufungen.
Angefertigt wurden die Fenster von der Glaserei Reincke aus Rukieten (35).




 

Von Beginn an wurde in der Kirche entweder auf einem Harmonium oder später einer elektrischen Orgel gespielt. Bereits in der Barackenkirche in der Grünen Straße befand sich am Eingang (links vom Windfang) ein Harmonium, "dessen Luftbalg beim Spielen immer laut und unüberhörbar "quietschte". Bespielt wurde dieses Instrument in der Woche von Schwester Christel, am Sonntag von Herrn Braun. Dieser war zwar nicht katholisch, aber von dem ersten Pastor Hemesaat dafür "geworben" worden. Da er in der Nacht vorher noch in einem Lokal zum Tanz aufgespielt hatte, war er morgens in der Kirche manchmal etwas müde und verbreitete oft einen leichten "Bierdunst". Während der Predigt ging er immer nach draußen, um frische Luft zu "tanken". Er spielte auch noch in der neuen Kirche auf einem größeren Harmonium, das er wohl selbst beschafft hatte, bis er aus Altersgründen diese Tätigkeit aufgab. Allerdings kam es ab und zu auch vor, dass er beim freien Spiel plötzlich von der Choralform in eine Tanzmelodie geriet, zum Erstaunen aller Anwesenden; aber ermerkte es selbst immer sehr schnell " (36).

Am 18. Mai 1987 nimmt dann ein jahrelanger Traum und Wunsch der Gemeinde Gestalt an: die erste Orgel kommt nach zehnjähriger Wartezeit - zerlegt und verpackt in großen Kisten von der Orgelbaufirma Rudolf Böhm aus Gotha.
Die Monteure waren gleich mit angereist, um sie sachgerecht zu entladen und mit dem Aufbau des Instrumentes zu beginnen. In vier Wochen "stand" zwar die "Königin" der Instrumente auf der Empore, aber erst nach wochenlanger Stimmarbeit konnte sie am 1. Oktober der Gemeinde die "Flötentöne" beibringen.

Orgelentwurf von 1983  Ansicht der Orgel von unten  Orgelansicht von der Empore  Manual  Orgelpfeifen
Abb. 15. Ansichten vom Entwurf bis zur fertigen Orgel

Nun konnte der Kirchenraum mit den 16 klingenden Registern und insgesamt 1304 Pfeifen geradezu musikalisch überflutet werden.

Organistinnen und Organisten in all den Jahren waren u.a. Bernhard Braun, Sr. Christel, Ingeborg Winokuroff, Sr. M. Ehrentrud, Frl. Mach, Sr. M. Julitta, und Sr. Oswalda und die noch heute ehrenamtlich tätigen Organistinnen.

Einen eigenen Kirchenchor hatte die Gemeinde bereits seit 1922 (älter als die Kirche selbst). Er wurde anfangs von Herrn Berger und Frau Bresch geleitet. Zum Kirchweihfest 1929 standen Stücke wie das "Ave Maria" von Gounod, "Die Allmacht" und "Abendrot" von Schubert oder die "Mignon-Fantasie" von Thomas auf ihrem Programm. Einzeldarbietungen wie das Preislied aus "Die Meistersinger" von Wagner, den "Psalm 95", ein Duett von Mendelssohn oder "Jauchze, mein Herz" von Öser rundeten das Festprogramm musikalisch ab.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Chor dann 1947 von Hans Pfleger neu aufgebaut und im Laufe der Zeit u.a. von Herrn Dörfler, Frau Klingebiel, Herr Senge und Buron, Frl. Kowalewski, Adeline Frey etc. geleitet.




 

" Eine Stadt ohne Glocken ist wie ein Blinder ohne Stock " (37)

Es gab einmal eine Zeit, da bestimmte der Glockenklang den Tagesablauf der Menschen. Das Früh, Mittags und Abendläuten weckte die Schläfer, rief zum Mahl und bestimmte die Nachtruhe. Sie läuteten zur Taufe eines neuen Erdenbürgers, zur Hochzeit, aber auch zum Tod eines Menschen. So waren Glocken über Jahrhunderte hinweg weit mehr als nur Instrumente der Einteilung des Tages in Arbeits- und Ruhephasen oder die Darstellung von gesellschaftlichen Ereignissen. Sie gaben vielmehr auch religiöse Orientierung in Zeit und Raum.
Die "Glockomanie" steigerte sich auch zunehmend, so das sie nicht nur zu kirchlichen sondern auch zu weltlichen Ereignissen läuteten. Davon zeugen noch heute viele Rathäuser (38), deren Giebel ein Türmchen mit einem Glöckchen ziert und zahlreiche Uhren mit Glockenspiel.
Die Zeiten, in denen die Glocken verstummten - zum Beispiel in den Religionskämpfen des dreißigjährigen Krieges, in den glaubensfeindlichen Unruhen der französichen Revolution oder während der Weltkriege des 20. Jahrhunderts - , waren daher auch stets unheilvolle Zeiten, in denen die Menschen emotional entwurzelt waren.
In der veränderten Geräuschekulisse des heutigen Alltags, der von Verkehrs- und Maschinenlärm geprägt ist, und im veränderten Lebensrhythmus der Menschen, verlieren sie jedoch ihren alten Zauber. In dem Maße, in dem das Geläut zu einem ärgerlichen und ruhestörenden Signal am Sonntag morgen reduziert wird, dessen Symbolik im täglichen Läuten nicht mehr jedem geläufig ist, erscheint der Ruf vom Kirchturm manchem Menschen so einfach nur noch als eine tönende Belästigung.
Heute wird an katholischen Kirchen je nach Größe und Bedeutung des Gotteshauses 5 bis 10 Minuten vor Gottesdienstbeginn mit einer kurzen Pause bis zu selbigem und zum Angelus (Engel des Herrn am Mittag und Abend) geläutet. Zu besonderen Festtagen und Gelegenheiten (z.B. Beerdigungen) kann sich dieses Läuten aber auch auf andere Zeiten ausdehnen.
Ein "Glockenschweigen" gibt es hingegen in der liturgischen Zeit des Todes Jesu am Kreuz - am Karfreitag.

Ernst Barlach schrieb 1908 in seinem ersten Brief aus Güstrow:

" Die Türme von Güstrow, glockentonweit entfernt, winken mit der Gebärde alter Bauten ...  " (39)

Die Geschichte der ersten Glocke der katholischen Kirche beginnt 1914 mit der Errichtung der Kirchenbaracke im Kriegsgefangenenlager auf der Großen Bockhorst. Das Mannschaftslager des IX. Armeekorps hatte u.a. eine katholische Barackenkirche mit einem von den Gefangenen selbst errichteten Glockentürmchen, für das der Bonifatius-Verein eine Glocke leihweise zur Verfügung gestellt hatte.
Ein Hinweis auf Hersteller und Alter befindet sich außen an der Glocke - B.V.G. 1914 (40). Im Inneren befindet sich die Guss-Nummer des Herstellers - 3851.

Nach Kriegsende wurde im September 1919 die nun ausgediente Wachbaracke des ehemaligen Gefangenenlagers (nicht die Kirchenbaracke, diese war zu baufällig) von der katholischen Gemeinde gekauft und in der Grünen Straße wieder aufgebaut. Unter Verwendung der Inneneinrichtung der Kirchenbaracke des Lagers und des Glockentürmchens wurde sie durch die Mitarbeit aller Gemeindemitglieder so rechtzeitig aufgerichtet, dass der erste Gottesdienst in einer eigenen Kirche, auch wenn es nur eine Baracke war, am 25. Dezember 1919, dem ersten Weihnachtstag, gehalten werden konnte.
Über dem Windfang am Eingang dieser Barackenkirche stand das kleine hölzerne Türmchen, in dem nun die alte Glocke aus der Lagerkirche hing.
Da das Seil dazu in dem Windfang hing, benutzten die Ministranten es oft, um sich durch einen leichten Zug an dem Seil "anzumelden". Dann wußte der Pfarrer immer, dass einer seiner Ministranten unterwegs war (41).


     
Abb. 16. Ansichten der Barackenkirchen und ihrer Glocke

Im Dezember 1928 wurde mit den Fundierungsarbeiten für die neue (heutige) Kirche begonnen. Ein Grundpfeiler war bereits fertig geworden, als der strenge Winter 1928/29 einsetzte, der erst im April 1929 erlaubte, die Arbeiten fortzusetzen. Trotzdem wurde die Kirche nach nur 6 Monaten Bauzeit fertiggestellt und durch den Bischof Dr. Wilhelm Berning aus Osnabrück am 25. August 1929 der Gottesmutter Maria geweiht, die damit die katholische Tradition der ersten Marienkapelle der Stadt fortsetzte.

Auch für das nun verwaiste "alte Glöckchen" wurde ein neuer Platz gefunden. Sie hing von nun an sichtbar im rechten Glockenfenster der Kirche. Da es auf der anderen Seite dieses Giebels auch ein paralell angebrachtes Fenster gab, kann man wohl davon ausgehen, dass auch hier ein Glockeneinbau geplant gewesen war, für die aber das Geld wohl nicht mehr gereicht hatte.


           
Abb. 17. Ansichten der Kirche und ihrer alten Glocke

Die Aufhängung der Glocke erfolgte mit einer "Tellerkrone" am stählernen, geraden Joch. Die Glocke hing an einem drehbaren Joch, deren Lager im Mauerwerk des Glockenfensters verankert waren. Mit Hilfe einer Hebelkonstruktion und dem nach unten in die rechte Sakristei führenden Seilzug wurde die Glocke betätigt.
Durch ein zusätzlich eingebautes Gegenpendelgewicht an der Schwingkonstruktion der Glocke gegenüber der Zugseite wurde deren Betätigung erleichtert und das Aufschaukeln der Glocke verhindert.

Die Gussstahlglocke war nicht gerade das, was man ein Klangwunder nennen würde. Ihr Ton war geradezu topfig, kurzatmig und eigentlich miserabel für eine Kirchenglocke. Hinzu kam noch, dass Eisen- und damit auch Gussstahlglocken einen kurzen bzw. sogar extrem kurzen Nachhall haben, was den Klang noch weiter schmälerte. Außerdem war bedingt durch die feste Verankerung der Aufhängung im Mauerwerk, im Inneren der Kirche ein dumpfer Hall beim Läuten hörbar - eine Fehler der auch bei den neuen Glocken der Kirche gemacht wurde. Ohne eine Pufferung bzw. Verhinderung der Schwingungen zum Mauerwerk überträgt sich diese in dasselbe und macht sie innen unangenehm hörbar.

Bruder Heinrich versuchte den Klang der Glocke zu "optimieren" und hatte an dem Klöppel beidseitig Bronzeanschläge montiert. Es brachte sogar etwas und sie "schepperte" nun nicht mehr so sehr. Es blieb aber eine Tatsache, das die Glocke nie den "schönen Klang" einer Bronzeglocke erreichen würde.
Wenn ich den Schlagton dieser Glocke bestimmen müsste, würde ich ihn mit einem zweifach gestrichenem g = g´´ angeben (+/- ½ Ton).

Stahl- oder Eisenglocken sind natärlicherweise auch stark durch Rost gefährdet und haben dadurch auch nur eine begrenzte Lebensdauer von ca. 80 bis maximal 100 Jahre.
Auch in die Glocke der katholischen Kirche hatte der Rost sich bereits tief in das Material eingefressen und so zahlreiche Löcher und Dellen geschaffen. Im Laufe der Jahre zeigten sich außerdem auch bereits Schäden an der Aufhängung im Mauerwerk des Glockenfensters. Die gerissenen und gebrochenen Mauerziegel und der verwitterte Fugenmörtel wurden dann im Verlauf der Sanierungsarbeiten 2008 bis 2015 mit beseitigt.


       
Abb. 18. Vom Glockenguss bis zur Glockenweihe

Nachdem die Finanzierung der Glocken durch Spenden aus der Gemeinde gesichert war, konnten am 31. Januar 2014 in Sinn (bei Gießen / Hessen) zwei Glocken von der Firma Rincker (42) gegossen werden.

Die neuen Glocken wurden am 14. Mai 2014 an Ort und Stelle gebracht und auch gleich danach mit der Montage begonnen. Bis zum ersten Glockengeläut dauerte es jedoch noch einige Zeit.

Glocke I: Mariä Himmelfahrt
Die größere der beiden Glocken mit der Nr. 20052, einem Gewicht von 138 kg und dem Glockenton fis´´ - 11 wurde der Gottesmutter Maria geweiht. Sie trägt oben die Inschrift:
AVE MARIA GRATIA  (Gegrüßet seist Du Maria)
Es fogt ein Bild der Mondsichelmadonna und darunter zwei weitere Inschriften:
MARIÄ HIMMELFAHRT GÜSTROW 2014
+ + + und die Namen der Stifter dieser Glocke.
STIFTER: GESCHWISTER SYLVIA MARIA UND ROLAND ORGEL
Das Firmenlogo von Rincker befindet sich auf der Rückseite der Glocke.


Glocke II: Niles Stensen

Die zweite, kleinere Glocke mit der Nr. 20053, einem Gewicht von 87 kg und dem Glockenton a´´ - 9 ist dem Seligen Niels Stensen geweiht und trägt oben die Inschrift:

JESUS SIS MIHI JESUS  (Jesus sei mir Jesus)
Es fogt ein Bild des "Stensen Herzens" inmitten der Worte:
SELIGER NIELS STENSEN
und darunter eine weitere Inschrift:
MARIÄ HIMMELFAHRT GÜSTROW 2014
+ + + und ebenfalls das Firmenlogo von Rincker auf der Rückseite der Glocke.


         
Abb. 19. Die neuen Glocken der Kirche

Es gibt aber noch weitere Glöckchen in der Kirche. Die Messglocke, eine kleine Messing-Glocke an der linken Sakristeitür trägt eine Inschrift am oberen Ring:

PATER : NOSTER : IN : CELIS *  (Vater unser im Himmel)
und am unteren Ring:
DOMINUS : VOBISCUM : SPIRITU : TUO *  (Der Herr sei mit Euch und mit deinem Geiste)
Sie wird zum Beginn der Gottesdienste geläutet.


       
Abb. 20. Sakristei- und Wandelglöckchen

Die sogenannten Wandelglöckchen gab es bereits in der alten Barackenkirche. Mit ihnen wird während der Messe - damals noch bei der Opferung, Wandlung und Kommunion, heute nur noch zur Wandlung geklingelt (einige meinten immer, es geschah nur, damit die inzwischen "Eingeschlafenen" wieder aufwachen sollten, denn wer verstand schon damals die lateinischen Gebete der Messe). Erst als der "Schott", die deutsche Übersetzung der Meßgebete erschien, konnte man der Liturgie auch besser folgen.
Der Umgang mit den Wandelglocken war eine besondere Kunst, die nicht jeder auf Anhieb konnte und die erst gelernt werden mußte. Das "Schellen" (zuerst war es eine einfache Glocke, dann dreifache, später vierfache Schellen) war deshalb ein besonderes Vorrecht, vor allem an den hohen Festtagen. Da wurde nämlich das "Großer Gott, wir loben Dich" gesungen - mit drei Strophen. Während dieses Liedes wurde nicht nur geklingelt, so laut und kräftig es ging, sondern auch die Glocke geläutet. Doch hinterher waren die Arme lahm und die Knöchel etwas angescheuert. Aber das gehörte einfach dazu (43).




 

Ende 1930 wurde erstmals ein "Warmluftheiz Apparat Originalsystem Mahr" in die Kirche eingebaut (44). Anfangs übernahm das Heizen noch Rudolf Paschen, ein pensionierter Bahnsteigschaffner der im Haus in der Grünen Straße 23 wohnte und ein frommer gläubiger Protestant war. Er hat außerdem mit großer Liebe und Gewissenhaftigkeit das Kirchengrundstück betreut und auch in Ordnung gehalten.
Nach seinem Tod hat das Heizen dann der Hausmeister Karl Tott besorgt. Er wohnte noch nach der Einstellung seines Nachfolgers Erich Gehrmann am 1. Mai 1962 für ein Jahr in Haus, bevor er zu Verwandten nach Sarmsdorf zog und dort auch verstarb (45).
Erich Gehrmann bekam mit dem Amt des Hausmeisters auch die Wohnung in der Grünen Straße 23 um für Kirchplatz, Garten und Pfarrheim zu sorgen (46). Seine Frau Elisabeth half in der Gemeindeküche und bei der Kirchenreinigung mit.
Als dann 1974 die Gemeinde selbst das Heizen der Kirche übernehmen mußte, merkte sie erst, wie aufwendig dieses war. Alle 2-3 Stunden mussten Kohlen nachgelegt werden (auch nachts). 1986 wurde die alte Warmluftheizung nochmals durch die Firma Mahr erneuert. Die "Plackerei" in der kalten Jahreszeit mit der Kohleheizung endete aber erst 1992 mit dem Einbau einer modernen Ölheizung (47).


       
Abb. 21. Von der Mahr Warmluftheizung bis zur Gasheizung

Im Zuge der Kirchensanierung 2008/09 wurde die Heizung erneut verändert, und auf Gas umgestellt. Der damit freigewordene Ölkeller wurde zum Teil neuer Abstellraum und zum anderen Teil für die Fläche des neu errichteten Beichtraumanbaus genutzt.



Mit Worten von Bischof Berning zur Kirchweihe am 25. August 1929 habe ich den Rundgang begonnen und möchte auch mit solchen schließen. "Arbeit die für Gott und mit Gott verrichtet werde, sei für den Menschen eine Quelle des Glückes und des Segens. Auch in dieser Kirche soll nichts anderes gepredigt werden als Gottes Wort, das Wort von der Erlösung und von der Barmherzigkeit Gottes. So werde die Kirche ... ein Quell reichster Gnade, ... [und mein] Wunsch:

Kommt und schöpft recht oft die Gnade aus diesem heiligen Quell" (48).








 

Quellen- und Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis

 - Acta civitatum specialia Güstrow, Landeshauptarchiv Schwerin. 2.12.-4/3
 - AKKG = Archiv der Katholischen Pfarrgemeinde Güstrow; diverse Archivunterlagen der katholischen Kirchengemeinde von Güstrow
 - AKKG, Chronik der katholischen Kirchengemeinde von Güstrow 1226-1986, im AKKG
 - AKKG, Chronik Teil I. und II. der Missionsschwestern Mariens in Güstrow, im AKKG
 - AKKG-UpKKG = unveröffentlichte Unterlagen zur Geschichte der katholischen Kirchengemeinde von Güstrow aus privaten Beständen und Aufzeichnungen (z.B. Erinnerungen von älteren Gemeindemitgliedern)
 - BAO = Bistumsarchiv Osnabrück
 - Freimüthiges Abendblatt. Zeitschrift von 1818 - 1848, Verlag: J.C.H. Bärensprung, StA Güstrow
 - Güstrowsches gemeinnütziges Wochenblatt (1817-1848), StA
 - HTI = Heinrich-Theissing Institut Schwerin
 - LHAS = Landeshauptarchiv Schwerin; (auch MLHA o. LHA), eines der beiden Endarchive der staatlichen Verwaltung von Mecklenburg - Vorpommern
   Ungedruckte Quellen: Acta Militaria und Militärwesen u.a. im Bestand 2.21-1 / 2.12-2 etc.
 - LKA - Evangelisches Landeskirchliches Archiv in Schwerin
 - MJB(Jbb) = Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde Bd. 1-104, 1835 - 1940
 - MUB = Mecklenburger Urkundenbücher Bd. I-XXV, , herausg. vom Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 1863 ff
 - Regesten (Auszüge) = Sammlung von zumeist unveröffentlichten Urkunden aus dem LHAS oder dem StA; S.A.Reg. = Regesten aus den Schweriner Archiven
 - Schweriner Volkszeitung (SVZ). Tageszeitung für Westmecklenburg, Verlag: Zeitungsverlag Schwerin GmbH & Co. KG; Gutenbergstraße 1; 19061 Schwerin
 - StA = Stadtarchiv Güstrow: diverse Urkunden, Register, Gerichts-, Rats-, Protokoll-, Kämmerei-, Schoss- und Bruchbücher etc. der Stadt

 - Bosinski, Gerhard. Güstrow und seine Kirchen. Evangelische Verlags-Anstalt, Berlin 1980. 2. Auflage 1982
 - Krüger (Dr.), Renate. Wer war Karl Fischer. Studie, Heinrich-Theissing Institut (HTI) Schwerin
 - Mastaler, Georg. Chronik der katholischen Pfarrkirche von Parchim Teil I-III, Eigenverlag Parchim 2012
 - Mastaler, Mathias (MM). Chronik zur Geschichte der katholischen Kirche von Güstrow, 2004; unveröffentlicht, AKKG-UpKKG
 - Mastaler, Wilhelm. Geschichte der katholischen Gemeinde von Güstrow, 2002; unveröffentlicht, AKKG-UpKKG
 - Mastaler, Wilhelm. Erinnerungen, 2002; unveröffentlicht, AKKG-UpKKG
 - Naczenski, Hans. Die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt Güstrow. AKKG
 - Niemeyer, August. Die Katholische Gemeinde in Güstrow, ihre Geschichte und ihr Gotteshaus. Artikel von 1953, erschien zum 725jährigem Jubiläum der Stadt Güstrow, in der von der Kreisleitung des Kulturbundes herausgegebenen Festdokumentation, S.23/24
 - Schäfer, Bernd. Priester in zwei deutschen Diktaturen. Die antifaschistische Legende des Karl Fischer (1900–1972), Böhlau Verlag, 2000; in: Historisch-Politische Mitteilungen Bd. 7/1, S.53-78; auch in: Zeitgeschichte regional, Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Koch, Bd. 6 / 2002
 - Schwark (Dr.), Bruno. IHR NAME LEBT. Ermländische Priester in Leben, Leid und Tod. veröffentlicht durch Bischof Maximilian Kaller-Stiftung, Reihe II. Heimat und Geschichte. Druck: A. Fromm, Osnabrück, 1958


 




Quellenverzeichnis

1   Textauszug aus der 2. Strophe des alten Osterauferstehungsliedes aus dem 14. Jh. "Nun freue dich, du Christenheit", mit Einführung des neuen Gottellobes (GL) wurde es durch die Einheitsgebetsfassung GL 773 ersetzt, die diesen Text nicht mehr enthält
Alte Fassung:
1. Freu dich, du werte Christenheit,
der Herr hat überwunden.
die große Marter, Schmerz und Leid,
das alles ist verschwunden.
Von Satans Joch sind wir befreit,
drum jauchze ihm, o Christenheit,
ein fröhlich Alleluja!
2. Dies ist der hohe Ostertag:
Auf, juble ihm entgegen!
Des Kreuzes Schande, Hohn und Schmach
verwandelt sich in Segen.

Hebt eure Häupter froh empor
und singet mit der Engel Chor:
Triumph dem Überwinder!
3. Sei hochgelobt, Herr Jesus Christ,
wir freun mit dir uns heute,
daß du vom Tod erstanden bist
zum Trost der Christenleute!
Des sind wir froh und singen all
mit Herz und Mund im Jubelschall:
Gelobt sei mit Maria!

Ein Mainzer Prozessionale aus der Zeit um 1390 bietet das früheste Zeugnis mit dem Incipit "Disse oisterliche dage" und 5 Strophen als Einschübe zwischen den Zeilen der Marianischen Antiphon "Regina celi letare". Eine Breslauer Handschrift von 1478 zeigt eine weitere Fassung, die aus drei Strophen besteht. Seit dem 16. Jh. erlangte das Lied dann fast überall große Beliebtheit.

2  Lk 19,9 EU, Zitat aus der Festpredigt des Osnabrücker Bischofs Dr. Wilhelm Berning am 25. August 1929 anläßlich der Weihe der katholischen Kirche, aus: Zeitungsartikel der Mecklenburgischen Tageszeitung Nr.199 vom Dienstag, 27. August 1929, S.3, AKKG

3    Geliefert wurden zum Kirchbau 144.000 Mauersteine, davon 52.000 Hintermauersteine, 28.000 zinnoberrote Vormauersteine (Wasserstrichziegel), 61.000 gebrannte, dunkelrote Vormauerungssteine und 3.000 ausgesuchte rotbraun-blauschwarze Klinker-Verblendsteine für den Sockel und die Kanzelstufen (diese lt. Stempel von Albert Herr, Klinkerfabrik, W. Wehningen in Dömitz / Mecklenburg). AKKG

4    "Mariä Himmelfahrt" ist die Namenspatronin der Katholischen Pfarrgemeinde Güstrow, ihr Patronatsfest wird am 15. August gefeiert

5    Ludwig Nolde, Bronze an der rechten Seite des Giebels der Kirche: "... Zum Titularfeste [15. August 1938] wurde die Front der Kirche mit einer in Bronze gegossenen Figur der zum Himmel fahrenden Madonna geschmückt. .." AKKG, Eintrag in der Chronik der Katholischen Pfarrgemeinde Güstrow 1226-1986 zum Jahr 1938
  - vgl. dazu Einträge in Noldes Werkbuch [Diözesanmuseum Osnabrück] von 1938: Nr. 377 = 1 Maria, Linde, 2,50, Modell f. Güstrow i. Mecklenburg ( 1. Entwurf, Verbleib unbekannt); Nr. 381 = 1 Corpus, Güstrow i. M.; interessanterweise gab es dazu noch einen zweiten Entwurf, Nr. 395 = 1 Maria m. Kind, Modell Güstrow, 2,50 (sie befindet sich noch heute in der Heilig-Kreuz Kirche Osnabrück-Schinkel)

6    Die Württembergischen Metallwerken (Württembergische Metallwarenfabrik AG) hatten eine Galvanowerkstatt in der Eberhardstrasse (73312 Geislingen / Baden-Württemberg).
Die Werksliste von WMF kennt jedoch diese Plastik von Ludwig Nolde nicht. Entweder lief sie unter einem anderen Namen, oder sie war kein offiziell gefertigtes Auftragswerk dieser Firma.

7    Werkbucheintrag: "1938, Nr. 381, 1 Corpus, Güstrow i. M."; Werkbuch im Bestand des Diözesanmuseum Osnabrück

8    Das Rundbogenfenster ist 7,18 m breit und 5,65 m hoch. In seiner ca. 32 qm großen Fensterfläche sind 118 Scheiben Tischkathedralglas (320 x 750 x 3 mm) in 7 Farben (Neuverglasung vom 14. – 22.08.2014) enthalten. Der Entwurf zur Restaurierung 2013/2014 stammt nach Vorarbeiten aus der Gemeinde aus der Hand des Glasgestalters Thomas Kuzio.
Das Rundbogen– oder auch Emporefenster befindet sich als Hauptfenster der Kirche im Frontgiebel. Die parabelförmige Stahlkonstruktion mit zwei senkrechten Hauptstreben ist in 3 x 3 Fensterreihen unterteilt (2,42 / 2,34 / 2,42 m).

9    Die Altarfenster, jeweils 6 Fensterreihen mit einer Höhe von 4,50 m haben insgesamt 216 Scheiben (530 x 230 mm) in 11 Farben.
Im Originalzustand der Fenster gab es wahrscheinlich nur 8 verschiedene Farben. Reste der ursprünglichen Originalgläser befinden sich noch heute im Besitz der Gemeinde. Dass die heutige Farbzusammensetzung der Fenster nicht mehr der ursprünglichen entspricht (ist bei der Komplettsanierung des Kirchendaches und der Altarfenster - als Nebenprodukt - 1995 durch Unachtsamkeit verloren gegangen), kann man sehr gut auf alten Bildern erkennen. Der Farbverlauf der alten Altarfenster war beginnend mit den dunklen Gläsern von vorne nach hinten und von unten nach oben aufsteigend. Er soll nach Aussage eines der ältesten Gemeindemitglieder, nach einem Kirchenlied gestaffelt gewesen sein.
Die obersten Fenster der jeweils inneren zwei Reihen lassen sich heute elektrisch zum Lüften öffnen.

10    Barlach, Ernst. Die Briefe II: 1925-1938; hrsg. von Friedrich Droß, München 1969, S. 124-125
Dass Muggly auch wirklich in Güstrow war, belegt ein weiterer Brief vom 21. März 1929 (vgl. Barlach, Ernst. Die Briefe II: 1925-1938; hrsg. von Friedrich Droß, München 1969. S. 158-159), in dem ihm schrieb: "Also mit dem Zustandekommen der Glasfenster ist meine Sache im Dom nunmehr als ganz beendet anzusehen".

11    Nachforschungen von Dr. Siegfried Lange und seinem Sohn - unter anderem beim Muggly-Enkel Prof. Dr. Hardo Bruhns und der Nachfolgefirma der 1912 von Otto Peters in Paderborn gegründeten "Westfälischen Kunstanstalt für Glasmalerei und Kunstverglasung" – der heutigen Firma "Glasmalerei Peters GmbH" in Paderborn -, ergaben konkretere Hinweise darauf. Ernst Barlach kannte als "Güstrower" den Bauzustand der Kirche (sein erstes "Atelier" war um die Ecke, in der Walkmühlenstr. gewesen). Als er erfuhr das Paul Korff eine fachliche Beratung für die geplanten Fenster suchte, nutzte er die "Gunst der Stunde" - für die wenigen Fenster in der Winterkirche am Dom, die er für seinen seit dem 29. Mai 1927 dort befindlichen Schwebenden Engel brauchte, wäre Muggly wohl nicht extra aus Bielefeld gekommen - und informierte in einem Brief vom 23. Juli 1928 (siehe Anmerkung 9) diesen über diesen Umstand.
Er einigte sich schließlich vertraglich mit Korff und Berger über die Anfertigung farblich-struktureller Entwürfe für die Fenster der neuen Kirche. Nach Archivauskünften der Glasmalerei Peters, war diese ebenfalls mit daran beteiligt. In ihrem Werksverzeichnis von 1929 fanden sich zwar keine Entwürfe oder gar Fotografien, jedoch ist die katholische Kirche und - was besonders interessant ist - auch Prof. Muggly in diesem Zusammenhang mit verzeichnet.
Das Glas und die Bleiverglasungen der Fenster lieferte die Paderborner Firma, die Ausführung der Glasarbeiten übernahm jedoch der Güstrower Glasermeister Paul Kuhlmann aus der Feldstraße 16.

12    Die Dachkonstruktion im Hauptraum der Kirche hat eine Höhe von 9,8 m, eine Länge bis zum Chorraum von 20,20 m (Gesamtlänge der Kirche von 27 m) und eine Breite von 13 m (Gewölbe-Maueraufsatz). Der Altarraum ist 7,4 m lang, 5,6m breit und hat eine Höhe von 9m. Er beginnt mit einem hoch aufsteigenden, spitz zulaufenden breiten Chorbogen aus Backsteinen.

13    Hochaltarkreuz, Metall teilvergoldet (4,7 x 2,2 x 0,21 m)

14    Ein bogenförmiges Gewölbe aus Holzlamellen im Zollbau (Zollinger)-Lamellensystem (Dachfläche ca. 572 qm). Von 1921 bis 1926 erfolgte der Vertrieb durch die Deutsche Zollbau-Licenz-Gesellschaft m.b.H., die danach durch die Europäische Zollbau-Syndikat A.G. ersetzt wurde.
Die ovalen Bretter haben eine Länge von 2,33 m und sind oben und unten je 0,23 m und in der Mitte 0,30 m stark. Die damit gebildeten Rauten haben eine Höhe von 2,10 m und in der Mitte eine Breite von 0,72 m.
Auch der Paderborner Architekt und Gutachter des Bonifatiusvereins Max Sonnen (* 1886 - † 1939) nutzte diese Bauform des Spitzbogens. Mit dieser Bauweise konnte man bis zu 40% Dachbaukosten einsparen. Das war für die schlechte Finanzlage der Diasporakirchen ein ausschlaggebendes Argument (vgl. d.a. Sievert, Christel. Von der Notkirche zum Bau der Moderne - Die katholische Kirche Güstrow. S.95-105 in: Elke Onnen, Ulrike Volkhardt. Paul Korff: Ein Architektenleben. 2017).

15    Das gewölbte Zollbau-Lamellendach wurde aufgrund seiner wirtschaftlichen Vorteile (Verzicht auf Balken und Stützen, konnte gebäudeunabhängig im Sägewerk in großen Stückzahlen gefertigt werden, 40% weniger Holzverbrauch und verringerter Montageaufwand) viel häufiger realisiert, indem die Längsseiten der Bretter gekrümmt zugeschnitten wurden und so die Wölbung des Daches bestimmten. Nach einer kurzen Erprobungsphase beschränkte man sich darauf, nur die nach oben zeigende Brettseite gebogen zuzuschneiden; die untere Seite blieb gerade. Die Bretter wurden rautenförmig aneinander gesetzt und verschraubt, so dass sich eine netzartige Dachfläche ergab - wie in dieser Kirche.
Länge und Dicke der Lamellen richteten sich nach der Spannweite und Neigung des jeweiligen Daches; in der Regel waren die Bretter aber zwei Meter lang und zweieinhalb Zentimeter dick. Den Abmessungen der Lamellen war der Durchmesser der Verbindungsbolzen sowie die Größe und Form der Unterlegscheiben angepasst. Dickere Lamellen wurden mithilfe von Bolzenpaaren miteinander befestigt.
Ein Nachteil dieser Konstruktion ist jedoch, dass die Schraubverbindungen regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls (alle 25 Jahre) nachgezogen werden müssen.
Das Zollinger-Lamellendach wurde aber nicht nur in Kirchen sondern auch im Wohnungsbau, beim Bau öffentlicher Gebäude (Albrecht Dürer Schule und Turnhalle in Merseburg 1927-1928), großer Hallen (Scheunen, Flugzeug- und Eisenbahnhallen, Stadien und Markthallen) angewendet.

16    Die Kunstschmiedearbeiten führte der Güstrower Schlossermeister Friedrich Gielow aus der Grepelstraße 13 aus. Von ihm stammten auch der heute nicht mehr verwendete Halter des Ewigen Lichtes, der Leuchter für die Osterkerze und der Halter für das Karfreitagskreuz.
Das schmiedeeiserne Gitter am Hochaltar schloss ursprünglich bis 1969 die Mitte der Kommunionbank. Es zeigt die bildhafte Darstellung des Altarsakramentes: eine Kornähre, eine Weinrebe, den Abendmahlskelch, die Hostie und die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes.

17    Nach einem Entwurf des Diakon Meissner i.R. (Teterow) und von der Tischlerei Meinert aus Rostock geschaffen, wurden sie am Tag des Patronatsfestes unserer Kirche (15. August) bei uns in der Kirche im Jahr 2010 eingeweiht.

18    Das rote Licht brennt ständig als Zeichen der Anwesenheit Gottes in jeder katholischen Kirche – daher auch der Name "Ewiges Licht". Die ursprüngliche elektrische Ausführung (der Entwurf stammt von Paul Korff, gebaut 1939 von Friedrich Gielow, gestiftet von Frau Schulte-Silberkuhl aus Schmerlecke in Westfalen) befand sich noch an der Seite des Altarraumes im Chorbereich (anfangs auf der linken Seite des Chores, nach 1950 nach rechts verlagert).
Das heutige 7-Tage Wachslicht oberhalb des Tabernakels kommt in dieser Form (seit 1997) seiner Bestimmung am ehesten zu. Es soll zum einen den Ort kennzeichnen, an dem sich das Allerheiligste (konsekrierte Hostien) befindet, und es soll dieses auch ständig tun – auch bei einem Stromausfall.

19    Luk. 1, 26-28 EU

20    Nolde Zitat aus dem Artikel "Die Seele im Blick" von Hermann Queckenstedt am 25.11.2013 im "Kirchenbote" von Osnabrück, anläßlich der Sonderausstellung des Bildhauers Ludwig Nolde (bis 27.04.2014) im Diözesanmuseum von Osnabrück

21    AKKG, Eintrag 1919: "Für die Ausstattung der Notkirche gab die Mutter-Pfarrei Rostock den in der alten "Flora" früher benutzten Altar, 6 Kirchenbänke, 2 lebensgroße holzgeschnitzte Figuren - Maria und Josef mit Sockel - sowie die bis zum Kirchbau in Rostock benutzte Kommunionbank." Dies ist die erste bekannte Erwähnung der beiden Heiligenstatuen von Ludwig Nolde. Als Frühwerke von ihm werden sie auch nicht in seinen späteren Werkbüchern erwähnt.
  - "Flora" war der Name einer alten Ausspannwirtschaft vor dem Kröpeliner Tor (am Schröderplatz) in Rostock, in der sich seit 1887 die neue Kapelle der Christusgemeinde von Rostock befand. 1872 durfte sich als erster Geistlicher Wilhelm Priem in Rostock niederlassen. Er nutzte eine Kapelle in einem Nebengebäude des Lokals "Bellevue" in der heutigen Blücherstraße. Ein Feuer zerstörte jedoch diese Kapelle 1879. Pastor Ludwig Brinkwirth plante nun einen eigenen Kirchbau, das Schweriner Ministerium und der Rostocker Rat lehnten dieses aber ab. Was gelang, war dann der Kauf der alten "Flora". Erst Pfarrer Wilhelm Leffers erreichte mit der Weihe der Christuskirche das ersehnte Ziel.
  - In den beiden "Tauffenstern" der einst geplanten - aber nie vollendeten - Taufkapelle sind daher auch typische Taufsymbole zu sehen: die Taube, Lichtstrahlen der Gnade und das Wasser als Quell des Lebens. Sie wurden - wie auch das Gitter der Kommunionbank [1929] oder der Korff`sche Halter [1939] des alten "Ewigen Lichtes" vom Güstrower Schlossermeister Friedrich Gielow aus der Grepelstraße 13 geschaffen.

22    Eine Fotografie des Entwurfs zum Christkönigskreuz (vor 1929) befindet sich im Archiv des Fotografen Berthold Kegebein, Negativ-Nr. FD 350 132, um 1930

23    Kapuzinerpatres Egbert Bauer und Konstans Wolfgruber OFMC aus Altötting / Erzbistum München
Die Patres Bauer und Wolfgruber waren im Kriegsgefanfenenlager 307 an der Bittersee [bei Fanara nahe dem Suez-Kanal] in Ägypten interniert gewesen. Nach der Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft 1944 (das Lager wurde aufgelöst) und ihrer Rückkehr per Seeweg waren sie vom 2. Juni bis mindestens 11. September 1944 in der Güstrower Gemeinde zur Erholung anwesend, bevor sie nach Altötting zurückkehrten.
  - AKKG, Einträge vom 11.9.1944 [Nr.143] im Celebrationsbuch 1924-2003: "p.t.Uffz. u. Ex-Prisoner of War Nr. 100806 intimas gratias agens Deo et B.M.V. celebravi primam missam post ex silium ui anglosaxonico P_" und "aus Ägypten führst Du Dein Volk wieder heim." Glücklich zurück aus dem P.O.W. Lager 307 an der Bittersee seit dem 2. Juni wieder die erste Hl. Messe gefeiert: Gott zum Dank Maria zum Preise und meiner Seele zum Trost."
  - AKKG, Chronik 1226-1986: "Am 29. September 1944 bekamen wir eine Reliquie vom hl. Bruder Konrad für unsere Kirche geschenkt. Die beiden Kapuzinerpatres Bauer und Wolfgruber bedankten sich damit für die freundliche Aufnahme, als sie aus der Kriegsgefangenschaft kamen."

24    die Legionsstärke der römischen Armee pendelt im Laufe der Zeit zwischen 6600 und 12000 Mann

25    Es geschahen in dieser Zeit auch mehrere wunderhafte Ereignisse (Mirakel), daher rührt auch die weite Verbreitung vieler Mitglieder dieser Legion als Schutzpatrone der Städte in Norditalien, in der Schweiz und im Rheintal. Allein in Deutschland gibt es nicht weniger als 114 Kirchen und Kapellen, die dem heiligen Mauritius geweiht sind. Man mag sich wundern, dass unter den Märtyrern der Legion etliche Frauen waren, doch gemäß den Geflogenheiten jener Zeit pflegten die Oberbefehlshaber und hohen Offiziere der römischen Legionen weibliche Mitglieder ihrer Familien (Mutter, Frau oder Schwester) mitzunehmen. Sie sorgten so für das Wohlbefinden ihrer Söhne, Ehemänner oder Brüder während der langen Feldzüge, die manchmal Monate oder sogar Jahre dauerten. Die heilige Verena z.B. war eine dieser Frauen.

26    AKKG, Chronik 1226-1986: "Am 1. März 1930 erteilte der Bischof dem Pfarrer die Vollmacht, in der neuen Marienkirche einen Kreuzweg zu errichten und einzuweihen. Frau Konsul Wölting hatte diesen Kreuzweg - eine Reproduktion des von Beuroner Benediktinern in einer Stuttgarter Kirche gemalten Kreuzwegs - schon für die Notkirche gestiftet."

27    AKKG, Chronik 1226-1986, "In der Fastenzeit 1961 konnten wir unseren neuen Kreuzweg einweihen."

28    Dieser Kreuzweg von Walter Mellmann nach einem Holzschnitt aus den 50er Jahren taucht später in vielen Variationen auch als Bronze wieder auf (z.B. in St. Thomas Morus Bonn-Tannenbusch, im Steinkreuzweg der Pfarrei Mariä Verkündigung Tegernheim oder im Kreuzweg von St. Norbert Bocholt). Er ist in folgende 14 Stationen eingeteilt:
   I.  –  Jesus wird zum Tode verurteilt
  II.  –  Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
 III.  –  Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
  IV.  –  Jesus begegnet seiner Mutter
   V.  –  Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
  VI.  –  Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
 VII.  –  Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
VIII.  –  Jesus begegnet den weinenden Frauen
  IX.  –  Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
   X.  –  Jesus wird seiner Kleider beraubt
  XI.  –  Jesus wird an das Kreuz genagelt
 XII.  –  Jesus stirbt am Kreuz
XIII.  –  Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
 XIV.  –  Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

29    AKKG, Chronik 1226-1986, Eintrag zu 1929: "Im laufe der Jahre wurden weiter gestiftet: Direktor Schulte-Pelkum, Essen = Taufstein aus belgischem Marmor, ..."
Hermann-Josef Schulte-Pelkum (* 01.07.1874, Essen - † 04.04.1945, Essen), 1898 zum Priester geweiht, war von 1910 bis 1945 Direktor des Franz-Sales-Hauses in Essen. Unter seiner Leitung entwickelte es sich zur größten katholischen Pflege- und Erziehungseinrichtung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche in der Rheinprovinz und zur zweitgrößten Deutschlands.
Er war daneben aber auch noch seelsorgerisch eingebunden, von 1925 bis 1929 als Pfarrer der Gemeinde St. Bonifatius in Huttrop, und ab 1925 als Dechant von Essen-Altstadt (ab 1934 als Stadtdechant).

30    Der Johannistag (auch Johanni, Johannisfest und Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni. Damit gehört er neben der Gottesmutter Maria und Jesus zu den drei Heiligen, deren Geburt von der Kirche gefeiert wird und nicht wie bei den anderen Heiligen, der Todestag. Der Tag als längster und lichtreichste im Jahr, bezeichnet auch die Sommersonnenwende.
Johannes der Täufer, auch Johannes Baptista (* 24. Juni, um 5 vor Chr. in Ein Kerem bei Jerusalem - † 29. August 29 in der Burg Machaerus, Jordanien oder in Tiberias in Galiläa) war der Sohn von Elisabeth und Zacharias. Er gilt als der letzte große Prophet der biblischen Tradition und war der "Vorläufer" von Jesus. Am Jordan (wsl. an der heute Qasr el Jahud genannten Stelle bei Bethanien, dem heutigen al-Eizariya auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres) verkündete er das Kommen des von den Juden ersehnten Messias, vollzog zur Vorbereitung hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht und versammelte eine Schar von Anhängern um sich. Sein Wirken wird auf die Botschaft des Propheten Maleachi zurückgeführt, wonach Gott einen "Boten" schicken wird, der "den Weg freiräumen" soll mit seiner Gerichtsbotschaft, die zur Läuterung dient (3, 1-4).
Herodes Antipas, der "Tetrach" - einer der drei Herrscher im nun aufgeteilten, von Rom abhängigen Königreich im Heiligen Land - ließ Johannes gefangen nehmen und enthaupten, weil dieser ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Auch Flavius Josephus berichtete von dieser Tötung durch Herodes Antipas auf der Bergfeste Machaerus nahe des Toten Meeres im Rahmen seiner Darstellung des Niedergangs des Herrschers.

31    Matthäus 11,11: "Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er."
Das Wort, "der Kleinste im Himmelreich ist größer als er", bezieht sich auf die neutestamentlichen Segnungen, indem der Kleinste, der diese genießt, mehr besitzt, als der Größte unter dem Bund des Alten Testaments.

32    AKKG, Chronik 1226-1986, zu 1919: "Als Seitenaltar wurde der in der Kirche des Gefangenenlagers benutzte Altar aufgestellt, mit dem Bild der "Immerwährenden Hilfe". Diesen Altar hatte der erste Militärpfarrer des Gefangenenlagers Bayer aus Aachen geschenkt bekommen. ..."

33    Die Geschichte ihrer Verbreitung zeigt, wie Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann, denn es ist die Geschichte eines unbekannten Künstlers, eines reuigen Diebes, eines neugierigen kleinen Mädchens, einer verlassenen Kirche, eines alten Ordensmannes, eines Papstes, eines Krieges - also einer langen Geschichte. Vor allem aber ist es die Geschichte der Gegenwart Mariens im apostolischen Leben der Missionare der Kongregation vom Allerheiligsten Erlöser - der Redemptoristen in deren römischer Kirche Sant' Alfonso all' Esquilino, sich das Originalbild heute befindet.

34    = julianisch; gregorianisch war es der 5. Dezember
Die Ikonenschreiberin Ursula Räke aus Altenmedingen hat von der serbischen Schwester Nektarija das Malen der Heiligenbilder gelernt. Der Kontakt zu ihr kam über den Güstrower "Verein zur Förderung religiös motivierter Kunst e.V." (VRK) und ihrer Galerie in der Besserstraße 1 zustande.
www.galerie-guestrow.de

35    2009 durch Glasermeister Gerhard Reincke aus Rukieten (bei Schwaan) angefertigt; Die im Zuge der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen 2008 / 2009 neugeschaffenen Fenster des Beichtraumes an der Nord-Westseite der Kirche bestehen aus einem Doppelfenster mit Nord-West-Ausrichtung und zwei Lichtbändern, von denen eines nach Nord-Osten und das andere nach Süd-Westen weist.
www.glaserei-reincke.de
Gerhard Reincke hat auch im Zuge der Sanierungsarbeiten der Kirche 2013 die Lichtbänder im Eingangsbereich der Kirche und die beiden unteren Emporefenster neu geschaffen, die Neuverglasung des großen Rundbogenfensters ausgeführt und die fünf neuen Sakristeifenster komplett neu verglast.

36    aus: Mastaler, Wilhelm. Erinnerungen. Anlage zur "Geschichte der katholischen Gemeinde Güstrow". 2001, unveröffentlicht, im Privatbesitz
Der Organist Bernhard Braun verstarb am 12. November 1962 in Güstrow.

37    Janotus de Bragmardo, Kap. 19 aus: Vie trés horrifique du grand Gargantua, von François Rabelais

38    Die größere der beiden Rathausglocken - die den Stunden-Schlag angab - wurde schon 1518 (der Neubau des Rathauses ist in vollem Gange) für 12 Gulden von einem "Klockengeter" am Tag der Hl. Margaretha (= 17. Oktober) abgerechnet (StA, Bauhofregister, 1518). Ihre Inschrift weißt auf die beiden Bürgermeister Berend Bremer und Achim Clevena der Stadt hin (Ratsprotokoll, StA).
Komisch ist allerdings die Tatsache, das auf der Glocke das Alter mit 1508 angegeben ist. Nachweislich im Bauhofregister wurde die Glocke jedoch erst 1518 erwähnt und auch bezahlt, daher ist es entweder ein Gussfehler oder sie wurde erst 1518 bezahlt.
Die kleinere Glocke - die den Viertelstunden-Schlag angab - kam im Jahr 1598 von der Gertruden-Kirche (im Tausch gegen Steine für die Kirchhofmauer (1599, Kämmerei Register, StA). Sie hatte folgende Inschriften und Bilder:
obere Zeile: o rex glorie christe veni cum pace. Amen. Anno Domini MCCCCLXVII (1467) - als spätere Viertelstundenglocke der Pfarrkirche hat sie 1463 als Jahresangabe)
mittlere Zeile: Jaspar Malchnar Baltezar (Caspar - Melchior - Balthasar)
untere Zeile: Claves Duncker. Lüde frey allen Lüden. (Claus Duncker. Leute frei allen Leuten.)
darunter: ein Gesicht, "so nach alter Art Ehrigies Salvatoris seyn soll"
gegenüber: eine "Hauß Marcke".
Nachdem die beiden Glocken am 26. Oktober 1742 vom Turm des Rathauses heruntergeholt worden waren, wurde die Uhr bis zum 30. November desselben Jahres in den Turm der Pfarrkirche eingebaut und "reguliert" (Ratsprotokoll, StA). Die Glocken kamen jedoch erst 1774 auf den Turm.
Kurioserweise wurde nach der Entfernung der beiden Rathausturmuhr-Glocken wieder eine neue angeschafft. Im Jahre 1797 wurde vom Rat festgestellt, das beim Leuten der kleinen Glocke, diese an beiden Seiten oben an die Balken des Rathausturmes anschlägt. Dies erledigte sich dann aber auch 1798 mit dem Abriss des Rathausturmes.

39    Barlach, Ernst. Die Briefe I: 1888-1924; hrsg. von Friedrich Droß, R. Piper & Co. Verlag München 1969; Brief 1908: "Die Türme von Güstrow, glockentonweit entfernt, winken mit der Gebärde alter Bauten. Und wenn man über Land geht, sieht man in allen Tälern Seen liegen."

40    BVG = Bochumer Verein für Bergbau und Gussstahlfabrikation
Von 1851 bis 1970 wurden in Bochum vom BVG im industriellen Rahmen Glocken aus Gussstahl gegossen. Bis Mitte der 1950er Jahre wurden über 20.000 Glocken hergestellt und in alle Welt exportiert, darunter so exponierte Exemplare wie die Friedensglocke von Hiroshima. Diese Zahl sank bis Ende der 1960er Jahre so weit ab, dass der damalige Eigentümer Krupp die Produktion einstellen ließ.
In der relativ kurzen Produktionszeit der Bochumer Gussstahlglocken wurden viele verschiedene Rippentypen verwandt. Bis zum Jahre 1937 wurden die meisten Glocken in sogenannter Untermollsext-Rippe (der Unterton der Glocke steht zum Schlagton im Verhältnis zu einer Moll-Sexte) hergestellt. Die daraufhin in Oktavrippe (Unteroktave = Unterton) gegossenen Glocken wiesen jedoch einen erheblichen Klangfehler auf: Ihr Schlagton ist im Abstand einer Sekunde aufwärts verdoppelt und verursachte somit eine unangenehme Dissonanz.

41    aus: Mastaler, Wilhelm. Erinnerungen. Anlage zur "Geschichte der katholischen Gemeinde Güstrow". 2001, unveröffentlicht, im Privatbesitz

42    Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn ist die älteste bestehende Glockengießerei der noch in Deutschland existierenden sechs Betriebe.
Seit dem 17. Jahrhundert im Familienbesitz, zählt sie heute zu den bedeutenden Glockengießereien in Europa. Ihr Inhaber Hanns Martin Rincker
führt gemeinsam mit seinem Bruder Fritz Georg die Glockengießerei in der 13. Generation mit 25 in ihr beschäftigten Personen.

43    aus: Mastaler, Wilhelm. Erinnerungen. Anlage zur "Geschichte der katholischen Gemeinde Güstrow". 2001, unveröffentlicht, im Privatbesitz

44    AKKG, Chronik 1226-1986 und evtl. Beschreibung, "Am 10. Juni 1930 wurde in der Kirchenvorstandssitzung beschlossen, eine Kirchenheizung "System Mohr" einzubauen."

45    AKKG, Chronik SR, T1, "1963 wurde die andere Wohnung oben frei. Bis dahin hatte der langj&aauml;hrige Hausmeister Karl Tott sie bewohnt. Er starb bei seinen Verwandten in Sarmsdorf."

46    AKKG, Chronik 1226-1986, "Am 1.5.62 zog der Hausmeister Erich Gehrmann in das Schwesternhaus ein. Er heizte die Kirche und das Pfarrheim, pflegte den Pfarrgarten und den Kirchplatz. Seine Frau Elisabeth Gehrmann putzte die Kirche und half in der Pfarrheimküche. Er wirkte vom 1.5.1962 bis 30.5.1974."
  AKKG, Chronik SR, T1 "1962 verzichtete im oberen Stockwerk eine alte Frau auf ihre Wohnung. Die Familie Gehrmann (bis dahin in der Stadt Glevinerstrasse wohnend), bekam mit dem Amt des Hausmeisters auch die Wohnung um für Kirchplatz, Garten und Pfarrheim mitzusorgen."

47    AKKG, Chronik 1226-1986: "Im Juni 1986 wurde der neue Kirchenheizofen eingebaut, ein Geschenk Westdeutscher Katholiken." Es war wieder ein Warmluftofen der Firma Mahr aus Aachen mit Kohle oder Koks beheizbar.
  AKKG, Chronik der Ordensschwestern, Teil 1 (1946-1992): "Verbunden mit der Erneuerung des Fußbodens wurde 1992 eine Ölheizung eingebaut. Dafür war ein Anbau notwendig, um die Ölbehälter aufzunehmen (5000 Ltr. / 5 x 1000). ... die Firma MAHR aus Aachen zuständig (sie hat von Anfang an die Heizungen unserer Kirche installiert und betreut)."

48    AKKG, Auszug aus dem Artikel im Güstrower Anzeiger Nr. 199, Dienstag den 27. August 1929, 43. Jahrg. Seite 2: "Die Weihe der katholischen Marienkirche"






Abbildungen

Titel-Bildband:  Ansichten von der Kirchweihe 1929 über Ostern, Erntedank zum Weihnachtsfest 2019

Abb. 1  Alte Ansicht von 1930 mit Rudolf Paschen und Pastor Hemmesaat, AKKG; Aktuelle Ansichten der Kirche, Fotos: MM 2009, 2015

Abb. 2  Ansichten der Bronzefigur an der Außenwand der der Güstrower Kirche, Foto: MM 2015

Abb. 3  Ansichten einer Fotografie mit einem Modellentwurf von 1937 bzw. des fertigen Modells Nr. 377 aus dem Auftragsbuch von Ludwig Nolde 1919-1947, AKKG, Fotoarchiv

Abb. 4  Ansichten der Außenseite (Giebel / Frontseite) und Rückseite, der Fenster nach der Sanierung 2012/13 und des Chorraumes der Kirche, Fotos: MM 2011 bis 2018

Abb. 5  Ansichten des Altarraumes im Laufe der Zeit: obere Reihe, Bild 1 (links): 1929, Bild 2 und 3: 1948, Bild 4: 1951, AKKG, Fotoarchiv;
untere Reihe, Ansichten von 2009 bis 2018, Fotos: MM

Abb. 6  Ansichten der Dachkonstruktion und ihrer Befestigungen, Fotos: MM 2014-2019, Bild Mitte (4): Auszug aus einer Dachzeichnung von 1928, Korff / Berger, AKKG

Abb. 7  Ansichten der Ambonen, Fotos: MM 2011

Abb. 8  Ansichten des Chhorraumes mit Kanzelfenster und Taufkapelle; Entwürfe Korff / Berger vom Januar und August 1928, AKKG; Entwürfe von Kanzel und der Nebenaltäre, Paul Korff, April und Juni 1929, AKKG, Bauakten

Abb. 9  Ansichten der Nebenaltäre mit den Nolde Statuen (die von Maria sind von 2019 mit der restaurierten Ansicht) und Ansichten der Kanzel und der Tauffenster der rechten Sakristei, Fotos: MM 2006-2019

Abb. 10  Ansichten der Kreuze von Kanzel und Hochaltar, Bild 3: Ansicht Christkönigsfest 1933, AKKG; weitere Fotos: MM 2006-2018

Abb. 11  Ansichten der Holzfiguren des Hl. Konrad, Antonius von Padua und der Hl. Beatrix in der Kirche, Foto: MM 2009

Abb. 12  Die Reliquie - "Bruchstücke aus den Körpern der verehrungswürdigen Seligen und Heiligen" befindet sich in einem versiegelten und beschrifteten runden Glasbehälter. Der Postulator D. Albertus Parenti. O.S.B.V. (Benediktiner) hat dies in einer "Urkunde" am 5. Mai 1954 bestätigt.

Abb. 13  Die 14. Kreuzwegstationen von Walter Mellmann in der Güstrower Kirche; Reproduktionen der Holzschnitte um 1950; weitere vergleichbare Kreuzwege von ihm z.B. in Osterbrock (Emsland), in Düsseldorf, in Zschornewitz (Sachsen) und in Zürich

Abb. 14  Bilder vom einfachen Beichstuhl hinten links und rechts in der Kirche, der Variante in der rechten Sakristei bis hin zum angebauten Beichtraum, Fotos: MM 2005 bis 2018

Abb. 15  Ansichten vom Entwurf bis zur fertigen Orgel; Bild links: Entwurf von 1983, AKKG; Bau der Orgel 1987 mit 16 Register und 1304 Pfeifen aus der Gothaer Werkstatt von Rudolf Böhm in 5 Monaten errichtet, Fotos: MM 2015

Abb. 16  Ansichten der Barackenkirchen und ihrer Glocke, AKKG, Fotoarchiv

Abb. 17  Ansichten der Kirche und ihrer alten Glocke, Ansicht 1929 mit den beiden Glockenfenstern von der Hafenstraße aus, AKKG; Ansichten der Glockenbetätigung und der Glocke, Fotos: MM 2007/2008

Abb. 18  Vom Glockenguss bis zur Glockenweihe am 15.03.2014, AKKG, Fotoarchiv: Astrid Bartels 2014

Abb. 19  Die neuen Glocken der Kirche, Fotos: MM 2014

Abb. 20  Sakristei- und Wandelglöckchen, Fotos: AM 2019, MM 2014

Abb. 21  Bild 1, links: Warmluftheiz Apparat Originalsystem Mahr 1930, Foto: www.mahr-heizung.de; Bild 2: Montage der modernisierten Heizung 1986, AKKG; Bild 3: Ansicht des Heizungskellers 2007, Foto: AKKG; Bild 4: demontierte Tanks, Reste der alten Ölheizung, AKKG, 2009; Bild 5: Steuerungsmanual TR1 der Mahr-Warmluftheizung, Foto: MM 2009


 



 




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